22. November 2003 - Straubinger Tagblatt

"Aus Glauben wächst Verehrung"

300 Jahre des Stadt-Gelöbnisses - Schutz im Spanischen Erbfolgekrieg
Das Gnadenbild der Nesselmutter

"Krieg. Das bedeutet Väter und Söhne, Ehemänner und Brüder sterben für die Gier anderer nach Macht und Land", führte Pater Prior Georg Bertram ein. Angesichts des drohenden Erbfolgekrieges habe sich vor 300 Jahren die ganze Stadt dem Gnadenbild der Nesselmutter in der Karmelitenkirche geweiht. An dieses Ereignis erinnerte am Freitag ein feierlicher Gottesdienst und eine Marienfeier in der Karmelitenkirche.
Einige Straubinger würden vielleicht anderen Jubiläen wie 650 Jahre Herzogtum Straubing-Holland, mehr Bedeutung zumessen, vermutete Pater Prior bei der Predigt mit Blick auf die fünf offiziellen Vertreter der Stadt. Doch vom Gelöbnis an die Gottesmutter und dem Schrecken des Spanischen Erbfolgekrieges, mit Belagerung und Kapitulation der Stadt im Jahr 1704, seien sicherlich mehr Straubinger Bürger betroffen gewesen als von den Banden nach Holland.
Mit dem Tod Karls II. von Spanien habe der Kampf um seinen Thron begonnen. "Die Habsburger, Wittelsbacher und Bourbonen riefen zum Krieg und Kurfürst Maximilian II. stellte sich, bevor er in den Krieg zog, unter den Schutz der Nesselmutter. Nach seinem Beispiel weihte sich die ganze Bürgerschaft der Maria von den Nesseln als Stadtpatronin, um so Rettung vor Plünderung und Zerstörung zu erlangen", erinnerte Pater Prior.
Die Marienverehrung erwachse aus dem Glauben an Jesu und dem Wissen, welche Stellung die Gottesmutter bei ihm als Fürsprecherin einnimmt. Diese Weihe sei als Hingabe an Maria zu verstehen, die in ihrer Liebe und Treue für ihre Aufgabe nie wankend geworden sei und so an der Erlösung der Menschen mitgewirkt habe. "Doch wenden wir uns immer noch gläubig an sie ?", fragte der Prediger und ließ die Frage unbeantwortet. Einige der zahlreichen Gottesdienstbesucher fanden sich im Anschluss an den Gottesdienst vor dem Gnadenbild zum stillen Gebet ein. Die Marienfeier mit Prozession am Abend wurde umrahmt vom Straubinger Kammerchor unter der Leitung von Gerold Huber und Franz Schnieringer an der Orgel.- dg -