Das Ordensleben beginnt mit dem von Gott geschenkten Ruf, der nach einer Antwort
von Seiten des Berufenen verlangt. Dieser Ruf und die Antwort erfolgen nicht
ein für allemal am Anfang, sondern sie sind ein Geschenk, das Tag für
Tag neu gegeben und empfangen wird: ein immer neuer Ruf, der eine immer neue
Antwort will. Dieses Abenteuer hat als Hauptpersonen Gott und den Berufenen
und wächst in einem Austausch der Freiheit und der Liebe beider. Es bringt
auch Verantwortlichkeiten und Einflüsse mit sich, die das Wirken Gottes
vermitteln und dem Berufenen helfen, darauf zu antworten.
51. Die Berufung: Geschenk Gottes und Antwort des Menschen
Die Berufung zum Ordensleben ist eine Initiative Gottes des Vaters, „Schöpfer
und Spender alles Guten, der sein Geschöpf mit einer besonderen Liebe und
im Hinblick auf eine spezielle Sendung an sich zieht (vgl. Joh 6,44).“153
Diese Anziehung ist erfüllt mit der Liebe des Vaters und wird durch Jesus
Christus vermittelt, der von einigen seiner Jünger „eine totale Verpflichtung“,
will, „die damit verbunden ist, dass sie alles verlassen (vgl. Mt 19,27),
um in innigem Vertrauen mit ihm zu leben und ihm überallhin zu folgen (vgl.
Offb 14,4)“.154
Wenn die gerufene Person etwas von dieser geschenkten, „ewigen und unermesslichen
Liebe, die an die Wurzeln des Seins rührt“155
erfährt, will sie mit einer ganzen und bedingungslosen Hingabe ihres Lebens
antworten.156 Von Christus
ergriffen, verlässt sie alles, um ihm zu folgen157
und sucht Tag für Tag, „sich in ihn hineinzudenken, indem sie seine
Gefühle und seine Lebensform annimmt.“158
Die erste Verantwortung für das Ja auf den Anruf Gottes und die Konsequenzen
daraus liegt beim Gerufenen. Doch diese Antwort, sei es zu Beginn oder im darauf
folgenden Alltag, ist nicht ohne das Wirken des Heiligen Geistes möglich.
Er weckt die Sehnsucht nach einer solchen Antwort und lenkt ihre Verwirklichung.
Er ist es, der den Berufenen formt und gestaltet, ihn Christus gleichförmig
macht und ihn anspornt, sich seine Sendung zu eigen zu machen.159
Der Berufene vertraut sich dem Wirken des Heiligen Geistes in einer Demut an,
die darauf verzichtet, sich nur nach Kriterien der menschlichen Weisheit zu
verhalten, sondern die der göttlichen Weisheit weiten Raum schenkt. Und
da das Wirken des Geistes trotz seiner Kontinuität und Beständigkeit
unaufdringlich ist, muss die Person die Unterscheidung der Geister üben,
damit sie die Zeichen und Früchte der Gegenwart des Geistes in ihrer eigenen
Existenz und in ihrer Umwelt erkennt. Grundausbildung und Weiterbildung sowie
regelmäßige geistliche Begleitung erleichtern eine solche Unterscheidung.160
Dabei darf der Beitrag der Psychologie nicht außer Acht gelassen werden.
Sie kann helfen, sich selbst besser zu verstehen, um freier dem Ruf Gottes antworten
zu können.
Die Antwort auf den Ruf Gottes bewirkt eine immer tiefere Hingabe und einen
immer größeren Eifer – beides oft geläutert durch die
verschiedenen Krisen des Lebens.
B. Wichtige Mittler der Ausbildung
52. Die Kirche: Kontext der Berufung zum Ordensleben
Die enge Beziehung zwischen Kirche und Ordensleben wirkt sich auf unsere Ausbildung
aus. Die Berufung zum Ordensleben erwächst aus der Kirche und wird von
der Kirche bestätigt, wenn sie im Ritus der Ordensprofess auf die erwählten
Personen die Gabe des Heiligen Geistes herabruft und ihre Selbsthingabe mit
dem Opfer Christi verbindet.161
Sie wird durch die Sakramente und das der Kirche anvertraute Wort Gottes genährt
und „in vollständiger Übereinstimmung mit ihrer Lehre, ihrem
Leben, den Hirten, ihren Gläubigen und mit ihrer Sendung in der Welt“162
gelebt.
