Figuren

Erbärmde-Christus
An der Wand des nördlichen Chorbogens steht in der Gestalt des Schmerzensmannes die beein­druckendste Darstellung in der Kirche. Die Figur dieses Erbärmde-Christus, schlank und feingliedrig gebildet, ist ganz geprägt von dem tiefen und ergreifenden Schmerz, den das versunken und erschöpft zu Boden ge­richtete Antlitz Christi zum Ausdruck bringt. Ganz leise ist der Mund geöffnet, läßt die Qualen des Schmerzensmannes ahnen. Ge­locktes Haar fällt in schwarzen Strähnen, das edle Gesicht einschließend, über die Schultern herab. Der lange, vorne geteilte Mantel staut sich zu Füßen des Heilandes. Während der Mantelwurf durch den Bausch über dem rechten Oberarm reich an Knitter­falten nach unten ausläuft, führt er auf der anderen Seite in elegantem Bogen zum linken Fuß, der darunter das Wundmal zeigt. Bein und Knie sind etwas eingeknickt, als könnten sie die Schwere des Leidens und Schmerzens nicht mehr ertragen. Mit der Rechten weist Christus auf das Wundmal an seiner Seite, die Linke präsentiert dem Be­trachter die durchbohrte Handfläche, um ihn das Mysterium des Leidens miterleben zu lassen. Die Figur des Leidensmannes, auch "Gestalt der Frömmigkeit" oder Erbärmde­-Christus genannt, gilt insbesondere seit dem 15. Jahrhundert als ein "Bild des geopferten Christus, das die Passion und die Wiederho­lung des Opfers in der Eucharistie umgreift" (W. Mersmann).
Mit der Verehrung eines solchen Bildes war meist ein Ablaß verbun­den, zumal in der Kirche eines in besonderer Weise der Betrachtung verschriebenen Bettelordens - Maria mit dem Kind. Gegenüber am südlichen Pfeiler des Chorbogens steht eine Figur Mariens mit dem Jesuskind, hoch­verehrt im Orden der "Brüder der Seligen Jungfrau vom Berge Karmel". Mit eleganter Leichtigkeit trägt Maria, ihren Kopf mit dem vollen Gesicht und dem ausgeprägten Kinn leicht geneigt, das nackte strahlende Kind. Der Knabe, der locker auf der Handkante Mariens sitzt und von ihrer rechten Hand gestützt wird, umfaßt den Zipfel des um das Haupt Mariens geschlungenen Schleiers. Maria ist mit einem hochgegürteten Gewand angetan, unter dem nur das linke Knie leicht hervortritt. Wie der Schmerzensmann trägt auch Maria einen langen, vorne offenen Mantel, der beidseitig in knittrigen Falten hinabfällt, sich am Boden staut und die Füße bedeckt. Ähnlich wie beim Erbärmde-Chri­stus tritt der Saum des Mantels hier auf der rechten Seite hervor und verläuft in elegan­tem Schwung nach unten, wo Maria zu Füßen die apokalyptische Mondsichel liegt. -
Thematisch gesehen treten Schmerzens­mann und Maria nicht selten zusammen in Erscheinung (W. Mersmann). Im Vergleich der beiden Figuren erscheint die Madonna durch die reichere Gewandung fülliger und mächtiger. Daß die beiden Arbeiten, aus­drucksvolle Schöpfungen der Spätgotik um 1480, in der künstlerischen Ausführung man­che Verwandtschaft zeigen, ist unüberseh­bar, ebenso in der Thematik, die volle Über­einstimmung mit dem kontemplativen Orden der Karmeliten zeigt. Die Entstehung der beiden Figuren wird gelegentlich mit der Werkstatt Veit Stoß, dessen Sohn Karmeli­tenprovinzial war und auch im hiesigen Klo­ster lebte, in Verbindung gebracht, kann aber bei der allgemeinen Datierung auf ca.. 1470/80 nicht überzeugen. Ob der sicher süddeutsche Meister unter fränkischem oder noch eher südwestdeutschem Einfluß stand, ist ebenfalls noch ungeklärt. - Christus als Salvator Mundi, in frühbarocker-manieristi­scher Ausführung (ca. 1600) am letzten nördlichen Kirchenpfeiler (links) unter der Orgelempore. Als Gegenstück auf einer Konsole am rechten Pfeiler Schmerzhafte Muttergottes, eine Schöpfung des 17. Jhs.

