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Das Motiv seines Lebens

Hin und wieder wurde schon angedeutet, dass er bestrebt war, alles aus Liebe zu Gott zu tun und den Nächsten zu lieben, wie Jesus die Menschen geliebt hat.

Frater Alois war sich dessen sehr wohl bewusst, dass man Gott aus ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe nicht aus eigener natürlicher Kraft lieben kann. Deshalb bat er immer wieder Gott um die Ver­mehrung der Liebe. Nicht selten hat er sich an Gott oder Jesus gewandt mit Worten oder Versen, auf die er bei der Lektüre frommer Zeitschriften gestoßen war und die er sich dann abge­schrieben hat. "Schenk mir, Jesus, Liebe bis zum Tod. Gib Eifer mir und Mut, dann halt ich aus in Kreuz und Not, dann leb ich fromm und gut". Im Armenseelen-Freund (1933) hatten es ihm die Verse angetan: "O Jesus, meine Liebe, / Du meiner Seele Schatz, / Recht nah an deinem Herzen, / Da ist mein liebster Platz. / Ach schenk mir einen Funken / Von deines Herzens Glut, / Um liebend zu entbrennen / Für dich du höchstes Gut. / O Jesus, all mein Leben / Sei einzig dir geweiht, / Nach dir nur will ich streben, / O Herzens Seligkeit". Lange Bittverse und Liebesbeteuerungen hat er gefunden beim heiligen Augustinus ("Lasset uns die starke, mächtige Liebe erflehen des hl. Augustin"...) und beim hl. Bernhard ("Poesie des hl. Bern­hard").

Echte Liebe zu Gott war für Frater Alois jedoch keine fromme, gefühlsmäßige Regung, sondern das Echo auf die Liebe Gottes zum Menschen. Und von welcher Art diese Liebe war, das sagt ja ganz eindeutig das Evangelium: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe" [Joh 3,16]. Und nach dem Apostel Paulus begann Jesus sein Leben mit dem Motiv: "Siehe, ich komme, um deinen Willen zu erfüllen, o Gott" [Hebr.10,7] und seine Liebe bestand darin: Er "erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz" [Phil 2,8]. Solchen Aussagen der Heiligen Schrift konnte Frater Alois entneh men, dass Gottesliebe keine Gefühls- sondern eine Willenssache ist; eben Liebe, die auf den eigenen Willen verzichtet und bestrebt ist, den Willen Gottes zu tun.

Das beste Vorbild für die Bereitschaft und für das Eingehen auf den Willen Gottes war ihm die Gottesmutter Maria. Für seine große Marienverehrung sprechen nicht nur marianische Notizen, wie z.B. sämtliche Strophen des Ave von Fatima, dafür liegen auch Zeug­nisse vor. "So oft er an einem Marienbild vorbeikam, grüßte er die hehre Patronin des Ordens mit der Verneigung des Kopfes und dem andächtigen Kuss des hl. Skapuliers". Man könnte meinen, Marien­verehrung ist eben etwas Selbstverständliches für einen Karmeliten. Für Frater Alois hatte Marienverehrung jedoch tieferen Sinn. Dafür spricht das Zeugnis eines Mitbruders: Er war ein strebsamer Or­densmann, "der nur seinem Gott dienen wollte und der lieben Kar­melmutter im hl. Orden Freude zu machen suchte und uns, seinen Mitbrüdern, das allerbeste Beispiel eines gottinnigen, marienlie­benden Ordenslebens jederzeit gab". Dazu ein Wort aus seinem eigenen Mund: "Ohne Maria kann ich nicht selig werden". Er hätte auch sagen können: Ohne Maria kann ich ihrem Sohn nicht gleich­förmig werden.

Um den Willen Gottes zu erfüllen, gibt es für einen Ordensmann ja ganz besondere Gelegenheiten: Die Gelübde, die Regel, die Satzungen, Anordnungen der Obern. Frater Alois hat diese Gele­genheiten gewissenhaft wahr genommen; nicht etwa nur, weil er zu seinem gegebenen Versprechen stehen oder weil er ein rechter Ordensmann sein wollte. Sein Interesse galt dem arm und gehor­sam lebenden Jesus; um seinetwillen, um ihm ähnlich zu werden hielt er seine Gelübde. Von der Beobachtung des Keuschheits­gelübdes erhoffte er sich das "Selig, die reinen Herzens sind; sie werden Gott anschauen" [Mt 5,8] und er sah darin die beste Mög­lichkeit, sich mit Jesus innigst anzufreunden. ("Wer die Reinheit des Herzens liebt, ... hat zum Freund den König" [Spr 22,11]).
Was er sich von der Treue zur Ordensregel erwartete, hat er so niedergeschrieben: "Die genaue Beobachtung der Regel ist wie eine immerwährende Kommunion der Seele. Wenn sie die Regel aus Liebe und durch die Liebe befolgt, empfängt sie durch jeden Akt eine Vermehrung der Gnade und wenn die Seele eine Vermehrung der Gnade erhält, so vereinige Ich Mich [Jesus] mit ihr". P.Elias Hilling hatte seinen Mitbruder Alois Ehrlich näher kennen gelernt bei dessen Arbeitseinsatz in Springiersbach. Ihm stellt er das Zeugnis aus: "Er war immer sehr pünktlich bei den religiösen Übungen, treuer Beobachter der Ordensregel und der Hausordnung; er arbei­tete fleißig, betete viel". Und wenn es darum ging, Anordnungen der Obern zu befolgen, kam ihm bestimmt das letzte Kapitel seiner Ordensregel in den Sinn: "Ehret aufrichtig euren Prior! Denkt dabei nicht so sehr an seine Person, als vielmehr an Christus, der ihn über euch gesetzt hat" und es drängte sich ihm das Stoßgebet auf die Lippen: Aus Liebe zu dir, für dich, o Jesus. Einem Mitbruder gab er einmal den Rat: "Frater Rupert, ... wir brauchen bloß gehorsam sein, dann sind wir auch heilig".

