29. März 2004 - Straubinger Tagblatt

Straubinger Zuständ'
Kreuz und Knopf

von Hans Vicari

Auf jeder profanen Turmspitze kräht ein Wetterhahn oder es wehen geschwungene Fähnchen im Wind. Als Material verwen­den die Kunstschlosser wetterresis­tentes Kupferblech. Unser Stadt­turmgockel dreht sich im Wind auf der Mittelspitze, die über den vier Pyramiden förmigen Ecktürmchen weit in den weiß-blauen Straubinger Himmel ragt. Unter dem Wetterhahn rundet eine Kugel, die hohl ist und in der sich Dokumente zur bayerischen und Stadtgeschichte befinden. Die Kugel wird auch Turmknopf ge­nannt.
Auf kirchlichen Turmspitzen las­sen die frommen Bewohner einer Gemeinde zumeist ein Kunst geschmie­detes Kreuz anbringen. Seit einigen Monaten ist unsere Karmelitenkirche ohne Kreuz und Knopf. Beide Turmrequisiten wurden bei der letzten Turmrenovierung abgenommen, gründlich gereinigt und fachgerecht blattvergoldet.
Kreuz und Knopf ruhen derzeit im hinteren rechten Seitenaltar der Kar­melitenkirche, wobei der Knopf rie­sengroß auf zwei Böcken ruht (Bild). Das Kreuz indes lehnt mit seinen doppelten Querbalken und an seinen sechs Enden Watte betupft vor einer holzgeschnitzten und mit goldenem Gewand und einer ebensolchen Kro­ne geschmückten heiligen Frau.
Hier warten beide Turmsymbole darauf, an die Spitze befördert zu werden. Es darf nicht stürmen und auch kein starker Wind darf wehen. Ein Spezialkran hievt Kreuz und Knopf in die Spitzenöffnung.
Ende des neuzehnten Jahrhunderts sei der Knopf mitsamt dem Kreuz auf den Turm gekommen, sagte mir der Prior des Klosters. Die Arbeit des Knopfes sei so gediegen gewesen, dass dieser wiederum nach gründlicher Renovierung erneut Verwen­dung findet. Die beiden länglich gestreckten Halbkugeln sind kunstfertig ineinander vernietet und bilden so einen fast zylindrischen Kubus. In seinem Hohlraum lagert verankert ein Metallkästchen, in dem Urkun­den, Zeitungen und gängige Münzen verfrachtet sind.
Vor Ostern soll es ja wieder schöner und wärmer werden. Auch der Strau­binger Wind soll sich dann wohl gnä­dig zeigen, damit unser Karmelitenturm mit einem goldenen Kreuz in ganzer Würde wieder erstanden ist samt goldenem Knopf.