53. Maria, Mutter und Lehrerin
Die Jungfrau Maria, Modell, Bild und vollendetes Glied der Kirche, zieht uns
durch ihre geistliche Schönheit zu Gott. Die vollkommene Jüngerin
des Meisters wird Lehrerin und geistliche Führerin, und sie lehrt uns durch
ihr Beispiel, das Ideal, das sie als erste gehört und gelebt hat, in der
alltäglichen Einfachheit zu verwirklichen. Sie begleitet uns mit ihrer
mütterlichen Liebe und führt uns auf unserem Weg zu Gott, weil sie,
die nach dem Willen des Vaters und durch das Wirken des Geistes Christus empfangen
hat, mit dem Heiligen Geist in seinem wunderbaren Handeln darin vereint bleibt,
Christus in den Gläubigen einzupflanzen und heranzuformen.163
Karmeliten aller Zeiten, besonders die Mystiker, haben den Einfluss Mariens
auf ihr geistliches Leben erfahren und beschrieben.164
Das Skapulier macht deutlich, dass uns Maria mit Christus bekleiden will.
54. Berufungen ergänzen sich
Es bedarf einer Offenheit für die Tatsache, dass sich Berufungen in der
Kirche gegenseitig ergänzen.
Die Berufung zum Ordensleben entsteht oft in einer Familie oder in einer Gemeinschaft
von Laien, die den Kandidaten mit ihrem Gebet und ihrer geistlichen Unterstützung
weiter begleiten.
Die Menschen, mit denen wir leben, ermutigen uns und fragen uns an: durch ihren
Glauben, ihre Lebensweisheit, ihre Sorge um den Lebensunterhalt, auch in Situationen
der Armut, und durch die Art und Weise, wie sie die Schwierigkeiten des Lebens
bewältigen.
Bei der kritischen Unterscheidung im Hinblick auf die Berufsfindung und während
der Grundausbildung helfen die Begegnung, der Austausch und die Zusammenarbeit
mit Ordensleuten anderer Institute oder mit Priesteramtskandidaten und Priestern,
die eigene Berufung und das eigene Charisma zu klären. Solche Beziehungen
werden den gesamten Weg des Ordenslebens begleiten.
55. Der Konvent als Ort der Grundausbildung
Das Charisma des Ordens wird den Kandidaten vor allem durch die Gemeinschaft,
in der sie leben, vermittelt. Daher bedarf es einer gewissen Einigkeit unter
den Mitglieder des Konventes, in denen die Brüder in Ausbildung leben,165
was von den Höheren Oberen bei Versetzungen in solche Gemeinschaften berücksichtigt
werden muss. Gerade nach der Neubesetzung einer Gemeinschaft soll ein ständiger
Dialog zwischen ihren Mitgliedern weitergehen, um die Ausbildung zu verbessern
und zu unterschiedliche Ansichten zu vermeiden. Alle Mitglieder der Gemeinschaft
müssen sich ihrer Verantwortung für die Ausbildung der Kandidaten
bewusst sein, denn sie sind gerufen, ihnen ein konkretes Vorbild für das
Leben im Karmel zu sein.166
Jedoch sollen alle darauf achten, sich nicht in die spezifische Aufgabe des
Ausbilders einzumischen. Die Gemeinschaft muss den Kandidaten eine geistliche
Atmosphäre bieten, einen angemessenen Lebensstil sowie apostolischen Eifer
und sie dadurch für eine radikale Christusnachfolge begeistern.167
Das gemeinsame Gebet und die in der Gemeinschaft gefeierte Eucharistie, die
regelmäßigen Zusammenkünfte, die Tischgemeinschaft und die Rekreation
fördern ein gegenseitiges Kennenlernen und die lebendige Weitergabe unseres
Charismas.
