Das Kloster heute
Zum Konvent der Karmeliten in Bamberg gehören derzeit 17 Patres und Fratres. Das ist für Karmeliten ein relativ großes Kloster. Denn Karmeliten leben oft in kleineren Gemeinschaften.
Bamberg hat und hatte immer eine besondere Bedeutung für die Oberdeutsche Provinz der Karmeliten. Ist doch hier der Sitz der Provinzleitung und ihrer Verwaltung. Von hier aus werden die Beziehungen zu den Niederlassungen im süddeutschen Raum und im brasilianischen Kommissariat gepflegt und zu den Klöstern im südindischen Kerala. Diese bilden allerdings seit 2008 eine eigenständige Ordensprovinz. Der „Karmel-Kontakt“, ein vierteljährlich erscheinender Kontaktbrief zu den Freunden der Niederdeutschen und der Oberdeutschen Karmelitenprovinzen, hat hier seine Schlussredaktion und seinen Versand.
Mitbrüder der Oberdeutschen Provinz, die ihr Leben lang in verschiedenen Konventen und Aufgaben gearbeitet haben, verbringen ihren Lebensabend im Bamberger Haus. Soweit es ihre Kräfte zulassen, arbeiten sie noch in der Seelsorge mit. Diese Seelsorge geschieht zuerst in der Klosterkirche. Neben den Gottesdiensten an Sonn- und Werktagen bildet die Beichtseelsorge einen gewichtigen Schwerpunkt. In der katholischen Kirche haben sich in den vergangenen Jahren die Kloster- und Wallfahrtskirchen zu Zentren der Beichtseelsorge herausgebildet. Die Bamberger Karmelitenkirche gehört ohne allen Zweifel dazu. Wöchentlich werden hier zu ganz normalen Zeiten zwischen sechzig und siebzig Beichten abgenommen. In der österlichen Bußzeit sind es etwa zwischen zwei- bis zweieinhalbtausend. Die älteren Patres, die lebenslange Erfahrung aus der Seelsorge mitbringen, teilen sich die täglichen Beichtzeiten auf.
Jüngere Mitbrüder arbeiten in der ordentlichen Seelsorge, etwa in der Oberen Pfarre in Bamberg oder in der Pfarrei Schlüsselau nahe Bamberg. Auch die älteren Mitbrüder übernehmen noch Seelsorgsaushilfen in Pfarreien, soweit ihre Kräfte reichen. Ein Pater widmet sich der Seelsorge für Gehörlose und Hörbehinderte, wozu auch der Unterricht in der Schule gehört. Ein anderer ist Lehrstuhlinhaber an der kirchlichen Hochschule in Chur in der Schweiz. Einige der Mitbrüder des Bamberger Konventes sind zeitweilig außer Haus, um Exerzitien oder Besinnungstage zu halten. Auch Schwesterngemeinschaften fragen nach Beichtvätern bei den Karmeliten in Bamberg an.
Nach dem 2. Weltkrieg stellten sich die Karmeliten in Bamberg einer neuen Verantwortung. Es erfolgte die Gründung des Spätberufenenwerkes Theresianum, das jungen Menschen mit Berufserfahrung den Weg zum Abitur ermöglichen sollte. Inzwischen führen unter dem Dach des Theresianums drei Schulen junge Frauen und Männer zur Hochschulreife. Im Südtrakt des Dachgeschosses des Klosters ist eine begrenzte Anzahl von Zimmern eingerichtet, die intern wohnenden Schülern dienen. (Homepage desTheresianums: http://www.theresianum.de).
Das ehemalige Bubeninternat Marianum wurde 1991 in ein Jugend- und Bildungshaus gleichen Namens überführt. Mit Jahresschluss 2008 entschied die Provinzleitung aus wirtschaftlichen Gründen das Ende dieses Projektes. Zwei Stockwerke des ehemaligen Marianums sind vermietet und beherbergen das „Arkadenhotel im Kloster“, das von den Pächtern als Hotel garni geführt wird.(Tel. 0951/7509841–0)
Seit mehr als einem Jahr ist am Klosteraufgang ein Klosterladen eröffnet. Dieser Laden, der unter den deutschen Klosterläden bereits mit einem ersten Preis ausgezeichnet wurde, scheint eine Lücke auszufüllen. Nicht nur Touristen schauen herein und interessieren sich für Devotionalien, religiöse Literatur und Musik und für die bunte Palette vielfältiger Produkte aus anderen Klöstern und Orden. Auch viele Bamberger freuen sich über das reichhaltige Angebot und die kundige Beratung.
Schaut man all diese Tätigkeiten und Aufgaben des Bamberger Klosters an, dann könnte man zu der Meinung kommen, die Karmeliten würden sich nur über ihre Arbeiten definieren. Nun gehört der Karmelitenorden nicht zu den religiösen Gemeinschaften, die um eines Apostolatszweckes willen gegründet wurden. So gibt es in der Kirche Missionsorden und Schulorden und Krankenpflegeorden. Die Karmeliten gehören zu den älteren Gemeinschaften, in denen man sich zusammenschloss, um ein Ordensleben zu führen. Das bedeutet, man wollte einfach in betonter Weise Kirche sein, die Jüngergemeinschaft um Jesus nachbilden, Christusnachfolge in Gemeinschaft leben. Als besondere Akzentsetzung sehen die Karmeliten dabei den vertrauten Umgang mit Gott im Alltag und die innige Liebe zur Gottesmutter Maria. Das bedeutet, dass aus dieser geistlichen Grundhaltung heraus verschiedene Apostolatsaufgaben übernommen werden können, ohne dass die Gemeinschaft auf nur eine spezielle Arbeit ausgerichtet ist. So ist es geschichtliche Realität geworden und ist auch heutige Wirklichkeit. Man sieht es am Bamberger Haus und seinen Aufgaben. Bei allen Aufgaben hat dabei das gemeinsame Gebet seinen besonderen Platz. Wenn man Kirche sein will, muss das Lob und die Anbetung Gottes ein Schwerpunkt des gemeinsamen Lebens sein. Ebenso auch das Gebet für die Anliegen der Welt, für die Nöte der Mitmenschen, auch stellvertretend für jene Mitmenschen, denen nicht die Zeit und der innere und äußere Freiraum dafür zur Verfügung steht. Das dreimalige gemeinsame Beten des Stundengebetes der Kirche und die Feier der Eucharistie gehören zum festen Bestandteil im Tagesprogramm des Bamberger Klosters.
Sorge bereitet dem Konvent zur Zeit der Zustand der Klosterkirche. Jedem Besucher fällt auf, wie sehr die Kirche verschmutzt ist. Aber das ist nur das Sichtbare. Der Dachstuhl bedarf einer Sanierung, damit seine Last die Außenwände nicht auseinander drückt. Nach einer solchen Sanierung muss die Raumschale in Ordnung gebracht werden. Die Heizung ist altersschwach. Ebenso ächzt die Orgel und „pfeift beinahe aus dem letzten Loch“. Danach kann die Kirche wieder den Anstrich bekommen, der sie hell und schön macht. Der Konvent ist dankbar für jede Hilfe und Unterstützung. (Liga-Bank eG Bamberg BLZ 750 903 00 Karmelitenkloster Bamberg Kirchenrenovierung Kto-Nr. 309 001 310)
Stand: Juni 2010