20. November 2004 - Straubinger Tagblatt

Vortrag im Karmelitenkloster

Appell gegen die Politik der Gewalt
Palästinenserin Faten Mukarker berichtet aus ihrem Leben zwischen Grenzen

“Salam" ­ in ihrer Heimatsprache begrüßte die christliche Palästinenserin Faten Mukarker die zahlreichen Zuhörer, die einen bewegenden Bericht über die Lebensbedingungen im “Heiligen Land" zu hören bekamen. Auf Einladung des Karmelitenordens schilderte die mutige Frau in eindrucksvollen Bildern die Folgen der israelischen Besatzung für die Zivilbevölkerung in der Westbank.
Mit Informationen, die man so sonst nicht zu hören bekommt, und vielen persönlichen Einzelheiten schaffte es die in Deutschland aufgewachsene Faten Mukarker mit ihrem nahezu zwei Stunden dauernden Vortrag die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen.

Auf Einladung von Pater Rainer Fielenbach referierte Faten Mukarker im Karmelitenkloster über die Situation in ihrer Heimat Palästina.

Seit nunmehr 28 Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Beit Jala nahe Bethlehem und erlebt dort tagtäglich die sich immer mehr zuspitzende Eskalation der Gewalt. Faten Mukarker hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrer Aufklärungsreise quer durch Deutschland die Bevölkerung zum Hinsehen zu bewegen, für Verständigung der Konfliktparteien und das Recht auf Menschenwürde für das palästinensische Volk zu werben.
Sie erzählte von ihrer Reise nach Deutschland, von unendlichen und unverständlichen Schikanen bei der israelischen Besatzungsbehörde, von demütigenden Begegnungen mit jungen israelischen Soldaten an einem der zahlreichen Check-Points und endlich ihrem Gefühl von Freiheit und Menschenwürde beim Anflug auf den Frankfurter Flughafen.
Dann erst stieg sie ein in ihre Schilderung des Lebens in der Westbank, nahe Bethlehem, dem Geburtsort Jesu Christi. Um all die Ängste und auch den Hass der palästinensischen Bevölkerung zu verstehen, erfuhr der Zuhörer von Faten Mukarker auch einiges zum Leben in ihrer arabischen Tradition. Erst wenn man weiß, wie wichtig die Großfamilie ist und welch ehrwürdigen Status die Alten in der arabischen Gesellschaft haben, kann man die fatalen Folgen der willkürlichen Ausgangssperren (für Schüler, Kranke, Arbeitslose usw.) oder aber der ungehemmten und oftmals demütigenden Waffengewalt seitens der israelischen Soldaten auch gegen Kinder, Frauen und Alte nachvollziehen. Wasserrationierungen für die palästinensische Bevölkerung, während die israelischen Siedler unbegrenzt über die Wasservorräte verfügen können, das Ausreißen von Tausenden von Olivenbäumen, Verwüstungen von Ackerland und neuerdings der Bau der so genannten Sperrmauer entziehen den Zivilisten nach und nach jegliche Lebensgrundlage. Für viele palästinensische Familien sind gerade die Olivenbäume ein regelrechter Schatz, müssen diese Bäume doch 25 Jahre alt werden, bevor sie das erstemal Ernte bringen!
Gerade in Bethlehem leben viele christliche Familien von der Schnitzkunst und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf unter anderem von Krippenfiguren aus Olivenholz. Ungefähr 2,5 Prozent der Palästinenser sind Christen, für sie sei es in diesem aktuellen Konflikt besonders schwierig, ihren Glauben zu leben. Faten Mukarker gibt sich aber kämpferisch und bittet unbeirrt um gegenseitigen Respekt und Gerechtigkeit für alle. “Ich werbe für Verständigung zwischen Israelis und uns. Denn wir gehören zusammen, wir leben in unserem gemeinsamen Land." Sie weiß, Angst sei auf beiden Seiten zu Hause, und sie plädiert für “Pro Menschlichkeit" und nicht für “pro palästinensisch" oder “pro israelisch".
Am Ende ihrer bewegenden Schilderungen beschreibt Faten Mukarker die Mauer, beziehungsweise besser gesagt Separationsanlage, die von den Israelis zurzeit auf palästinensischem Grund gebaut wird. Acht bis teilweise zwölf Meter hoch solle dieser Schutzwall werden, der von den Palästinensern nur “Monster" genannt werde. Die Mauer solle laut Aussage der israelischen Führung Sicherheit bringen, Fakt sei aber, dass durch diese ­ milliardenverschlingende Maßnahme ­ die Palästinenser in eine Art Ghetto gesperrt würden. “Eine Mauer bringt keine Sicherheit", sagt Faten Mukarker mit Verbitterung, aber auch Energie. “Nur ein gerechter Friede bringt Sicherheit!"
“Wie will man Terror bekämpfen? ­ Die einfache Antwort heißt, indem man ihm die Gründe nimmt, ihm den Teppich unter den Füßen wegzieht!" Auch in Israel gebe es viele Gegner der dort praktizierten Politik des Hasses und der Gewalt. Für Faten Mukarker bleibt die Hoffnung, möglichst viele Menschen mit ihrer Nachricht zu erreichen und so ihren Anteil zu einer friedlichen und gerechten Lösung des Nahost-Konflikts beizutragen. Denn sie ist sich gewiss, dass nur dann dem internationalen Terrorismus die Wurzeln entzogen werden können. Dieser Abend im Karmelitenkloster, der nicht zuletzt durch das unermüdliche Engagement von Pater Rainer Fielenbach zustande kam, hat wohl vielen der Besucher einigen Stoff zum Nachdenken mitgegeben.
Zu dieser Thematik “Bethlehem heute ­ Ein Blick hinter die Mauern" findet ab Donnerstag, 25. November ebenfalls im Kreuzgang des Karmelitenklosters eine Wanderausstellung mit eindrucksvollen Dokumenten zu Geschichte aber auch aktuellen Ereignissen in Palästina statt. ­aka­