56. Der Konvent als Ort der Weiterbildung
Die eigene Gemeinschaft ist der bevorzugte Ort für die Weiterbildung seiner
Mitglieder,168 da sie für
den einzelnen als Person, als Christ und als ein mit Gott und den Brüdern
lebender Ordensmann, das Umfeld für Wachstum und Reife ist. Die Gemeinschaft
ist keine Gruppe von Menschen, die sich durch ihr Zusammenleben in ihrer individuellen
Kreativität und bei der Entwicklung von geistlichen Charismen beeinträchtigen
oder die sich nur nach dem beurteilen, was sie tun. Sie ist vielmehr ein Gruppe,
in der jeder Bruder als Abbild Gottes gesehen und zur Entfaltung der eigenen
Person in Freiheit und Verantwortung ermutigt wird. Deshalb muss nach Möglichkeiten
gesucht werden, die „das menschliche, intellektuelle, geistliche und pastorale
Wachstum“169 eines
jeden Bruders fördern. Die Zusammenkünfte des Konvents können
zu Zeiten des Austausches und zu Gelegenheiten der Weiterbildung werden. Es
ist wichtig, sich durch Besinnungstage, Exerzitien, Kurse, Vorträge, Bücher,
Zeitschriften oder andere Mittel auf dem Laufenden zu halten. Damit dies auch
realisiert werden kann und jeder Zeit für diese Dinge findet, muss kritisch
unterschieden und darf niemand mit Tätigkeiten überlastet werden.170.
Bei der Erfüllung dieser Aufgabe der Gemeinschaft soll die Provinz gemeinsame
Initiativen ergreifen, die jeden Bruder miteinbeziehen.
57. Der Ausbilder
Das Wirken Gottes des Vaters, der durch den Geist die Herzen der geweihten
Personen nach der Gesinnung Christi171
formt, wird von den Ausbildern, die den Gerufenen wie „ältere Brüder“
zur Seite gestellt sind, vermittelt.172
Das Gelingen der Ausbildung hängt sehr von ihnen ab.173
Die Aufgabe des Ausbilders ist sehr heikel, sie erfordert eine gute Vorbereitung
und das Bemühen um eine ständige Weiterbildung. Die Ausbildung guter
Ausbilder ist zur Zeit eine der wichtigsten Aufgaben.
Nach Möglichkeit soll der Ausbilder nicht gerade erst seine eigene Grundausbildung
beendet haben. Er soll konkrete Erfahrungen auf dem kontemplativen Weg, im brüderlichen
Leben und im apostolischen Dienst gemacht haben. Vom Ausbilder wird eine gewisse
psychologische und geistliche Reife gefordert; er soll relativ frei von persönlichen
Schwierigkeiten und verhältnismäßig selbstsicher sein, damit
er sich anderen mitteilen, mit ihnen sprechen und mit ihnen zusammenarbeiten
kann.
58. Aufgaben und Fähigkeiten des Ausbilders
Es ist Aufgabe des Ausbilders:
a) kritisch zu unterscheiden
Er hilft dem Kandidaten, den Ruf Gottes und sein oft verborgenes Handeln in
den konkreten Lebensumständen wahrzunehmen und die Wege zu entdecken, auf
die er ihn gerade führt.
Dies erfordert vom Ausbilder nicht nur die Fähigkeit des Hinschauenkönnens
und der Intuition, sondern vor allem eine gewisse geistliche Weisheit, die sowohl
Geschenk Gottes ist wie auch Frucht der ständigen Übung, das eigene
Leben im Licht des Wortes Gottes und betend zu reflektieren.
b) begleiten
Er steht dem Kandidaten in seinem Wachstum bei, besonders durch „das
persönliche Gespräch, das als Gewohnheit von unersetzlicher und erprobter
Wirksamkeit mit Regelmäßigkeit und einer gewissen Häufigkeit
geführt werden soll“.174
Der Ausbilder soll den Kandidaten begleiten, indem er dessen Charakter und Entwicklungsstand
berücksichtigt. Jedoch muss er ihm dabei klar die Erfordernisse für
eine Nachfolge Christi im Karmel darlegen.
Diese Aufgabe erfordert innere Gelassenheit, Verfügbarkeit, Geduld, Verständnis,
wahre Liebe und tiefen Respekt vor der Unantastbarkeit des Gewissens des Kandidaten,
eine gute Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der Pädagogik, der
Psychologie und des geistlichen Weges sowie Offenheit und Sensibilität
für die Kultur oder Subkultur, aus der er kommt.
Auch der Ausbilder ist ein Bruder auf dem Weg zu einem Ziel, das er noch nicht
erreicht hat. Er kennt aus Erfahrung die Freuden und Mühen des Weges, auf
den ihn Gott gerufen hat und auf den er jetzt andere ruft. Dadurch kann er die
ihm anvertrauten Kandidaten verstehen, sich mit ihnen freuen, mit ihnen leiden
und sie in der Weisheit dessen begleiten, der die Abschnitte dieses Weges gut
kennt.
c) nähren
Der Ausbilder gibt solide theoretische, geistliche und praktische Nahrung und
vermittelt die lebendige Tradition des Ordens, sein Charisma und seine Spiritualität
eher mit dem Beispiel des eigenen Lebens als durch Belehrung175.