Stukaturen
Mitglieder der Werkgemeinschaft Giovanni Battista Carlone und Paolo d'Aglio besorgten 1701/02 die Ausstukkierung der unteren Zonen des Innenraumes mit plastischem Figuren- und Früchtestuck, der sich in seiner Verteilung überaus wirkungsvoll ausnimmt, insbesondere am Öffnungsbogen der Empore und an den anschließenden Blendarkaden. Prächtige Kartuschen, flankiert von allegorischen weiblichen Gestalten, schmücken den Scheitel der Nischenaltäre, drallige Engel sitzen auf den Gesimsteilen. Üppiger Früchte­schmuck bekrönt die Bildfelder. Auf ausdrücklichen Wunsch des Spenders der Orgel (1701), Georg Friedrich von Brugglach, trugen die Stukkateure an der Brüstung der Orgelempore über dem Scheitel des Öffnungsbogens sein Familienwappen auf. Zu beiden Seiten des Bogens stehen zwei aliegorische Frauengestalten, die als "Frömmigkeit" und "Großherzigkeit" die freizügige Spendentätigkeit und fromme Gesinnung des Wohltäters bezeugen. Die "Pietas" zur Linken hält ein Buch und die Schrifttafel: Laus dei - ardet ad laudes dei (Lob Gottes - Sie erklingt zum Lobe Gottes.). Die "Liberalitas" auf der anderen Seite hält einen Kelch und ebenfalls eine Tafel, auf der zu lesen ist: Opes expetendae ut deo largiamur (Nach Schätzen dürfen wir streben, wenn wir sie Gott schenken.). Im Scheitel der seitlichen Öffnungsbogen befinden sich zwei weitere Kartuschen, die an den Spender erinnern: cuius insignia in medio sunt - chorum fieri curavit (Das Wappen in der Mitte nennt den, der den Chor bauen ließ.).

Fresken
Von der Ausmalung der Kirche 1702 durch Melchior Steidl blieben nur die drei großen Fresken mit illusionistischen Kuppelgemälden unter der Orgelempore erhalten. In den Scheidbogen mit reicher, gemalter Stuckverzie­rung (Engelsköpfe, Fruchtgirlanden, Muscheln) singen und musizieren Engel auf verschiedenen Instrumenten. Das Gemälde über dem Westportal hat die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis Mariä durch den Karmelitenorden zum Thema: außen die Ordensheiligen Simon Stock und Elias mit Flam­menschwert und Ordenswappen (Kreuzsymbolik für die drei Gelübde), dazwi­schen zwei Bischöfe, darüber von Engeln getragene Medaillons (Skapulier, Lauretanisches Haus). Das 1911 wiederentdeckte Wandgemälde zeigt starke Überarbeitung, stammt wohl noch aus dem 18. Jahrhundert. Die Wandfresken zwischen den Seitenaltären mit Themen aus der Ordensgeschichte (rechts: hl. Andreas Corsinus, hl. Maria Magdalena de Pazzi; links: hl. Petrus Thomas, Opfer des Eiias für Jahwe auf dem Berge Karmel und Vernichtung der Baalsprophoten, 3 Kg 18) schuf 1880 der Münchner Maler Max Fürst. Sie verraten eine klare Komposition, bleiben aber in ihrer Statik hinter der Bewegtheit des Barock.

Tafelgemälde
Über dem Südwestportal und der Tür zum Kreuzgang hängen Herz-Mariae - bzw. Herz-Jesu-Darstellungen in hübschem Rokokorahmen (ca. 1760). Die drei Votivbilder an der Wand des Nesselaltares erzählen aus der Geschichte der Verehrung des Gnadenbildes, mit bemerkenswerten Stadtan­sichten: in der Mitte Überführung der Nesselmadonna von Heilbronn nach Straubing (wohl 1761 entstanden), links Votivbild (Frauen vor Straubing) zum Dank für die Bewahrung vor Kriegsgefahren im Jahre 1742, rechts Votivbild für die Errettung aus Kriegsübeln im Jahre 1801. Das Gemälde "Herabkunft des hl. Geistes" (Pfingsten) auf der Rückwand des Hochaltars zeigt in einer gewaltigen Architektur Maria inmitten der Apostel und der Urgemeinde, im Vordergrund anachronistisch auch einen Barfüßermönch im weißen Habit (Karmelit). Am linken unteren Rand trägt es die Signatur: Carmelita me pinxit et invenit anno 1675 (Ein Karmelit entwarf und malte mich 1657.). Man darf darin wohl das frühere Hochaltarblatt sehen. Den Mönchschor schmücken drei Tafelgemälde: Mariä Krönung (17. Jh.), beeinflußt von der Malerei des italienischen Manieris­mus (Reni); zwei Votivbilder der Bäckenknechtsbruderschaft (Weihe der Herren an Maria, Hilfe für die Armen Seelen), 1733 angeschafft für die Feier des Hochfestes der Bruderschaft.