hrlich erblickte am 20. September 1868 das Licht der
Welt zu (84323) Massing bei Eggenfelden (Niederbayern). Er war das fünfte
Kind des Schreiners und Glasers Johann Baptist Ehrlich (1836–1896) und
seiner Ehefrau Margaretha, geborene Strasser, Bauerstochter aus Vorrach
(1834–1896). Das Ehepaar hatte neun Söhnen und einer Tochter das Leben
geschenkt; fünf der Kinder starben jedoch in der Taufunschuld. Unser Ehrlich-Sohn
wurde am Tag nach seiner Geburt (21. September) in der Pfarrkirche (St. Stephanus)
zu Massing vom Pfarrer Franz Seraph Seeanner getauft und erhielt dabei den Namen
Franz Seraph (Franz von Assisi). Taufpate war Josef Kurz, ein Bauer von Nonnberg.
Im Alter von 5 Jahren kam der kleine Franz in die Dorfschule zu Massing. Im
4. Schuljahr, am 28. April 1878, empfing er die erste heilige Kommunion. Am 17. Juli 1879 spendete ihm der Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey zu Gangkofen
das Sakrament der Firmung. Sein Firmpate war der Schmiedemeister Georg
Lohmer von Massing. Während seiner Schulzeit war er Ministrant, später
versah er in der Kirche den Posten eines Hilfsmesners.
Nach Beendigung der Schulzeit kam er bei seinem Vater in die Lehre. Hier lernte
er das Schreinerhandwerk und brachte es in diesem Beruf bis zur Meisterschaft,
obgleich von einer bestandenen Gesellen- oder Meisterprüfung nichts bekannt
ist. Die von der Firma Ehrlich gefertigten Möbel hatten jedenfalls einen
guten Ruf.
Trotzdem gab er – schon bald nach dem Tod seines Vaters –
das Schreinergeschäft auf, verkaufte das vom Vater überkommene Anwesen
seinem Onkel Andreas zu Gangkofen und trat in Straubing bei den Karmeliten ins
Kloster ein. Bei seiner Musterung zu Vilshofen am 12. Januar 1897
hatte er zwar seinen Wohnsitz noch in Massing, im Nachtrag einer Personalstandsliste
(1896) des Straubinger Klosters wird er jedoch genannt mit der Vermerkung:
"eingetreten (am) 27. Dezember 1896".
Seine Einkleidung ins Noviziat wurde am 6. Februar 1897 (früh um 6.30
Uhr) vorgenommen; dabei erhielt er den Ordensnamen Aloisius Rabatá (Sel.
OCarm, 8. Mai). Ein Jahr später legte er - nach einstimmiger Zulassung
durch den Straubinger Konvent - am 8. Februar 1898 (früh um 8.30 Uhr) seine
einfache Profess in die Hände des Provinzvikars (P.Anton Seidl) des neu
errichteten Bayerischen Provinzvikariats ab. In Straubing blieb und arbeitete
er als Schreiner ein Triennium lang. Im Jahre 1900 (im Sommer) schickte man
ihn wegen eines Nervenleidens zu einer Entspannungs-Kur (6 Wochen) zu den
Barmherzigen Brüdern nach Wörishofen.
Am 27. Oktober 1902 wurde Frater Alois nach Bamberg versetzt, um hier mitzuhelfen,
das wieder erworbene Kloster vorläufig bewohnbar zu machen und aus
der Kirche einen Berg von Schutt zu entfernen. Zwischenhinein wurde er jedoch
vordringlicher Arbeiten wegen wiederholt nach Straubing entliehen (1908–1913,
1938, 1945). In Bamberg erinnern noch heute an seine Tätigkeit als Schreiner
die Seitenaltäre der Karmelitenkirche. Ihren Aufbau hat Frater Alois vor
allem in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg gefertigt.
Auch für die Mitbrüder in Springiersbach an der Mosel war Frater
Alois mit Schreinerarbeiten des öfteren ein grosser Nothelfer. Schon 1922,
nach Übernahme dieser Klosterresidenz durch die Provinz, hatte er sich
dort um bauliche und ökonomische Angelegenheiten zu kümmern. Einschlägigem
Briefwechsel ist zu entnehmen, dass er sich in jedem der Jahre 1925–1927 wenigstens
einmal in Springiersbach aufhielt. Auch für seine Fahrten an die Mosel
in den Jahren 1929, 1932, 1935, 1937 gibt es eindeutige Belege. Für die
Kunstfertigkeit unseres Klosterschreiners sprechen in Springiersbach heute
noch lange Tische mit stabilem und formschönem Unterbau, die er seinerzeit
für das Refektorium angefertigt hat.-
In Bad Reichenhall hat sich Frater Alois einen Namen gemacht durch seine praktische
Mithilfe bei der Niederlassung und dem Einstand der Karmeliten im Jahre 1934
und durch die Aufstellung eines dritten Beichtstuhls in der von den Karmeliten
betreuten Ägidi-Kirche (1935). Gelegentlich seines Aufenthaltes zu Bad
Reichenhall im Jahre 1936 zimmerte er den vierten Beichtstuhl und errichtete
außerdem den Seitenaltar im Chor der Kirche. - Die Anfertigung von Beichtstühlen
für die Karmelitenkirche in Wien, sowie die mobiliare Ausstattung der dortigen
Hauskapelle werden ebenfalls unserm Frater Alois Ehrlich zugeschrieben.
