"Heimkehr" alter Glasfenster ins Kloster Springiersbach
Im Vorfeld der 900-Jahrfeiern des Klosters Springiersbach, die vom 23.08.-25.08.2002 abgehalten werden, gelang es dem Kloster, zwei interessante Objekte aus seiner Vergangenheit zu erwerben und nun wieder nach Springiersbach zurückzuführen. Diese wurden dort am 21.06.2001 erstmals vorgestellt.

Beide Neuerwerbungen reichen in die Zeit des Vorgängerklosters der Augustinerchorherren zurück, das im Jahre 1802 säkularisiert wurde. Beide beziehen sich auf den drittletzten Abt dieses Klosters, Johann Balduin von Berg-Dürffendahl, der 1672 im Haus Dürffendahl bei Zülpich geboren wurde. Seit 1695 ist er als Kanoniker in Springlersbach nachgewiesen. 1711 wurde er zum Abt des Augustinerklosters gewählt, dem er bis zu seinem Tode im Jahre 1728 vorstand. In seiner Zeit verlor das Kloster allerdings seinen Einfluß auf das von Springiersbach aus gegründete Augustinerinnenkloster St. Thomas in Andernach, doch war diese Veränderung nicht ihm sondern in erster Linie seinen Vorgängern anzulasten. Andererseits hatte er in Springiersbach größere Bautätigkeiten entwickelt und daher deutliche Spuren hinterlassen. Auf ihn geht nämlich der Neubau des Nordflügels zurück, der 1720/21 abgeschlossen werden konnte. Sein Wappen finden wir daher auf einem Portal dieses Flügels, das zum Innenhof führt. Ein weiteres Abtswappen von ihm zeigt ein Schlußstein des Stallgebäudes vom Springiersbacher Hof.


Bereits im vergangenen Jahr wurde dem Kloster vom dem Ratinger Juristen Dr. Franz-Josef Bender ein Ölgemälde mit dem Portrait des Abtes Johann Balduin von Berg-Dürffendahl gestiftet. Vermutlich ist es in den letzten Jahren seiner Amtszeit (nach 1720) entstanden. Das Abtswappen und die Kleidung weisen den im Brustbild dargestellten eindeutig als Johann Balduin von Berg-Dürffendahl aus. Er ist damit bisher der einzige aus der Reihe der Springiersbacher Augustineräbte, von dem eine Portraitdarstellung bekannt und sicher zugewiesen ist.

Auf die bereits angesprochene rege Bautätigkeit des Abtes Johann Balduin gehen die Reste mehrerer Glasfenster zurück, die schon vor längerer Zeit in den Kunsthandel gelangten. Ursprünglich dürften sie in den Klostergebäuden, vermutlich im Nordfügel eingebaut gewesen sein, ehe sie im Zuge der Säkularisation abhanden kamen. Insgesamt sind es fünf Fensterflügel, von denen das besterhaltendste und interessanteste das Abts- und Familienwappen des Johannes Balduin von Berg-Dürffendahl zeigt.



Die unter dem Wappen angebrachte Inschrift datiert das Fenster in das Jahr 1715: "Reverendissimus et perillustris Dominus. Dominus Bergh de Durffendahl praenobilis Canoniac(us) springersbacensis Abbas et diversarum parthenonum Ordinarius. Anno 1715."
(Hochehrwürdigster, hochangesehener Herr. Herr Bergh von Dürffendahl, adliger Stiftsherr, Abt von Springiersbach und verschiedener Angelegenheiten Ordinarius, im Jahre 1715).

Für den Erwerb dieser Fenster war eine größere Geldsumme aufzubringen, die von Seiten des Klosters aber nicht zu leisten war. Daher sprang Verbandsbürgermeister Otto Maria Bastgen als Sponsor ein. Da er im Februar seinen 50. Geburtstag feierte, verzichtete er auf Geburtstagsgeschenke und bat stattdessen seine Gratulanten, Geld für den Rückkauf der Springiersbacher Fenster zu spenden. Die erforderliche Summe kam weitgehend zusammen, so daß nun der Kauf der Fenster perfekt gemacht und die Fenster an ihren ursprünglichen Standort zurückgeführt werden konnten.
Dr. Karl-Josef Gilles, Trier