19. Juli 2004 - Straubinger Tagblatt

Karmeliten feierten Ordenshochfest
„Mönchsgewand ist wie eine zweite Haut“
Festprediger Abt Dr. Marianus Bieber aus Niederalteich – Jahrhundertelange Tradition –

Zelebrierten die Eucharistiefeier beim Ordenshochfest des Karmelitenordens: v.l. Pater Rainer Fielenbach, Pater Englmar Reiner, Pater Prior Georg Bertram, Abt Dr. Marianus Bieber, Bruder Elias Steffen, Pater Theo Vreesvijk und Professor Dr. Josef Kreiml.

Seit ihrer Gründerzeit haben sich die Karmeliten unter den besonderen Schutz der Gottesmutter gestellt. Deshalb feierten auch die Straubinger Karmeliten zu Ehren Mariens ihr Ordenshochfest, das Skapulierfest, am Festtag „Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel“. Benediktinerpater Abt Dr. Marianus Bieber aus Niederalteich erläuterte in seiner Predigt die Hintergründe des Skapuliers und bezeichnete deren Träger als Joch- und Kreuzträger Christi.

Für Pater Prior Georg Bertram war es eine besondere Freude, zum Hochamt am Sonntagvormittag Hauptzelebrant und Festprediger Abt P. Dr. Marianus Bieber, sowie als Urlaubsgast Professor Dr. Josef Kreiml begrüßen zu dürfen. Sie waren unter feierlichem Orgelspiel gemeinsam mit den Patres der Karmeliten und den Ministranten in die festlich geschmückte und von zahlreichen Gläubigen besetzte Karmelitenkirche eingezogen. In seiner Predigt drückte Abt Marianus seine Freude aus, als Benediktiner das Ordenshochfest der Karmeliten mitfeiern zu dürfen. Dabei erläuterte er eine der gemeinsamen Verbindungen: Das Tragen des Skapuliers, der Überwurf eines langen Schulterkleides. Der Heilige Benedikt von Nursia, der seit dem 6. Jahrhundert als Gründer des abendländischen Mönchtums verehrt wird, gab den Mönchen das Skapulier mit auf den Weg. Dieser römische Überwurf diente als Schutz der eigentlichen Kleidung beim Arbeiten. „Ora et labora (bete und arbeite) lautete der Wahlspruch des Heiligen Benedikts. Für ihn galt das Skapulier als Zeichen des schlichten, beständigen Dienens und Arbeitens der Mönche. „Nach der Ordenstradtition der Karmeliten erschien am 16. Juli 1251 dem Ordensgeneral Simon Stock die Gottesmutter selbst und überreichte ihm ein Skapulier, wie im Orden als Teil des Ordenskleides bereits üblich war, zum Unterpfand des Heiles für alle, die damit bekleidet sterben“ erläuterte der Prediger. Vor über 750 Jahren, fern der heutigen Wegwerfgesellschaft, habe die Kleidung eine große Bedeutung gehabt. „Meist selbst gefertigt ist das Gewand ein Utensil gewesen, das oft auf Lebensdauer ausgerichtet war. Der Mensch „verwuchs mit seinem Gewand“ resümierte Abt Marianus. Im Mönchsgewand bleibe „diese zweite Haut“ erhalten. Ständig getragen, werde dieses Gewand abgenützt, wie die alternde Haut, es finde eine Identifizierung statt. Folglich habe ein solches Gewand auch eine höhere Bedeutung für den einzelnen Menschen, als die „modischen Fetzen von heute, die meist einen Sommer nicht überleben“.

Voll zur Geltung brachte der Männergesangsverein Haselbach mit Leiter Martin Kerber (links außen) alpenländische Weisen.

„Das Skapulier symbolisiert das Kreuz“ betonte Abt Marianus in Erinnerung daran, dass es auf dem Rücken getragen werde. Es sei das milde Joch, das leichte Kreuz, das der Herr verlieben habe. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht“ zitierte der Prediger aus dem Matthäusevangelium. Aufgrund dieser Aussage Jesu sei ein Skapulierträger ein Jochträger. Durch das ständige Tragen identifiziere er sich mit dem Joch Jesu und sei ein sanfter, milder Mensch.
„Johannes und Maria standen unter dem Kreuz“ erinnerte der Prediger. Sie hätten ausgeharrt, auch als es eng wurde. „Da wurden sie ganz stark“ betonte Abt Marianus „und deshalb sind sie Vorbilder für alle, das Skapulier tragen. Damals wie heute“.

Abt Dr. Marianus Bieber beim feierlichen Auszug.

Die heilige Eucharistie feierte Abt Dr. Marianus Bieber gemeinsam mit sechs Konzelebranten am Altar und der ganzen versammelten Kirchengemeinde. Den musikalischen Bestandteil der Liturgiefeier gestaltete der Männergesangverein Haselbach unter der Leitung von Martin Kerber übernommen. Die kräftigen Männerstimmen gaben die Kärtner Messe sowie verschiedene Gesänge zum Besten. Ebenso unterstützen sie den Volksgesang, sodasss auch die gläubige Festgemeinde in die Feier der Liturgie miteinbezogen war. –ih-

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