Es besteht kein Zweifel daran, dass Frater Alois stets bemüht war, Jesu neues Gebot zu erfüllen: "Liebet einander! Wie ich euch ge­liebt habe, so sollt auch ihr einander lieben" [Joh 13,34]. Die Nächs­tenliebe hatte bei ihm stets den Vorrang, Wie oft wurde er während seiner oft dringlichen Schreinerarbeit um Hilfe angegangen und ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, war er bereit zu helfen. So bekennt eine Ordensschwester, die bei den Karmeliten in der Sak­ristei aushalf, dass sie Frater Alois "nie ungeduldig sah, selbst wenn die Arbeit drängte und sie ihn schnell als Messdiener brauchte".

Sofortige Bereitwilligkeit zeigte Frater Alois auch, wenn sich Jugend­liche mit oft nebensächlichen Anliegen an ihn um Hilfe wandten. Ein Schulbub kommt zu ungelegener Zeit mit seinem zerbrochenen Schlitten zum Klosterschreiner. Der unterdrückt aufsteigenden Un­willen und verspricht mit aller Freundlichkeit dem Kleinen seinen Schlitten zu reparieren. Ein Seminarist des Marianums - er ist dabei ein Altärchen zu basteln - erhofft sich Hilfe bei Frater Alois. Dieser unterbricht sogleich seine Arbeit, sucht dem Studentlein zweck­dienliches Material aus, stellt ihm Werkzeuge zur Verfügung. Der Seminarist bezeugt, er habe bei Frater Alois so großes Entgegen­kommen gefunden, "als sei ich sein Prior und er mein demütiger Untergebener" gewesen. Auch einem Klerikerstudenten hat er bereitwilligst, umgehend und exakt seine Bastel-Wünsche erfüllt.

Voller Nächstenliebe war Frater Alois natürlich seinen Mitbrüdern im Kloster gegenüber. Frater Konrad, der vier Jahre lang als Gehilfe in der Schreinerei mit ihm zusammenarbeitete, bezeugt: "Er war stets voll Güte und Liebe gegen seine Untergebenen sowie gegenüber allen Mitbrüdern". "Brauchte es wirklich einmal eine Zurechtweisung unseres jugendlichen Leichtsinns, so war sie von einer christlichen und brüderlichen Liebe getragen". P.Benno hatte Frater Alois schon als Ministrant bei den Karmeliten erlebt und erinnerte sich daran, "wie er uns Ministranten in heiliger Ehrfurcht vor dem Hochaltar den heiligen Dienst erklärte. In tiefem Ernst und überzeugter Gläubigkeit bewegte er sich vor dem Allerheiligsten und suchte auf uns kleine Messdiener so gut einzuwirken, als er nur konnte". Später als Präfekt des Marianums benötigte P.Benno einmal die Hilfe des Schreinerbruders und fand ihn "am Boden in seiner Zelle vor einem heiligen Buch - wahrscheinlich Hl. Schrift oder Heiligenlegende - knien. Er erhob sich gleich und hörte meinen Wunsch an und erklär­te mit großer Freundlichkeit seinen Helferwillen".

Seine Liebe galt vor allem kranken Mitbrüdern. Frater Rupert gesteht: "Wenn ich krank war, besuchte er mich oft. Redete dabei wenig und hielt sich nicht lange auf". Ein ähnliches Zeugnis liegt von einem Bruder der Augustiner-Assumptionisten vor, der einige Wo­chen Gast des Bamberger Klosters war: "Nach drei Wochen wurde ich damals bei Ihnen sehr schwer krank und bekam eine Lungen­entzündung. Lag damals vier volle Wochen in einer Zelle und in Ihrem Kloster auf Tod und Leben darnieder. Bruder Aloisius be­suchte mich fast jeden Tag an meinem Krankenlager".
Die Mitbrüder liebte Frater Alois über deren Tod hinaus. In seinem Notizbuch hat er sämtliche verstorbenen Patres und Fratres, die er gekannt hat mit ihrem Sterbedatum verzeichnet, um ihrer we­nigstens an ihrem Todestag im Gebete zu gedenken. Ein Anliegen war es ihm auch: "Hilfe des Schutzes und Hilfe Gottes für Volk und Vaterland, die Soldaten im Felde und der Gefangenschaft, für die luftgefährtete Heimat und die gefallenen Heldensöhne anzusetzen. In einer Betstunde der Priester und Theologiestudenten der Ver­missten und Gefallenen gedenken".