Dies erfordert vom Ausbilder eine gute theologische und spirituelle Bildung,
eine gute Kenntnis des Ordens und eine tiefe Identifikation mit ihm.
d) beurteilen
Nach und nach beurteilt der Ausbilder im Namen der Kirche und des Ordens den
Fortschritt des Kandidaten und versucht dabei, sich in Liebe an die Wahrheit
zu halten176.
Dies erfordert vom Ausbilder Klarheit über die Kriterien der Beurteilung177,
die in kritischer Unterscheidung, in Respekt vor der personalen Würde des
Kandidaten und in Liebe zur Provinz und zum Orden anzuwenden sind.
Der Ausbilder muss sich des allmählichen Fortschreitens auf dem Weg bewusst
sein und Verständnis für gewisse Inkonsequenzen oder Defizite des
Kandidaten aufbringen, indem er ihm einerseits in Offenheit begegnet und ihn
andererseits ermutigt, den Weg bis zum Ziel zu gehen.
59. Koordination der Ausbildung
Jede Stufe der Grundausbildung soll ihren eigenen Ausbilder haben. Dies ist
sehr wichtig, jedoch soll es eine Koordination und Zusammenarbeit zwischen den
Ausbildern der verschiedenen Stufen geben, damit der Ausbildungsprozess kontinuierlich
verläuft.178 Zu diesem
Zweck soll jede Provinz eine Ausbildungskommission haben. Sie besteht aus dem
Provinzial oder dem damit beauftragten Provinzrat, den Ausbildern und dem Beauftragten
für die Berufungspastoral. Aufgabe dieser Kommission ist es, regelmäßig
die Ausbildungsordnung der Provinz, in der die Prinzipien dieser Ratio Institutionis
Vitae Carmelitanae anzuwenden sind, zu revidieren. Diese wird dann vom Provinzial
und seinem Rat approbiert. Außerdem überprüft sie regelmäßig
den Ablauf der Ausbildung und berät sich über die Kandidaten.
Es ist angebracht und manchmal auch notwendig, dass ein Ausbilder Unterstützung
von einem Assistenten erhält oder von einem Team, das ihm in der Begleitung
und Beurteilung der Kandidaten hilft. Dieses Team, das auch Nicht-Karmeliten179
einschließen kann, soll eng mit dem Ausbilder zusammenarbeiten und unter
seiner Leitung stehen. Der Ausbilder bleibt immer persönlich für die
Ausbildung verantwortlich.180
C. Die Verantwortung der Höheren Oberen und die Strukturen der Zusammenarbeit
60. Der Orden
Mit der Ordensprofess wird der Kandidat zuerst in den Orden als solchen und
dann in die Provinz oder das Generalkommissariat inkardiniert.181
Deshalb muss der Gesamtorden in die Grundausbildung und die Weiterbildung seiner
Mitglieder einbezogen sein. Das eine Charisma und das Band der Brüderlichkeit,
das uns eint, findet seinen konkreten Ausdruck in der Zusammenarbeit auf internationaler,
regionaler und nationaler Ebene und, sofern angebracht, mit anderen Mitgliedern
der karmelitanischen Familie. Eine Förderung dieser Zusammenarbeit ergibt
sich aus dem Bedarf an qualifizierten Ausbildern, die ausdrücklich auf
diese Aufgabe vorbereitet sind, sowie aus der Notwendigkeit, an der Klärung
und Inkulturation des Charismas weiterzuarbeiten.
Deswegen setzen der Generalprior und sein Rat eine internationale Kommission
für die Ausbildung ein, deren Mitglieder die verschiedenen Regionen des
Ordens vertreten sollen. Die Kommission arbeitet unter der Leitung des Delegaten
des Generalpriors für die Ausbildung, der normalerweise einer der Generalräte
ist. Aufgabe der Kommission ist die Förderung der Zusammenarbeit in der
Grundausbildung, die regelmäßige Überarbeitung der Ratio
Institutionis Vitae Carmelitanae, die Organisation von Begegnungen und Zusammenkünften
der Ausbilder sowie die Unterstützung des Generalrats oder des Delegaten
bei der Erfüllung der in Nr. 61 genannten Aufgaben.
Eine andere Gruppe soll unter der Führung desselben Delegaten des Generalpriors
für die regelmäßige Organisation von Weiterbildungskursen, die
für alle Mitglieder des Ordens und der karmelitanischen Familie offen sind,
verantwortlich sein.182
Initiativen von Provinzen der gleichen Nation oder Region bezüglich der
Grundausbildung und der Weiterbildung sollen gefördert werden. Vielleicht
ist heute die Offenheit der Ausbildungsstrukturen einer Provinz für Brüder
anderer Provinzen von größerer Bedeutung. So wird der Austausch,
die Internationalität und eine bessere Nutzung der Ressourcen begünstigt.
Natürlich geht es dabei nicht um eine Entledigung der eigenen Verantwortung.
61. Der Generalprior und sein Delegat
Die Zuständigkeit und Leitung der Ausbildung im Gesamtorden liegt in der
Kompetenz des Generalpriors.183
Diese Aufgabe erfüllt er hauptsächlich durch eine besondere Aufmerksamkeit
für die Ausbildung während seiner Besuche in den Provinzen. Es ist
seine Aufgabe und die seines Rates, die Ratio Institutionis Vitae Carmelitanae
zu approbieren und für deren regelmäßige Revision mindestens
einmal im Sexennium eine Versammlung aller Ausbilder des Ordens einzuberufen.184
Um dem Generalprior in seiner Verantwortung für die Ausbildung zu helfen,
soll der Generalrat einem seiner Mitglieder diesen Aufgabenbereich übertragen.185
Wenn der Generalprior es für nötig hält, kann er dafür einen
Delegaten ernennen, der nicht Generalrat ist.186
Es ist die Aufgabe dieses Generalrates oder Delegaten:
die Ausbildung im Orden zu leiten und die Umset zung der Ratio Institutionis
Vitae Carmelitanae im ganzen Orden zu fördern;
die verschiedenen Ausbildungsordnungen der Provinzen zu kennen und zu prüfen;
den Meinungsaustausch zwischen den Provinzen hinsichtlich der Ausbildung
zu fördern und beim Austausch von Ausbildern und Brüdern in Ausbildung
zu helfen;
ein Programm für die Ausbildung der Ausbilder zu entwickeln und zu
organisieren;
den Anliegen der Ausbildung in den neu entstehenden Teilen des Ordens besondere
Aufmerksamkeit zu schenken;
die internationale Kommission für Ausbildung einzuberufen und ihr
vorzustehen.
62. Der Provinzial und sein Delegat
Die Zuständigkeit und Leitung der Ausbildung in einer Provinz liegt in
der Kompetenz des Provinzials oder seines Delegaten, den er normalerweise aus
seinen Räten auswählt.187
Der Provinzial und sein Rat sind direkt in die Ausbildung einbezogen, und zwar
nicht nur, wenn es um Entscheidungen für die Zulassung einzelner Kandidaten
zu den verschiedenen Phasen der Ausbildung geht, sondern auch durch Besuche,
Gespräche, Informationen und Auswertungen, die regelmäßig zusammen
mit der Ausbildungskommission durchzuführen sind.188
Der Provinzial wählt mit großer Sorgfalt die Ausbilder aus und teilt
mit ihnen die Bürde ihrer anspruchsvollen Aufgabe, indem er sie ermutigt,
unterstützt und auch auf ihren allgemeinen Gesundheitszustand achtet.189
Die Verantwortung der Höheren Oberen für die Ausbildung ihrer Brüder
endet nicht mit der Feierlichen Profess oder den Weihen. Unsere Ausbildung muss
das ganze Leben dauern. Die Oberen sind daher auch für die Ermöglichung
einer menschlichen, geistlichen, theologischen und pastoralen Weiterbildung
verantwortlich. Sie sollen sich persönlich für jeden einzelnen Mitbruder
interessieren und hilfreiche Strukturen für die Ausbildung fördern.
164 Vgl. Maria Magdalena v. Pazzi,
Probatione 728-730; rato 30 ottobre 1600; I Colloqui 361-363; Michael vom
Hl. Augustinus, De vita Mariae-formi et mariana in Maria propter Mariam; Therese
vom Kinde Jesu, Ms A, 56v-57v; 75r; 77r; PN 5,11.