Die Friedhofsgruft der Karmeliten sollte jedoch nicht die letzte Ruhestätte
seines Leichnams sein. Denn dieser wurde am 27. November 1947 exhumiert und
in einen neuen, mit Zinn ausgeschlagenen Eichensarg umgebettet, der vierfach
versiegelt wurde. Tags darauf (Sonntag, 28. November) fand die Überführung
des Sarges in die Karmelitenkirche und seine Beisetzung in der seitlich des
Chores gelegenen Marienkapelle statt. Dabei hielt Erzbischof Joseph Otto Kolb
eine ergreifende Ansprache und nahm die liturgische Aussegnung vor.
Auf Ansuchen des P. Thaddäus Ballsieper, der hernach durch den Ordensgeneral
(Hilarius Doswald) offiziell als Vizepostulator aufgestellt wurde (10. Oktober 1953),
genehmigte Erzbischof Joseph Otto am 24. September 1953 die Einleitung des Seligsprechungsprozesses
auf Diözesanebene und ließ dies im Amtsblatt (21. November 1953) veröffentlichen.
Auch die Vollzähligkeit der berufenen Kommissionsmitglieder hatte die bischöfliche
Bestätigung gefunden. Aber aus verschiedenen Gründen kam es zu
keiner ersten Sitzung der Kommission, auch nicht, nachdem das Provinzkapitel
der Karmeliten den praktischen Beginn des Prozesses angemahnt hatte (21. Novermber 1955).
Der Vizepostulator (P. Thaddäus) hingegen kannte keine Verzögerung
und keinen Aufschub. Durch Wort und Schrift machte er Frater Alois Ehrlich beim
gläubigen Volk bekannt. Er veranstaltete eigene Bitttage für die Seligsprechung
und gewann dazu des öfteren Prediger, die den Gläubigen empfahlen,
sich in ihren Anliegen vertrauensvoll an den Diener Gottes zu wenden. Eifrig
sammelte Pater Thaddäus Zeugnisse von denen, die Frater Alois kannten oder
die von Gebetserhörungen berichten konnten. Mit dem plötzlichen Tod
des Vizepostulators am 27. Juni 1978 geriet der Gedanke an Frater Alois und seinen
Seligsprechungsprozess auch in der Provinz allseits in Vergessenheit.
Eine lebendige Erinnerung an die "Causa Ehrlich" mag in vielen aufgestiegen
sein, als man bei der Renovierung der Karmelitenkirche 1981 daran ging, die
seitlich vom Chor tieferliegende Marienkapelle aufzulassen. Damit das hier
befindliche Grab des Fraters Alois nicht von einem Schuttberg überdeckt
würde, war man gezwungen, den (ungeöffneten) Sarg und die Grabplatte
am 3. Juli 1981 in die rechts nach dem Kircheneingang gelegene Kapelle zu überführen.
Hier zeigte sich, dass Kirchenbesucher gewöhnlich größeres
Vertrauen zu dem "seligen" Frater Alois hatten als seine Mitbrüder.
Aber auch diese traten auf dem Provinzkapitel 1997 für eine Wiederaufnahme
des Prozesses für seine Seligsprechung ein. Gelegentlich eines Bamberg-Besuches
bat der Postulator des Ordens den Erzbischof von Bamberg Dr. Karl Braun um einen
Neubeginn des Prozesses. Der Erzbischof setzte am 17. Mai 1999 eine neue Kommission
ein und veröffentlichte im Amtsblatt am 13. Dezember 1999 die Wiederaufnahme
des Prozesses. Als Vizepostulator wurde P. Matthäus Hösler aufgestellt
(23. Februar 1998). Nun ging man gründlicher auf die schriftliche Hinterlassenschaft
des Fraters Alois ein und legte Wert darauf, die Zeugnisse für ihn zu vervollständigen.