Die Klosterbibliothek

"Festliches Kleid" für einen prächtigen Büchersaal"
Festvortrag von Alfons Huber
bei der Einweihung der restaurierten Klosterbibliothek am 6. Juni 2008

Das einzigartige barocke Freskenprogramm im Bibliothekssaal ist wieder zugänglich.

Siehe dazu den 3-geteilten Vortrag aus dem Straubinger Tagblatt
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Aus 200-jährigem Dornröschenschlaf erwacht

Feierliche Einweihung der restaurierten Bibliothek im Karmelitenkloster
Siehe dazu den Artikel aus dem Straubinger Tagblatt


Die Einweihung der restaurierten Bibliotheksaula erfolgte am 6. Juni 2008


Umbau 


Umbau Umbau
Inzwischen sind die Deckenmalereien der Bibliothek freigelegt. Fotos Peter Schwarz Straubing

Siehe dazu auch die Bildergalerie und den Artikel aus dem Straubinger Tagblatt.

Bibliotheksgeschichte

1368 Gründung des Klosters und damit der Bibliothek: 1414 sind bereits 100 Handschriften vorhanden, die aber alle verlorengegangen sind
1500 155 Inkunabeln sind bis heute erhalten
17.Jhd. durch viele Erbschaften an Büchern gelangen auch bedeu­tende medizinische Werke in die Bibliothek
1697 Neubau des Bibliotheksaales
1768 Erstellung des ersten Katalogs (seit 1888 in München)
1802 Säkularisation: Beschlagnahme der Bibliothek; beinahe 16.000 Bände waren vorhanden
1836 Unterbringung der staatlichen Provinzialbibliothek
1909 Rückgabe der Bibliothek mit starken Verlusten gegen ein Grundstück am Stadtgraben zum Bau des Gymnasiums
1911 vorn Kloster in Bamberg werden 1.600 Bände übergeben  
1914 Überholung des Bibliotheksaales durch Fr. Otto Gack
20. Jhd. verschiedene größere Büchererbschaften
1948 Dr. Wehmer legt die Grundlage der heutigen Kataloge; letzte Renovierung des Saales
1968 Errichtung eines Büchermagazins; der Bibliotheksaal erhält eine Heizung und Beleuchtung
1975 Beginn der Revision und Katalogisierung des gesamten Bestandes; die Altbestände (vor 1800) werden katalogisiert
ab 1987 Katalogisierung der Neuerwerbungen
ab 1996 Erweiterung und Neueinrichtung des Büchermagazins

(Zum Vergrößern der Bilder klicken Sie diese an)

Bibeldrucke

Die Bibel steht am Anfang der Druckkunst. Gutenbergs Ziel war es, eine Bibel für den liturgischen Kirchendienst zu drucken, die den besten handgeschriebenen der Zeit an die Seite gestellt werden konnte.
Der Brauch, den ersten Buchstaben eines Werkes und seiner Hauptanfänge in Farbenpracht und Blattgold auszustatten, die Ränder mit Figuren und Bildern, die auf den Text Bezug nehmen, zu versehen, war schon in den Handschriften üblich.
Der Raum für den Anfangsbuchstaben (Initiale) wurde vom Drucker freigelassen und erst vom Rubrikator entsprechend ausgestaltet. Mit der Zeit entwickelten sich die Bibeln von aufwendigen Handschriftlichen ähnlichen Repräsentationsdrucken zu schlichten Gebrauchsbüchern.

Das Missale

Das Messbuch ist ein liturgisches Buch, in dem die Gebete, Lesungen und Gesänge für die Messfeiern verzeichnet sind. Bei seiner Herstellung wandten nicht nur die Mönche in den Schreibstuben ihr ganzes künstlerisches Können auf. Auch die Drucke wurden mit größter Sorgfalt hergestellt. Die Abstufung der einzelnen Gebete und Gebetsteile wurde vom Drucker durch Rotdruck und die Verwendung verschiedener Typen erreicht.
Dem Druck der Missale brachte die Kirche ein besonderes Augenmerk entgegen. Gegenüber dem Missale Romanum, dem römischen Ritus in der Liturgie, weist das Rituale Carmelitanum einige Verschiedenheiten auf. Dazu gehören z.B. unterschiedliche Formen bei der Gestaltung der Messfeier, eine abweichende Einstufung einzelner Feste und eine andere Zählung der Sonntage im Kirchenjahr.

Hausstudien und Thesendrucke

Früher hatte jedes Kloster für die wissenschaftliche Ausbildung des eigenen Nachwuchses zu sorgen. Man kann daher von einem Hausstudium der einzelnen Klöster sprechen. Neben dem Informator steht der Lektor, der vor allem für die theologische Ausbildung verantwortlich war.
Nicht selten versehen approbierte Doktoren und Professoren der Theologie, ja sogar der Provinzial selbst, den Lektorenposten. Später wechselten sich die einzelnen Klöster in der Ausrichtung der Studien ab.
Die Methode der Studienkurse spiegelt sich in den gedruckten Thesen und Traktaten wider. Aus ihnen ist auch abzulesen, wann der Straubinger Konvent Sitz eines Studienkurses war und welche Lektoren die einzelnen Kurse führten. Meist sind es lateinisch verfasste Disputationen, die aus den Studienkursen hervorgegangen sind, aber auch Predigtbücher, Gebetbücher und erbauliches Schrifttum. Dass die Lektoren nicht nur die barocke Tradition pflegten, beweist die reiche naturhistorische Sammlung des Klosters, die allerdings im Zuge der Säkularisation nach München entführt wurde.

Predigten

Zwar fehlen frühe Zeugnisse über die Predigttätigkeit, aber das Kloster hatte wohl zu allen Zeiten eine eigene Predigerstelle. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte der Sonn- und Festtagsprediger seinen festen Posten. Die Predigten fanden gewöhnlich früh um 7.00 Uhr statt. Besondere Predigten standen den Karmeliten an den ordenseigenen Festen zu: Joseph, Angelus, Simon Stock, Elias, Anna, Albertus, Theresia und am Skapulierfest. An den Jahrestagen der Übertragung (1661) des Gnadenbildes von den Nesseln in die Karmelitenkirche sowie in Notjahren feierte man gern eine Festwoche.
Diese Feierlichkeiten fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Druckwerken, die den Ablauf der Festivitäten wie auch die während der Festoktav gehaltenen Predigten brachten.