Lage und Geschichte.
Seinen Bauplatz gegenüber dem 1356 gegründeten Herzogsschloß
schenkte der Straubinger Bürger und Propst des Augsburger Domkapitels Albert
Steinhauf den Karmeliten, als sie im Jahre 1368 aus der Bischofsstadt Regensburg
nach Straubing übersiedelten. In Albrecht I., Regenten des 1353 entstandenen
Herzogtums Straubing-Holland, fanden die Ordensbrüder Unserer Lieben
Frau vom Berge Karmel einen besonderen Gönner und Förderer. Von Papst
Urban I. hatte er mit einer am 6. April 1367 zu Avignon ausgestellten Urkunde
den Karmeliten die Erlaubnis für eine Niederlassung in seiner Herzogsstadt
erwirkt, die ursprünglich auf den Unterhalt von zwölf Ordensbrüdern
ausgerichtet war. Seit seiner Gründung gehört der Konvent, der im
18. Jahrhundert über 50 Mitglieder zählte, zur Oberdeutschen Provinz
der Beschuhten Karmeliten. Bei ihrem feierlichen Umzug am 1. Oktober 1368 stand
den Frauenbrüdern nur ein "clösterl" zur Verfügung,
das aber entscheidend erweitert werden konnte, als Herzog Albrecht I. am 9.
April 1374 seine Absicht verwirklichte, den Karmeliten ein "Kloster aus
seinem Besitz zu stiften und auf herzoglichem Grund zu erbauen". Der älteste
Klosterbau befand sich wahrscheinlich auf der östlichen Seite des
Geländes.
In der Folgezeit wurde er offenbar von Norden nach Süden und zum Chor
der Kirche hin ausgebaut. Für das Jahr 1404 ist bereits ein Kreuzgang erwähnt.
In den Zeiten der Reformation bedrängte das Kloster große finanzielle
und personelle Not, die erst nach dem 30jährigen Krieg endgültig überwunden
werden konnte.
Nach kleineren Um- und Erweiterungsbauten des Klosters jeweils zu Beginn
des 16. und 17. Jahrhunderts legte man am 27. Juni 1684 den ersten Stein
für einen barocken Neubau. Nachdem der Straubinger Hofmaurermeister Stephan
Niderkhürchner die Keller gebaut und die Mauern zwei "Gaden"
(Stockwerke) hoch aufgezogen hatte, wurde er auf Veranlassung des Priors P.
Emanuel von dem aus Graubünden stammenden "beruembten Ingenieur und
Architectus im Gericht Landau sesshafften" Johann Caspar Zucalli (Zugallius)
abgelöst. Er vollendete den Bau mit dem Sommerrefektorium (große
Aula) im Parterre (reiche Stuckdecke mit zwei Deckengemälden: Abendmahl,
Gastmahl bei Simon dem Aussätzigen), dem mit Fresken verzierten (zu Beginn
des 19. Jhs. übertünchten) Bibliothekssaal (1697) darüber
sowie dem Refektorium über der Sakristei um 1700.
Bei der Säkularisation (1802) wurde die Straubinger Niederlassung zum
Aussterbekloster der "Beschuhten Karmeliten" bestimmt. Um in der Seelsorge,
die ihnen hier verboten war, arbeiten zu können, verließen die meisten
Konventualen das Kloster.
Im Jahre 1841 erwirkte P. Petrus Heitzer aus Straubing, der letzte Karmelit
und Prior des alten Klosters, von König Ludwig I. das Dekret zur Wiedereröffnung.
Von hier erfolgten im 19. Jahrhundert die Erneuerung der Oberdeutschen
Provinz, Neugründungen im Inland und 1864 in Nordamerika.
1993 feierte der Konvent zusammen mit dem Abschluß der Kirchenrenovierung
sein 625jähriges Bestehen in der Stadt Straubing. |