15. September 2004 - Straubinger Tagblatt

Hilfe der Himmelskönigin

Karmeliten feiern heute Fest der Nesselmuttergottes

Das Fest der Nesselmuttergottes feiern die Karmeliten am heutigen Mittwoch, 15. September, um 9 Uhr, mit einem feierlichen Gottesdienst, den der Frauenchor aus Sossau musikalisch umrahmt. Um 16.30 Uhr findet in der Kirche vor dem Nesselaltar eine Andacht Andacht zu den sieben Schmerzen Mariens statt.
Als im Österreichischen Erbfolgekrieg 1742/43 Straubing von der Altstadt her beschossen wurde, lag das Karmeliten-Kloster in der unmittelbaren Schusslinie und erlitt durch mehr als 80 Geschosse beträchtlichen Schaden. Neben der Hilfe Gottes schrieb man es der Himmelskönigin zu, dass die Truppen schon am 11. April abzogen. Zur Erinnerung daran ließ die Stadt eine Dankeshymne mit dem Nesselbild drucken. Straubinger Frauen stifteten ein Votivgemälde, das einen Ausschnitt der Belagerung mit betenden Bürgerfrauen unter der Nesselmadonna zeigt.
Seinen Ursprung hat das Vesperbild "Maria von den Nesseln" in der Nähe von Heilbronn. Es stand dort im 15. Jahrhundert verlassen inmitten einer Brennessel-Wildnis. Die ihm zugeschriebene Heilkraft sorgte für immer mehr Wallfahrer, so dass eine hölzerne Kapelle errichtet wurde, die 1444 durch eine Wallfahrtskirche ersetzt wurde. Die Stadt Heilbronn übergab den Karmeliten mit Erlaubnis des Papstes Kirche und Wallfahrt. Als die Wirren der Reformation und des Bauernkrieges 1525 Württemberg heimsuchten, war es um Wallfahrt, Heiligtum und Kloster geschehen. Die Karmeliten wurden 1531 vertrieben, die Kirche zerstört und das Gnadenbild in die Deutschordenskirche übertragen. Nach mehr als 100 Jahren beschloss der damalige Provinzial P. Chrysostomos, das Gnadenbild wieder in eine Karmelitenkirche zu übertragen. Ausgewählt wurde das Straubinger Kloster.
Nach der Überführung des Gnadenbildes im Jahre 1661 in die Karmelitenkirche entwickelte sich die Ordenskirche zu einer vielbesuchten Wallfahrtsstätte, die deshalb 1710 ganz gegen die Gepflogenheiten einer Bettelordenskirche auch mit einem mächtigen Kirchturm ausgestattet werden durfte. 1703 weihte sich die Bürgerschaft Straubings "Maria von den Nesseln" als ihrer Stadtpatronin.