09. Oktober 2004 - Straubinger Tagblatt
Bankgebäude mit wechselvoller Geschichte
Einstmals begüterte Kaufmanns- und Beamtenfamilien - Hauskapelle von
1466
Historischer Abend in der Volksbank
Die Volksbank Straubing kann in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bankjubiläum
zurückblicken. Aus diesem Anlass setzte die Volksbank im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe
einen weiteren Höhepunkt mit ihrem "Historischen Abend". Dabei
ging es um die über 500-jährige Hausgeschichte der beiden Bankgebäude
am Ludwigsplatz 10 und 12. Rund 150 Gäste erlebten einen abwechslungsreichen
Geschichtsabend mit vielen Überraschungen. Zusätzlich begleitete das
"Brass Unlimited Quartett" mit einer musikalischen Zeitreise durch
die Jahrhunderte gekonnt den Abend.
Dietmar Küsters als Vorstandsvorsitzender der Bank begrüßte
die zahlreichen Gäste. Mit sichtlichem Stolz stellte er die Volksbank nochmals
kurz vor und betonte, dass das Bankgebäude, die Hauskapelle und der Mohrensaal
ständiges Interesse wecken und immer wieder in Stadt- und Individualführungen
eingebaut werde. Dass diese Räumlichkeiten auch heute noch von den Mitarbeitern
des Hauses voll genutzt werden, freue ihn umso mehr. Denn so bleibe Geschichte
im wahrsten Sinne des Wortes lebendig.
Kaum hatte er das Wort an den ersten Referenten übergeben, meldete sich
der einstige Hausherr zu Wort. Hermann Zeller, der um 1430 das Anwesen gekauft
haben dürfte, stellte sich und seine Frau Anna Regeldorfer in historischer
Gewandung vor, gespielt von den Bankmitarbeitern Bernhard Laugwitz und Christine
Hainz.
Die reichen Zeller
Der reiche Zeller begrüßte das überraschte Publikum und berichtete
von seiner arbeitsträchtigen Tätigkeit als Kaufmann und Stadtkämmerer.
Er sei stolz auf seine Lebensleistung, denn noch heute würde man sich für
die Geschichte seiner Familie und deren Taten interessieren.
Dann kam Markus Retzer an die Reihe, der seine umfangreiche Magisterarbeit über
das Patriziergeschlecht der Zeller in diesem Jahr auch der Volksbank überreicht
hatte. Demnach kamen die Zeller einst aus Regensburg, wo sie bereits seit etwa
1300 nachweisbar waren. Hermann Zeller, der sich auch als Wein- und Tuchhändler
betätigte, legte sein Vermögen gewinnbringend und krisensicher in
Immobilien- und Grundbesitz in der Straubinger Umgebung an. 1459, drei Jahre
vor seinem Tod, wird er in den Steuerlisten als zweitreichster Bürger der
Stadt genannt. Hierzu konnte auch die Original-Erbteilungsurkunde von Hermanns
Kindern aus dem Jahre 1465 präsentiert werden.
In der Folgezeit bauten die Zeller ein Netz von Verwandtschaftsbeziehungen zu
wirtschaftlich und politisch mächtigen Familien in Straubing und bis nach
Landshut und München auf. Rund zwei Jahrhunderte dominierten sie in ihrem
Umfeld mit das Geschehen, bis schließlich 1611 mit dem Tod von Caspar
Haug Zeller die Straubinger Stammlinie dieser bedeutenden Familie erlosch, die
in der Oberpfalz noch bis 1728 weiter existierte. In zahlreichen Bildern wurden
die vielen Spuren dieses Geschlechts sichtbar. Darunter das jetzige Volksbank-Gebäude
als damaliges "Haus in der Kron" mit seiner spätgotischen Bürgerkrone
und der noch erhaltenen Hauskapelle des Wilhelm Zeller von 1466, sowie weitere
Zeugnisse in St. Jakob, St. Peter und der Karmelitenkirche. Außerdem spendeten
die Zeller viel für die Armen der Stadt. Ihre Mess- und Almosenstiftung
wurde erst 1924 nach 450 Jahren aufgelöst.
Vom Handelshaus zur Bank
Über die Geschichte der beiden Volksbank-Gebäude vom 17. bis zum 20.
Jahrhundert berichtete dann sehr anschaulich Stadtarchivarin Dr. Dorit-Maria
Krenn. Das Haus "In der Kron" sah dabei viele Besitzer. Es waren vor
allem begüterte und angesehene Beamten- und Kaufmannsfamilien, die sich
dieses mächtige Gebäude leisten konnten, darunter der Ratsherr und
Bürgermeister Dr. Christoph Sigersreiter, der Regierungsrat Anton Felix
Ligsalz oder die adelige Maria Franziska Freiin von Hörwarth. Als 1753
der Ratsherr und Bürgermeister Johann Georg Haindl das Anwesen erwarb,
beauftragte er den Straubinger Bildhauer und Stuckateur Mathias Obermayr mit
der herrlichen Rokokofassade, die heute noch zu bestaunen ist.
Dann fiel der Name Joseph Grienberger, der das Gebäude 1796 für die
stattliche Summe von 16 600 Gulden erwarb. Und der betrat just in diesem Augenblick
die Szene, dargestellt von Herbert Daschner von der Volksbank. Er zitierte aus
seinem dicken Rechnungsbuch von 1814, das im Original leider verschollen ist,
die damaligen Lieferungen seines Handelshauses an die verschiedensten Empfänger.
Sein Original-Portrait hängt übrigens nach einer langen Odyssee heute
wieder in der Volksbank. Einen Menschenauflauf gab es 1822, als vor dem Haus
ein Findelkind abgelegt wurde. Die kinderlosen Grienbergers adoptierten den
Knaben, der später als Johann Gebhart, genannt Stiglmaier, das Anwesen
übertragen bekam. Nach dem Apotheker und Kaufmann Oskar Huber 1885 folgte
zunächst als Pächter und dann als Eigentümer 1917 der jüdische
Kaufmann Max Loose. In seinen noch vorhandenen Anzeigen im Straubinger Tagblatt
warb er als "Fa. Julius Rosenthal" damit, dass er nun das Straubinger
Kaufhaus mit den größten Schaufenstern sei. 1936 kaufte die Gewerbebank
und jetzige Volksbank das Gebäude und baute es für ihre Verwaltungs-
und Schalterräume um. Weitere grundlegende Umbauten fanden dann in den
Jahren 1982/83 und zuletzt 2001/02 statt. Bei den zahlreichen Bildern konnten
sich viele Gäste noch gut an die jüngere Vergangenheit erinnern.
Das Schneider-Anwesen
Mit dem Schneider-Anwesen ist das Gebäude am Ludwigsplatz 12 gemeint, das
die Volksbank 1979 von der damaligen Bäckerei und Konditorei Schneider
erwarb und es zu einem Bürogebäude umfunktionierte. Erstmals wurde
dieses Haus im Steuerbuch von 1501 genannt. 1687 erwarb es der wohlhabende Handelsmann
und Bürgermeister Andre Mohr. 1703 erhielt das Haus mit dem "Mohrensaal"
sein Prunkstück mit dem Familienwappen an der Decke. Da kam auch schon
der kleine schwarze Mohr (Jeremias Krenn) gelaufen und bot dem Publikum süße
Mohrenköpfe an. Nach weiteren Besitzern kauften schließlich 1903
die Eheleute Melchior und Theresia Schneider das Gebäude. Der Mohrensaal
bietet heute noch ein wundervolles Ambiente für die verschiedensten Veranstaltungen.-
red - |