Kloster Springiersbach - Geschichte Teil I

 
 

Die Geschichte Springiersbachs beginnt in einer äußerst turbulenten Zeit im Übergang von 11. zum 12. Jhdt. Es war die Zeit des sogenannten Investiturstreits. Papst und Kaiser lieferten sich erbitterte Kämpfe um das Recht der Bischofseinsetzung. Gegenpäpste und Gegenkönige wurden gewählt. Die Reichsfürsten, geistliche wie weltliche, wurden in die Auseinandersetzung verwickelt. Von 1077 an tobte für Jahre in Deutschland der Bürgerkrieg. Einer der Gegenkönige, Hermann von Slam, wurde 1088 auf der nahen Burg Cochem erschlagen.

1095 rief Papst Urban II. zum ersten Kreuzzug auf. Massen von fanatisierten Menschen machten sich auf den Weg nach Jerusalem. Wie fanatisiert sie waren, zeigt der Judenprogrom von 1096, als Kreuzfahrer Tausende von Juden in den rheinischen Städten massakrierten.
Das Unheil der Welt erklärten sich die Zeitgenossen aus der Verweltlichung, dem Verfall des Christentums. Rückkehr zu der Lebensform und den Tugenden der Urkirche, zum apostolischen Leben, hieß die Forderung der Zeit. Neue Orden, Reform-Orden, schossen aus dem Boden und verbreiteten sich in Windeseile mit Hunderten von Klöstern über ganz Europa:

  • 1084 Karthäuser
  • 1098 Zisterzienser (Bernhard von Clairveaux, Himmerod 1135)
  • 1120 Prämonstratenser (Norbert von Xanten)

Im Zuge dieser Bewegung ist Springiersbach entstanden. Es darf sich rühmen, das erste Reformkloster im Bistum Trier gewesen zu sein. Das verdanken wir einer frommen Frau Namens Benigna, Witwe des pfalzgräflichen Ministerialen Ruker (Rudgerus), der im Kröver Reich bedienstet war. Benigna stammte aus der Dauner Ministerialenfamilie. Das waren im Vergleich zum alten Adel, den Edelfreien, recht kleine Leute, aber sie entwickelten sich im Lauf des 12. Jhdts. zum Ritterstand, dem sogenannten niederen Adel und hoben sich stark von der breiten Masse ab.

Nach dem Tode Rukers entschloß sich die Witwe Benigna, sich auf ihr Witwengut auf Thermunt, einem Gehöft im Kondelwald zurückzuziehen und und ihr Leben in mönchischer Abgeschiedenheit Gott zu widmen. Ihr Sohn Richard, ein hochgebildeter Jüngling, und ihre Tocher Tenxwindis schlossen sich an. Weitere Gleichgesinnte folgten. Das geschah um das Jahr 1100.
Im Jahre 1102 jedenfalls erschien der Trierer Erzbischof Bruno auf Thermunt und weihte die neugeschaffene "cella" (Klösterchen) ein. Das bezeichen wir als die Geburtsstunde Springiersbachs. Die Cella stand höchstwahrscheinlich an der heutigen B 49, km 16,4, dort, wo das "Eulenpfädchen" nach Springiersbach abzweigt.

Teil II - Wie konnte die Witwe Benigna zur Klostergründerin werden?