Die
Karmeliten leben ihre Christusnachfolge,
indem sie das Angesicht des lebendigen Gottes suchen,
in Brüderlichkeit leben
und sich für den Dienst inmitten des Volkes öffnen.
Die drei grundlegenden Elemente
des karmelitanischen Charismas
wurden von der spirituellen Tradition des Ordens
nie als voneinander verschiedene, unabhängige Werte gesehen,
sondern als unlösbar miteinander verflochten.
In dieser Tradition bildete sich deutlich
die Erfahrung der Wüste heraus,
verstanden als ein Prozess, der diese Werte vereint:
die Aufgabe des Karmeliten besteht darin,
Christus zum Fundament des eigenen Lebens werden zu lassen.
Dies bedeutet,
sich im Glauben an ihn zu binden
und alles, was sich dieser Beziehung
und der Liebe zu Gott und den Brüdern
in den Weg stellt, loszulassen.
Wenn wir aus diesem Prozess heraus
die Wirklichkeit mit Gottes Augen sehen,
wird unsere Haltung zur Welt in seiner Liebe verwandelt.
Die Betrachtung der liebenden Gegenwart Gottes
wird dann Auswirkungen auf unser brüderliches Leben
und unseren Dienst haben.
Aus den Konstitutionen des Karmelitenordens
Elija und Maria
Zwei biblische Gestalten prägen die Spiritualität des
Karmel von Anfang an: der Prophet Elija, der in der Einsamkeit Gott
gesucht und erfahren, aber auch leidenschaftlich von ihm Zeugnis
A gegeben hat, und Maria, die aufgrund ihrer meditativen Offenheit
für das Wort und Wirken Gottes Schwester und Patronin der „Brüder
der seligsten Jungfrau Maria vom Berg Karmel ist, wie sich die Karmeliten
seit dem 13. Jahrhundert offiziell nennen.
Im Zentrum karmelitanischer Existenz und Lebensgestaltung stehen
nicht irgendwelche spezifischen Aufgaben und Aktivitäten, sondern
es geht zuallererst und mit eindeutiger Priorität um das „Stehen
vor Gott“, womit die Tradition des Karmel das Leben in der
Gegenwart Gottes, das Freisein für ihn und die freundschaftliche
Beziehung mit ihm umschreibt. Dies geschieht allerdings nicht in
egoistischer Selbstgenügsamkeit, sondern im Kontext einer konkreten
Gemeinschaft und in Offenheit für die Welt und die Menschen.
Der Karmelit ist gerufen, „Tag und Nacht“, wie es die
Regel ausdrückt, Gott zu suchen, das heißt immer und
überall, bei allem Tun und Lassen, im Außerordentlichen
besonderer Ereignisse wie im Gewöhnlichen des Alltags; es gilt,
das Leben in all seinen Dimensionen und Bereichen mit allen Sinnen
und Fähigkeiten ganzheitlich auf Gott hin auszurichten. Erst
die lebendige Freundschaft mit Gott führt zu einem wirklich
fruchtbaren Engagement für die Menschen, das sich je nach Lebensumfeld
einer Gemeinschaft verschieden konkretisieren wird. Jedoch hat der
Karmel auch bezüglich des Apostolats eine Priorität und
zwar die der geistlichen Führung: Menschen auf ihrem Lebensweg
und bei ihrer Suche nach Gott auf verschiedene und je angemessene
Weise zu begleiten. Die Areiche geistliche Tradition des Ordens bietet
diesbezüglich auch heute noch wertvolle Hilfen zur Orientierung
und zur Unterscheidung der Geister.