Sein Ruf als tüchtiger Schreinerbruder drang weit über die Grenzen
der Oberdeutschen Provinz hinaus. So ist es zu verstehen, dass ihn die Ordenskurie
der Karmeliten zweimal nach Rom rief. Während seines ersten Aufenthaltes
in der ewigen Stadt (November 1925 bis April 1926) half er maßgeblich
am Ausbau und an der Bestückung der Kapelle im internationalen Kolleg S. Alberto
mit. Der zweite Arbeitseinsatz in Rom dauerte nach seiner eigenen Notierung
vom 23.Juni bis zum 8. Oktober 1933. Von seiner Tätigkeit als Schreiner
in diesem Jahr erwähnt Frater Alois nur, dass er im Kreuzgarten Betstühle
für die Kirche der Karmelitenpfarrei S. Maria in Traspontina erarbeitet
hat.
Weit ausführlicher hat sich Alois Ehrlich Notizen gemacht über seinen
Aufenthalt im Heiligen Land. Am 30. Dezember 1928 hatte er sich von seinen Mitbrüdern
in Bamberg verabschiedet, am 9. Januar 1929 legte sein Schiff in Jaffa (Tel-Aviv)
an. Fünf Monate später, am 4. Juli 1929, bestieg er in Haifa am Fuß
des Karmelberges wiederum das Schiff und nahm vom Heiligen Land Abschied. Natürlich
war es ihm möglich, während seines Aufenthaltes in Palästina
fast alle berühmten Orte und Stätten des Landes zu besuchen und zu
besichtigen. Aber ins Heilige Land kam er nicht als Pilger sondern als Schreiner.
Sein eigentliches Reiseziel war Nablus (Sichem). Hier hatte die amerikanische
Ordensprovinz vom Reinsten Herzen Mariens am 5. Januar 1929 eine Missionsstation
eröffnet. Zur Einrichtung der Niederlassung und zur Ausstattung einer Hauskapelle
hätte man keinen besseren Fachmann gewinnen können als ihn, den deutschen
Schreinerbruder. Frater Alois hat selber zusammengestellt, was er in Nablus,
unerstützt von drei arabischen Gehilfen, leisten konnte: Die Errichtung
eines Hochaltars, die Herstellung von zwei Beichtstühlen, von 16 Betstühlen
und 12 Sitz-Chorstühlen; außerdem versah er die Kapellenwände
bis zur Höhe von zwei Metern mit einer Holzverkleidung und schuf für
die Sakristei Paramenten-Schränke. Alles verwendete Holz hat er selber
gebeizt und die einzelnen Einrichtungsstücke entsprechend lackiert.
Nach Bamberg zurückgekehrt (19. Juli 1929), traf ihn sicherlich
nicht das Los der Arbeitslosigkeit. Wie viele Angelegenheiten im Kloster und
im überbelegtem Marianum mögen sich für ihn inzwischen angestaut
und auf ihn gewartet haben. Und wie schon erwähnt, wie oft wurde er als
Schreiner in den dreißiger Jahren von den andern Klöstern der Provinz
beansprucht. Ein hohes Maß an Arbeit kam sodann auf ihn zu in den Kriegsjahren
durch den Mangel an klösterlichen Arbeitskräften und durch den bei
Bombenangriffen erlittenen Besitz- und Sachschaden. Im zweiten Bombenhagel auf
das Berggebiet der Stadt Bamberg am 22. Februar 1945 hatte auch das
Karmelitenkloster merklichen Schaden genommen. Dringliche Reparaturarbeiten
am eigenen Kloster, aber auch an Häusern der Nachbarschaft setzten der
ohnedies schon angeschlagenen Gesundheit unseres Schreinerbruders nicht
wenig zu.
Gegen Ende April 1945 zwang ihn, der sich sonst kaum eine Schonung gegönnt
hatte, die Krankheit, sich zu Bett zu legen. Sein Provinzial (P. Clemens
M. Puchner), der ihm täglich die heilige Kommunion brachte, spendete
ihm am 8. Mai 1945 in der Morgenfrühe die Sterbesakramente. Nun wurde Frater
Alois ins Bamberger Krankenhaus gebracht. Eine Röntgenuntersuchung
ergab: Magenkrebs in fortgeschrittenem Stadium, eine Operation und Heilung nicht
möglich. Von seinem Leiden erlöste ihn der Tod erst am 21. Juni 1945. Am 25. Juni 1945 (um 15 Uhr) bestattete man ihn in der Gruft der Karmeliten
auf dem städtischen Friedhof Bamberg zur letzten Ruhe.