Ehrw. P. Angelus Paoli  O.Carm.

1642 – 1720

 

P. Angelus Paoli wurde am 01. September 1642 in Argigliano (Toskana) geboren und auf den Namen Franziskus getauft. 1660 trat er in Fivizzano in das Noviziat des Karmelitenordens ein und empfing die Tonsur und die Niederen Weihen. Nach dem Noviziat wurde nach Siena geschickt, wo er am 18. Dezember 1661 seine ersten Gelübde ablegte. Fr. Angelus studierte Philosophie und Theologie in Pisa und Florenz, wo er am 07. Januar 1667 seine erste heilige Messe feiern konnte.

 

Das Leben von P. Angelus Paoli lässt sich in zwei Perioden einteilen, in der Ordensprovinz Toskana und in Rom.

In den ersten Jahren seines Ordenslebens wurde P. Angelus häufig versetzt: von Florenz 1674 nach Argigliano und Pistoia, 1675 als Novizenmeister nach Florenz, nach 18 Monaten als Pfarrer nach Corniola und 1677 nach Siena. Ab 1682 war er Lehrer für Philosophie  im Klerikat seiner Provinz.  1687 wurde P. Angelus vom Generalprior Paolo di S. Ignazio als Novizenmeister und Ökonom nach Rom in den Konvent San Martino ai Monti gerufen, wo er 32 Jahre seines Lebens bleiben sollte.

 

Von den ersten Jahren seines Ordenslebens an bemühte er sich um ein Leben in Stille, um Gebet und Abtötung. Daraus erwuchsen seine unzähligen Werke der Nächstenliebe in der Sorge für Kranke und Arme, so dass ihn schon in Siena die Menschen „Vater der Armen“ nannten, einen Namen, dem er auch in seinen späteren Jahren, vor allem in Rom, voll entsprochen hat. In Rom betreute er die beiden Krankenhäuser für Männer und Frauen „St. Johannes“. Für die Obdachlosen und Straßenkinder im Bereich vom Kolosseum bis zur Lateranbasilika  gründete er ein Hospiz, eine damals neue und weitsichtige Gründung! „Wer Gott liebt, muss ihm unter den Armen dienen“ war sein Wahlspruch. P. Angelus hat es verstanden, viele Menschen zu begeistern und ihn bei der Hilfe für die Bedürftigen zu unterstützen – ganz besonders bei dem Erdbeben und den Überschwemmungen in Rom in den Jahren 1702 und 1703.

Viele reiche Römer schätzten P. Angelus als großzügigen Berater. Sie folgten seinem Rat und unterstützten seine tätige Nächstenliebe. Und die Armen lehrte er, mit ihrer Lebenssituation dankbar und zufrieden  zu sein. So stand P. Angelus bei den Kardinälen und fürstlichen Familien Roms hoch in Ehren. Die Päpste Innozenz XII. (1691-1700) und Clemens XI. (1700-1721) boten ihm die Kardinalswürde an, die er aber nicht angenommen hat, weil das – wie er sagte – „schädlich für die  Armen wäre, denen ich nicht mehr hätte helfen können!“

 

P. Angelus hatte ein sehr großes Vertrauen in die göttliche Vorsehung. Dieses Vertrauen blieb menschlich oft unerklärlich, ob es seine Speisenkammer für die Armen betraf, in der es an nichts fehlte, oder bei der Armenspeisung, bei der das Essen wunderbar ausreichte. In seiner praktischen Nächstenliebe achtete er immer auf eine gerechte Entlohnung der Arbeiter.

 

Das alles war nur möglich durch seine tiefe Verbundenheit mit Gott, die er schon als Kind in der Einsamkeit einer Höhle gesucht hatte, in seiner Klosterzelle oder im kleinen Chor der Kirche „San Martina ai Monti“. Die Nächte vergingen für ihn wie ein Blitz während er „im Gebet an der Brust Jesu ruhte“ – wie er einmal selbst formuliert hat. Gott gewährte P. Angelus Kenntnisse über weit entfernte und zukünftige Ereignisse: Den Tod König Ludwig XIV. (1715), den Sieg des Prinzen Eugen von Savoyen über die Türken bei Peterwardein (1716) und den Zeitpunkt seines eigenen Todes.

 

P. Agnelus starb am 20. Januar 1720 und wurde im linken Seitenschiff der Kirche „San Martino ai Monti“ begraben. Bereits drei Jahre nach seinem Tod wurde der Informativprozess in Florenz, Pisa und Rom eröffnet und in Rom zwischen 1740 und 1753 abgeschlossen. Sein heroischer Tugendgrad ist 1781 von Papst Pius VI. (1775-1799) bestätigt worden. Ein Heilungswunder auf seine Fürbitte konnte ärztlich als „unerklärliche Heilung“ anerkannt werden.

 

Die Seligsprechung von P. Angelus Paoli soll am 25. April 2010 in der Laterankirche in Rom gefeiert werden.

 

Worte von Angelus Paoli:

 

Wir müssen Gott mit unserem ganzen Herzen und unserer ganzen Seele lieben und auch unseren Nächsten, besonders die Armen...

Vor Gott sind wir alle gleich. Die Unterschiede werden in der Welt gemacht. Wir sind alle Töchter und Söhne des einen Vaters, der uns unvorstellbar liebt. Auch wir sollten einander lieben. Der Mensch, der Gott sucht, sollte sich aufmachen und ihn unter den Armen suchen. Gott findet man in mitten von Krankheit und Armut...

 

 

Habe festes Vertrauen auf Gott, und du wirst alles von ihm erhalten, was du willst; denn von Gott in Vertrauen und Einfachheit Gnaden erbitten ist der einzige und unfehlbare Weg, um zu erreichen, was ein Mensch sich wünschen könnte...

 

 

 

 

Gebet:

 

Gütiger Gott,

der ehrwürdige Angelus Paoli hat in seinem Leben

   die Liebe zu den Armen geübt

und uns ein Vorbild gegeben,

   wie wir mit ihnen und den Kranken umgehen sollen.

Segne die Leidenden und sende ihnen Helfer,

   die sich ihrer leiblichen und seelischen Nöte annehmen.

Berufe auch heute Menschen,

   die deine Freude auf die ausstrahlen, die Ermutigung brauchen.

Gib uns ein Gespür dafür, wo unsere Hilfe nötig ist

   und lass uns den Menschen in Freude und Geduld dienen.

So bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen