Startseite

Impressum
Design: theoVision

  
Oberdeutsche Provinz Niederdeutsche Provinz Aktuelles Monasticon Berufungspastoral Ausbildung Karmelgemeinschaft Theresianum Karmeliten International Kontakt Links Gästebuch Wir beten für Sie
 Überblick
 Ordensregel
 Einführung in die Karmelregel
 Grundlagen der Karmelspiritualität
 Ordensgeschichte
 Kernsätze
 Flos Carmeli
 Texte
 Karmelkontakt
 Heiligenkalender
•Frater A. Ehrlich
 Überblick
 Der äußere Lebenslauf
 Hoffnung auf eine Seligsprechung
 Das Fundament seines Lebens
 Das Ziel seines Lebens
 Das Motiv seines Lebens
 Das Alltägliche seines Lebens
•Sein gottinniges Leben
•Ein zeitgemäßes Vorbild
 Literatur

Ein zeitgemäßes Vorbild

Vorläufig ist auf Diözesanebene der Seligsprechungsprozess einge­leitet. Letztlich ist es Sache der Kirche einen Menschen selig oder heilig zu sprechen. Aber es sei die Frage angebracht: Welchen Sinn hat es denn, die große Zahl der Selig- und Heiliggesprochenen noch zu vermehren? Konkreter gefragt: Ist denn ein selig gesprochener Ordensbruder zeitgemäß? Gewiss würde sein kirchlich approbiertes Beispiel zur inneren Lebenserneuerung von Ordenschristen beitra­gen. Aber dieses Beispiel gelebter christlicher Spiritualität geht schließlich jedem Christen an. Durch das Beispiel des Bruders Alois spricht Christus gleichsam zu jedem Christen: "Euer Herz zage nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich" [Joh 14,1]. Und sein Beispiel ist für alle ein Appell, christlichen Glauben auch zu praktizieren und zu leben.

Diese Botschaft kommt freilich nicht bei denen an, die zwar auf den Namen des dreifaltigen Gottes getauft sind, aber nicht an Gott glauben. Es ist erschreckend, wie viele abendländische Christen auf die Frage: Glauben Sie an einen Gott?, mit einem glatten Nein antworten oder vielleicht mit einem Ja, das jedoch bewusst den christlichen Gottesglauben der Kirche ausschließt. Viele dieser Gottesleugner kommen zu ihrem "Atheismus" nur deshalb, weil sie ein Lebensziel erstreben, das ihnen keine Zeit zum Nachdenken über die Existenz Gottes und den Sinn des Lebens lässt. Wer vom Streben nach großen Leistungen, nach einer glanzvollen Karriere, nach Ansehen und Ruhm bei den Menschen beherrscht ist, für den ist schon die Frage nach einem von Gott gesteckten Lebensziel illusorisch. Und wer den Sinn des Lebens nur im Genuss des Lebens sieht, für den ist ein den Lebensweg kreuzendes Leid etwas Sinnloses und unter Umständen sogar ein Beweis gegen die Existenz eines guten Gottes. Einen Bericht über "Gelebte christliche Spiritualität" würde er gar nicht in die Hand nehmen. Vom Lebens­beispiel des Fraters Alois Ehrlich könnte vor allem lernen der Durch­schnittschrist unserer Zeit, der an seinem Glauben nicht zweifelt und dessen Frömmigkeit sich oft durch viel guten Willen auszeichnet.Ihm könnte Frater Alois zu mehr Glaubenstiefe und zu größerer Zielstrebigkeit seines religiösen Lebens verhelfen. Viele haben sich als Ziel gesteckt, einfach ein guter Mensch zu werden und zu sein. Andere nehmen sich vor: Ich will in meinem Leben etwas zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen leisten. Das sind sicher gute Vorsätze auf moralischer Ebene, die aber nicht das Ziel christlichen Lebens bilden. Dieses kann man sich nicht selber festsetzen, dieses wird uns durch Gott gesteckt, der uns das Leben geschenkt hat und der uns dieses Lebensziel kundmacht durch sein Wort und seinen Sohn.

Greifen wir mit Frater Alois zur Heiligen Schrift und entnehmen wir ihr, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, dem Menschen Ähnlichkeit mit seinen eingeborenen Sohn verliehen hat. Diese Ähnlich­keit, soweit sie übernatürlicher Art war, ging zwar dem Menschen durch die Sünde verloren. Aber Gott ließ von seinem Plan nicht ab, schickte der Welt seinen eigenen Sohn, der der Menschheit den Plan und Willen des himmlischen Vaters offenbarte und zugleich die Möglichkeit gab, an das von Gott bestimmte Ziel der Menschen zu gelangen.

Auf diese Berufung des Menschen zur Gleichförmigkeit und Ähn­lichkeit mit dem Gottessohn weisen die Evangelien so eindeutig und so häufig hin, und dennoch glaubt der Christ so wenig daran, ob­gleich er doch getauft ist, d.h. in die Höhe des übernatürlichen Le­bens empor gehoben, in die Blutsverwandtschaft Gottes aufge­nommen und damit verpflichtet ist, sich dem im Herzen wohnenden Christus anzupassen und sich mit ihm immer mehr anzufreunden, damit er dereinst Anteil bekommen kann an seinem himmlischen Erbe. Immer wieder werden wir durch die Kirche an den unschätzba­ren Segen der Taufe erinnert und gelegentlich singen wir vielleicht sogar aus vollem Halse: O Seligkeit getauft zu sein! Aber im prakti­schen Leben spielt unsere Taufe meist nur eine geringe Rolle. Da ist sie nur noch ein abgeschlossenes Geschehen in ferner Vergangenheit, gleichsam die einstige Aufnahme in einen Verein, auf Grund dessen wir bei einer amtlichen Anfrage nach unserem religiösen Bekenntnis angeben können: römisch katholisch.
Dass ein Christ durch die Taufe Christus angehört - ein unaus­löschliches Zeichen hat das eigens besiegelt - und dass Christus seit der Taufe als geheimnisvoller Gast in ihm lebt, diese fundamen­talen Tatsachen können einem jungen Menschen gar nicht früh genug (durch Elternhaus und Religionsunterricht) zum Bewusstsein gebracht werden. "Keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. Leben wir, so leben wir für den Herrn, sterben wir so sterben wir für den Herrn. Wir mögen also leben oder sterben, wir gehören dem Herrn" [Röm 14,8f.].

Wer davon nicht lebendig überzeugt ist, wird auch wenig mit dem Empfang der Sakramente anfangen können oder ganz und gar darauf verzichten. Denken wir etwa an die Mitfeier der Eucharistie. Wenn z.B. Eltern in ihr nur ein Gebot sehen und ihre Kinder viel­leicht mit Androhung einer Sünde drängen, das Kirchengebot zu halten, dürfen sie sich nicht darüber wundern, dass die herange­wachsenen Kinder eines Tages überhaupt nicht mehr in die Kirche gehen und von einem Sakramentenempfang nichts mehr wissen wollen. Wer aber seine Zugehörigkeit zu Christus ernst nimmt, der braucht die sakramentalen Kontakte mit Christus; denn sie garan­tieren den Nachlass von Sünden, bewirken Besserung unseres Lebens und bereichern es an Glaube, Hoffnung und Liebe.

Diesen Anmerkungen zum Problem des immer mehr schwindenden Kirchenbesuches seien auch einige Gedanken zum Rückgang der Priesterberufe angefügt. Den Priesterberuf kann man mit keinem anderen menschlichen Beruf vergleichen; denn niemand kann und darf eigenwillig diesen Beruf ergreifen. Der katholische Priester ist ein Nachfolger der Jünger und der Apostel Christi, zu denen Jesus ausdrücklich gesagt hat: "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestellt, dass ihr hingeht und Frucht bringt, bleibende Frucht" [Joh 15,16]. Dieses Wort gilt auch den Nachfolgern der Jesus-Jünger, den Priestern: wie auch das zusätzliche Wort Jesu: "Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut was ich euch auftrage".
Vor seiner Himmelfahrt hat Christus seinen Auftrag präzisiert: Macht die Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Die primäre Aufgabe des Priesters ist zweifellos die Verkündigung des Wortes Gottes und die Spendung der Sakramente. Das darf der Priester aber nicht im Sinn einer Eigenleistung vollziehen, sondern im Glauben und Vertrauen, dass nur Gott selber Menschenherzen christlich prägen kann. Dem Priester werden neben der eigentlichen Seelsorge oft noch viele andere Aufgaben und Arbeiten zugemutet. Wie schnell kann er da entmutigt werden, weil er keinen Erfolg seines Einsatzes sieht. Vielleicht überkommt ihn sogar die Versuchung seinen Beruf aufzu­geben. Solchen Versuchungen könnte man nur vorbeugen, wenn man daran glaubt, dass der auferstandene Christus allzeit bei uns ist und uns beisteht. Oder sich daran erinnern, dass Christus seinen Priestern seine Freundschaft geschenkt hat und erwartet, dass die Priester sich mit ihm anfreunden. Innige Freundschaft mit Ihm bewahrt den Seelsorger vor der hintergründigen Absicht, mit seinem Wirken bei den Menschen anzukommen; sie drängt ihn förmlich dazu, das Kernanliegen aller Seelsorge - wenn nur Christus immer mehr im Menschenherzen ankommt - Gott auch im Gebet zu empfehlen.

Frater Alois war kein Priester, Aber er könnte hinsichtlich seiner ausgeprägten christozentrischen Frömmigkeit auch Priestern ein Vorbild sein. Was sich Frater Alois von gläubigen und vertrauens­vollen Kontakten mit Christus vor allem erwartete, war Gleichför­migkeit und Ähnlichkeit mit Jesus. Er war davon überzeugt, bei jedem Kontakt färbt Jesus selber ab und drückt dem Menschen immer deutlicher sein Bild auf. Neben den sakramentalen Kontakten suchte er besonders durch Mitleiden dem leidenden und sterbenden Jesus ähnlich zu werden. Für ihn war jede Betrachtung des kreuz­tragenden und gekreuzigten Meisters und wohl auch das Wort des auferstandenen Herrn: "Musste der Messias nicht dies leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?" [Lk 24,26), Einladung und Trost zu­gleich.
Das Mitleiden mit Christus ist wohl das beste Zeugnis dafür, dass Frater Alois christliche Spiritualität gelebt hat. Anderseits besteht die Gefahr, dass der heutige Christ gerade an dem großmütigen Ja zu Kreuz und Leid und auch an heroisch geübten Tugenden seines Lebens Antoß nimmt und deshalb ihn als Vorbild ablehnt. Dem sei entgegen gehalten: Heroische Lebensweisen, wie sie offensichtlich beim Frater Alois festzustellen sind, werden keinem Christen zuge­mutet. Sie gehören nicht wesentlich zu gelebter christlicher Spiritua­lität, sie sind nur Lebensformen, die dem jeweiligen Zeitgeist und Persönlichkeitsideal entsprechend besondere Hochschätzung finden und bestenfalls eine vorhandene Spiritualität andeuten.

Wesentlich besteht eben Spiritualität darin, dass man nicht sich sel­ber lebt, sondern dem, dem man als Christ angehört. Kennzeichen dafür sind: Der Wandel in Gottes Gegenwart; sich durch Gebet und Betrachtung mit Jesus anfreunden; wenn Entscheidungen zu treffen sind oder wenn es darum geht den göttlichen Willen zu erfüllen, sich am Wort Gottes oder dem Beispiel Christi orientieren; sich bemü­hen, durch Selbstverleugnung und durch treue Nachfolge mit dem eigenen Kreuz ein wahrer Jünger Jesu zu werden.

Um den Alltag mit seinen belastenden Verpflichtungen, aber auch mit seinen Erholungsmöglichkeiten in christlicher Spiritualität verle­ben zu können, gibt uns der Apostel den weisen Rat: "Mögt ihr also essen oder trinken oder sonst etwas tun, so tut alles zur Ehre Got­tes" [1 Kor 10,31]. Zu dem, was einen Frater Alois Ehrlich ange­spornt hat, nicht für sich selber zu leben, sondern für Christus, gehörte wohl auch Jesu Verheißung: "Wer sein Leben zu gewinnen sucht, wird es verlieren; wer dagegen sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen" [Mt 10,39].

Ein Frater Alois Ehrlich hat so zielbewusst sein Leben mit Christus, für Christus, um Christi willen gelebt, dass er nach menschlichem Ermessen nun gewiss zu den Freunden Gottes im Himmel zählt. Wir gehen nicht fehl, wenn wir ihn in unseren schweren Nöten und Anliegen vertrauensvoll um seine Fürbitte bei Gott anrufen. Eventu­elle Gebetserhörungen würden zu seiner Seligsprechung nicht we­nig beitragen; bitte, solche dem Vizepostulator P. Matthäus Hösler O.Carm, Karmelitenplatz 1, 96049 Bamberg, mitteilen!

P. Dr. Adalbert Deckert O.Carm.

Bamberg, 25. Dezember 2001

gez. P. Christian Körner O.Carm.
- Provinzial -