08. September 2004 - Straubinger Tagblatt
Pater Georg Bertram feiert heute 50-jähriges Profess-Jubiläum
»Ins Kloster zu gehen, ist keine Flucht«
1954 Novize in Straubing, seit 2000 Prior – »19 Jahre auf Provinz-Tournee«
Bis
zum Jahr 2000 war Straubing für ihn ein weißer Fleck auf der Landkarte, bekennt Pater Georg Bertram. Damals wurde er Prior des Karmelitenklosters
und fühlt sich heute, wie er sagt, als Straubinger. Dabei war er schon
1954 hier – als Novize. Aber damals habe er von der Stadt nicht viel mehr gesehen als den Donaudamm und die Kirche in Sossau. »Wir durften nicht viel raus.«
Seither habe sich vieles geändert, ist er froh über den frischen Wind
unter anderem des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Leben in der Gemeinschaft sei heute weniger förmlich, offener, brüderlicher geworden. Am heutigen
Mittwoch feiert Pater Georg 50-jähriges Professjubiläum. Er will das nicht
an die große Glocke hängen, zelebriert mit seinen Mitbrüdern um 9 Uhr
einen festlichen Gottesdienst und verbittet sich dabei ausdrücklich »Lobhudeleien«.
Einigermaßen gelassen habe er damals den großen Tag erwartet, erinnert
sich Pater Georg (74) an den 8. September 1954. Damals habe die Profess in Straubing immer am Festtag Maria Geburt stattgefunden. Das liege nahe, schließlich verehrten die Karmeliten als Marienorden die Gottesmutter ganz besonders. Um 6 Uhr früh habe die Profess stattgefunden, im Rahmen eines
feierlichen Hochamts. Er habe den Habit getragen und ihm sei ein weißer Mantel umgelegt worden. Er sei dann von einem Mitbruder zum anderen gegangen und habe um Skapulier und Gebet gebeten. Damals habe es mindestens noch zwölf Patres im Straubinger Karmelitenkloster gegeben. Heute sind es sechs.
Pater Georg stammt aus Limburg an der Lahn. Er studierte an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt und wollte Priester werden. Von Kloster war damals noch nicht die Rede. Zwei Brüder seines Großvaters
waren Priester und ein Bruder des Vaters. Gemeinsam mit Kommilitonen besuchte er einmal das Karmelitenkloster in Frankfurt. Der Besuch war Anstoß, Schriften berühmter Karmeliter, der heiligen Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz zu lesen. Sie haben ihn fasziniert. Die Entscheidung, ins Karmelitenkloster einzutreten, sei »nicht wie der Blitz aus heiterem Himmel« gekommen,
sondern gewachsen, sagt er. Sein Vater habe die Entscheidung gelassen aufgenommen, die Mutter hatte mehr Vorbehalte. Der Karmelitenorden sei in seiner Heimat nicht so gängig gewesen wie Jesuiten oder Zisterzienser. »Sowas Ausgefallenes und dann auch noch nach Bayern«, erinnert er sich an innerfamiläre Kommentare.
An viele Orte geschickt
Was muss man für Eigenschaften mitbringen, wenn man sich fürs Klosterleben entscheidet? Man sollte sich einfühlen können in eine Gemeinschaft,
sagt Pater Georg nach einigem Überlegen, und man müsse bereit sein, das zu tun, was einem als Aufgabe übertragen werde. Man müsse Gehorsam aufbringen,
wenn es darauf ankomme und dahin gehen, wo man hingeschickt wird. Pater Georg wurde an viele verschiedene Orte geschickt, mit »19 Jahren Provinztournee« fasst er sein klösterliches Vagabundenleben lachend zusammen.
Es hat viele Abschiede gegeben. Von seiner Pfarrei in Beilstein an der Mosel, einer kleinen sehr aktiven Gemeinde, sei er schwer weggegangen. »Ich habe dort jedes Jahr einmal jede Familie besucht.« Später war er in
Fürth Krankenhaus-Seelsorger. Dieser Abschied sei auch schwer gefallen, »weil man da den Menschen in einer anderen Weise begegnet«.
Immer im Schuldienst
Später sei er 24 Jahre in Bamberg sesshaft geworden. Immer, von Anfang an, sei er neben Pfarreiarbeit und Klosterleben in Schulen tätig gewesen. Das habe ihm viel Freude gemacht und ihn jung gehalten, ist er sicher. Ehe er nach Straubing kam, war Pater Georg 22 Jahre lang Leiter des Theresianums in Bamberg, eines Spätberufenen-Gymnasiums und Kollegs sowie des erzbischöflichen Abendgymnasiums. Mit 70 befand er, müsse Schluss
sein mit Schule, »ehe die Anderen hinter vorgehaltener Hand sagten, es wird Zeit, dass er aufhört, der Alte«, schmunzelt er.
Dass er einmal in dem Kloster, in dem er Novize war, Prior werden würde, damit hat Pater Georg nicht gerechnet. Geändert habe sich im Klosterleben seither einiges. Manch alter Zopf sei abgeschnitten worden, nicht zuletzt mit dem 2. Vatikanischen Konzil. Das Gemeinschaftsleben sei jetzt weniger förmlich. Früher hätten sich Mitbrüder nur ausnahmsweise
geduzt. Man habe sehr arm gelebt damals, erinnert er sich an trockenes Brot und Muckefuck zum Frühstück. Und lachen muss er, wenn er daran denkt, dass ihm als Novize einmal der Prior seinen Habit geliehen habe, damit er einen Mitbruder zu einer Beerdigung begleiten konnte. Der hatte sich geweigert, ihn in seinem zusammengestückelten verwaschenen Ordensgewand mitzunehmen.
Sorgen bleiben nicht draußen
Wer meine, ins Kloster zu gehen, heiße Flucht vor der Welt, »der
ist schief gewickelt«, versichert Pater Georg. Alltagssorgen blieben nicht draußen
vor der Klosterpforte. Die Überalterung in den Pfarrgemeinden, der fehlende Nachwuchs in Ordensberufen und die Probleme der Instandhaltung und Restaurierung von Klostergebäuden und ihren Kulturschätzen nennt Pater Georg als Beispiel. Ein Familienvater mit Einfamilienhäuschen müsse sich
nicht mit Schwierigkeiten dieser finanziellen Dimension herumschlagen, schmunzelt er.
Ob er sich als zufriedener Mensch bezeichnen würde? Ja, sagt Pater Georg, der aber gleichzeitig gesteht, etwas cholerisch zu sein. Im Lauf der Jahre habe er aber gelernt, zurückzustecken. Zukunftswünsche? Er hoffe,
noch »ein bisschen wach, munter und interessiert zu bleiben«, besonders für
Kunst. Das Straubinger Karmelitenkloster beherberge so viel Kunst, »da hab' ich noch genug zu tun, da müsste der Tag nochmal so lang sein«. -mon-
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