Ein anderes Anliegen für das er betete und opferte war die Kirche. Eine Forderung des Bamberger Fastenhirtenbriefs (1937) hat ihn besonders beeindruckt: "Treue zur Kirche, die Er gegründet hat. Wer Euch höret, höret Mich. Trennung von der Kirche bedeutet Trennung von Christus". "Bewahre die Treue, fühlet im Herzen das Glück, ein Kind der katholischen Kirche zu sein". Eine andere Notiz: "Wir sollten nur eine Freude kennen, wenn es der Kirche gut geht, nur ein Leid, wenn sie verfolgt und geschädigt wird. Eine Leiden­schaft sollten wir haben, immer für die Kirche zu arbeiten". Ander­seits vermerkt er: "Der Mystische Leib Christi. Jede Tugend, jedes Verdienst, jedes Beten, jedes Opfer, jedes kleinste Werk des ärmsten, lebendigen Gliedes dieses Leibes wirkt mit zu der großen End-Vollendung".

Mit Interesse verfolgte Frater Alois darum auch das äußere Wachs­tum der Kirche in den Missionsländern. Wiederholt hat er kirchliche Statistiken seinen Notizbuch anvertraut, mit dem Vorsatz: "Beten für die Missionen und Verfolgten in Spanien, Mexiko und Russland". Im Hinblick auf die Kirche hat sich Alois Ehrlich auch notiert, was er bei der Lektüre des Katholischen Kirchenjahres fand und den ersten Satz unterstrichen: "Für das Papsttum beten. Wir können mit unse­rem Gebet nichts Besseres tun als dies. Unser Gebet kommt da der ganzen Kirche und der ganzen Welt zugut und wir haben teil allem Großen und Wohltuendem, das die Hierarchie in der Welt zum Heil der Seelen und zur Ehre Gottes wirkt".
Für seine Mitbrüder war Frater Alois keineswegs ein Sonderling oder Spielverderber. Bei den abendlichen Rekreationen ließ er sich nicht erst bitten, am Kartenspiel teilzunehmen. Ein guter Freund des Klosters, der wegen seiner Aushilfen im Beichtstuhl bisweilen auch an der Rekreation der Brüder teilnehmen durfte, schreibt über den Kartenspieler Alois: "Mochte er z.B. beim Spiel gewinnen oder ver­lieren, mochten seine Mitspieler manchmal grobe "Böcke" machen, immer blieb er ruhig, nie sah ich, dass sein feines gütiges Lächeln in eine düstere Miene sich verwandelte".

Dass Frater Alois Nächstenliebe besaß, dafür gibt es noch auf­schlussreichere Zeugnisse. Nicht ein Mitbruder hat bezeugt, dass sich Fr. Alois niemals durch lieblose Worte verfehlt hat. "Ich habe nie gehört, dass er gegen einen Mitmenschen etwas Nachträgliches sagt hat". "Ich kann mich nie entsinnen, einen Fehler bei ihm beob­achtet zu haben". "Nie konnte ich feststellen, dass er mit irgendje­mand Streit gehabt hätte". "Nie hörte man von ihm ein liebloses Wort über die Oberen oder Mitbrüder". "Niemals vernahm ich ein liebloses oder verletzendes Wort gegen seine Untergebenen [in der Schreinerei] oder hörte solches über Mitbrüder und Mitmenschen".

Als Zeichen aufmerksamer und dankender Liebe ist es zu werten, wenn Fr. Alois während seines Aufenthaltes im Hl. Land seiner Mit­brüder, seiner Bekannten und Verwandten, aber auch der Freunde und Wohltäter des Klosters gedenkt und ihnen einen Gruß schickt. Verzeichnet hat er 31 Adressaten und 41 Postsendungen.

"Er zeigte gegen alle eine verzeihende, versöhnende Liebe". "Hei­land mir ist es recht, wenn Mitbrüder mehr voran kommen, mehr Gnaden bekommmen, wenn nur DU verherrlicht wirst". "Die Mitbrü­der hielt er für besser als sich selbst". Wie identisch seine Gottes­liebe und Nächstenliebe sind, deutet die Niederschrift an: "Ich liebe dich mein Gott mehr als Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, als jeden andern in der Welt; weil du nicht nur das höchste, voll­kommenste Gut bist, sondern auch, weil die meisten Menschen in der Welt alles andere mehr als dich lieben. Gib doch, dass die meisten Menschen Dich mehr als alles andere lieben".