Nach
nunmehr knapp eineinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit kann heute die neue
Orgel in der Klosterkirche Springiersbach erstmals öffentlich erklingen.
An dieses Instrument werden mit Sicherheit hohe Erwartungen gestellt. Für
das Vertrauen, das uns der Karmelitenorden nach dem Neubau in Straubing schon
zum zweiten Mal entgegenbrachte, dürfen wir an dieser Stelle danken. Jede
Orgel ist sozusagen ein Prototyp. Unterschiedliche bauliche Bedingungen und
finanzielle Vorgaben, musikalische Bedürfnisse und optische Wünsche
sind es, welche jede Orgel zum absoluten Einzelstück machen.
Betrachtet man die Orgel von vorne, sieht man die Pfeifen des Registers Principal
8' des Hauptwerkes. Die Gestaltung des Gehäuses wurde in Anlehnung an die
Ausstattung des Kirchenraumes im barocken Habitus gewählt. Das Äußere
der Orgel mit Harfenfeldern, mehrfach geschwungenem Prospektgrundriß,
beschnitzten und vergoldeten Schleierbrettern schließt die wertvolle und
stilistisch bemerkenswert einheitliche Ausstattung des Kirchenraumes nach Westen
hin würdig ab.
Hinter dem Hauptwerk ist in dem Turmraum, in einem separaten geschlossenen Gehäuse,
das zweite Manual - als Schwellwerk ausgestattet - eingebaut. Hierdurch sind
besondere musikalische Ausdrucksmöglichkeiten realisierbar. Die Register
des Pedals sind unter- bzw. hinterhalb des Schwellwerkes untergebracht. Die
Maße des sichtbaren Gehäuses betragen ca. 6 m in der Höhe, 3,50
m in der Breite und 1,70 m in der Tiefe. Schwellwerk und Pedal nehmen das gesamte
Volumen das Turmraumes ein.
Die Disposition (Zusammenstellung der Register) weist einige Besonderheiten
auf, die einerseits auf Grund der akustischen Bedingungen des Aufstellungsraumes,
andererseits auf die musikalischen Wünsche und Bedürfnisse zurückzuführen
sind. Darüber hinaus hatte die bislang vorhandene Orgel einige klanglich
sehr schöne Register, die im Neubaukonzept Wiederverwendung finden sollten
(hier sind vor allem die mit zwei Labien versehene Holzflöte 8', als auch
ein Teilbereich des Violon 16' zu nennen).
Alle drei Teilwerke sind mit mindestens einem Zungenregister ausgestattet, Hauptwerk
und Pedal mit Stimmen, die die Klangkraft des Werkes steigern sollen (Trompete
8' - Hauptwerk, Posaune 16' und Trompete 8' - Pedal), das Schwellwerk mit einer
Solostimme - Oboe 8'.
Der technische und zeitliche Aufwand betrug für die neue Orgel ca. 5.000
Arbeits- und Planungsstunden. In größtenteils althergebrachten Handwerkstechniken,
wobei natürlich auch zeitgemäße Fertigungsmethoden Anwendung
finden, werden fast alle Einzelteile in unseren Produktionsräumen selbst
hergestellt. Jedes Detail wird eigens geplant, berechnet und angefertigt.
Für unsere
Orgel finden nahezu ausschließlich heimische Hölzer Verwendung.
Das Gehäuse ist aus bestem astfreiem Tannenholz mit Rahmen und Füllungen
gefertigt, die dazu gehörenden Schleierbretter bestehen aus Lindenholz.
Das Verwenden von massiven Hölzern (besonders Nadelhölzern) trägt
entscheidend zum abgerundeten und weichen Klang unserer Orgel bei.
Die Windladen, das eigentliche Herzstück der Orgel, besteht aus Kiefern- und Eichenholz, die Holzpfeifen aus Kiefern-, Fichten- und Birnbaumholz. Sämtliche Hölzer wurden, bevor sie in die Orgel eingebaut wurden, schon jahrelang an der Luft gelagert und getrocknet. Nur so kann gewährleistet werden, daß keine Spannungen im Holz mehr vorhanden sind, welche ein nachträgliches Reißen des Holzes bewirken würden.
Das Pfeifenwerk besteht zum einen aus verschiedenen Hölzern, zum anderen aus einer Zinn-Blei-Legierung. Hierbei wird das verwendete Material von Register zu Register verschieden bestimmt, je nachdem, welchen klanglichen Grundcharakter das Register später haben soll.
Von den insgesamt 1.750 Pfeifen sind 1.490 aus Zinn und 260 aus Holz gebaut. 1.578 sind als Labialstimmen, 172 als Zungenstimmen konstruiert. Die größte Pfeife ist mit einer Gesamtlänge von ca. 5,4 m das tiefe C des Violon 16', die kleinste das g"' der Terz 1 3/5 mit einer Körperlänge von ca. 12 mm.
Das Instrument
ist ganz in der Manier früherer Zeiten, rein mechanisch konzipiert. Sämtliche
Befehle, die der Organist über Tasten oder Registerzüge an die Windladen
gibt, werden mittels Gestänge, Wellen und Winkel weitergeleitet. Die uns
überkommenen Orgeln des Barockzeitalters sind dafür die besten Zeugen
und Beweise für die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit dieser Systeme.
Die Windversorgung erfolgt über ein elektrisches Gebläse. Das in Springiersbach
verwendete hat eine Leistung von ca. 1,1 kW und liefert eine Windmenge von 28
m3/min.
Der Spieltisch ist in den Unterbau der Orgel eingebaut. Das Spieltischgehäuse ist aus massivem Kirschbaum hergestellt. Die Tasten sind aus Fichtenholz mit Belägen aus porenfreiem Bein für die Untertasten und Ebenholz für die Obertasten. In das Notenpult ist als Intarsie das Wappen das Karmelitenordens eingelegt.
Das Instrument ist ausnahmslos aus hochwertigsten Materialien in sorgfältiger handwerklicher Fertigung hergestellt. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß diese Orgel über lange Zeit zur Freude der Menschen und zum Lobe Gottes erklingen kann.
Orgelbau SANDTNER
Norbert Bender
Oktober 1998