27. November 2004 - Straubinger Tagblatt

Ausstellung im Kreuzgang des Karmelitenklosters bis zum 2. Dezember (verlängert bis 17. Dezember)

Bethlehem heute ­ ein Blick über die Mauer

Durch den Mauerbau wird Menschen in Palästina ihre Existenzgrundlage entzogen

 

Gemeinsam eröffneten sie am Donnerstagabend die Ausstellung “Bethlehem heute ­ ein Blick über die Mauer": (v.l.) Pater Rainer Fielenbach, die Referenten Beate Eichinger und Dr. Reinhold Then sowie Pater Georg Bertram.

Bethlehem ist die Geburtsstätte des Christentums. Auch 2000 Jahre nach Jesu Geburt leben dort viele Christen. Seit Israel jedoch im Herbst 2002 mit dem Bau einer acht Meter hohen Mauer begann und die Touristen ausblieben, haben viele der christlichen Palästinenser ihre Existenzgrundlage verloren. Mit der Wanderausstellung “Bethlehem heute ­ ein Blick über die Mauer³ möchten die Organisatoren der Katholischen Erwachsenenbildung Regensburg Solidarität mit den Christen im Heiligen Land wecken.
Rund 120 Gäste besuchten am Donnerstagabend die Ausstellungseröffnung im Kreuzgang des Karmelitenklosters. Mehrere Schautafeln und die Vorträge von Beate Eichinger und Dr. Reinhold Then gewährten Einblick in das Leben christlicher Palästinenser jenseits der acht Meter hohen Mauer. Außerdem konnten die Besucher filigrane Olivenholzschnitzereien bestaunen und Wein aus Bethlehem kosten.
“Wir wollen einen Beitrag leisten zu mehr Verständnis und zu Frieden im Heiligen Land", betonte Beate Eichinger. Die christlichen Brüder und Schwestern in Palästina bräuchten Solidarität.
“Durch den Mauerbau geschieht großes Unrecht", stellte Beate Eichinger klar. Mit dem acht Meter hohen Wall wolle sich Israel vor palästinensischen Attentätern schützen. Die Menschen in Bethlehem und der Westbank würden dadurch aber von ihrer Umwelt abgeschnitten. Dabei habe sich die Lage in Palästina schon seit der Intifada im Jahr 2000 dramatisch zugespitzt. Touristen und Pilger blieben aus, sozial und wirtschaftlich gehe es seitdem rasant bergab. Dabei hätten sich die Einheimischen gerade angesichts des Jubiläumsjahres 2000 sehr große Hoffnungen auf ausländische Gäste gemacht, die Olivenholz-Manufakturen produzierten gar auf Vorrat.

“Schleichende Landnahme"

Da die Mauer teilweise bis zu sechs Kilometer hinter der so genannten “Grünen Grenze" zwischen Israel und Palästina gezogen werde, verlören die palästinensischen Bauern Land und somit ihre Existenzgrundlage, schilderte Beate Eichinger und warf Israel “schleichende Landnahme" vor.
Der Konflikt zwischen vor allem muslimischen Palästinensern und Israelis schränke das Leben der Menschen in der Westbank stark ein. Auch die christlichen Palästinenser hätten unter den Repressalien zu leiden. Sie machten rund 15 Prozent der palästinensischen Gesamtbevölkerung aus. Ganz im Gegensatz zur politischen Nichtpräsenz und zahlenmäßigen Minderheit stehe das soziale Engagement der Christen dort. Vor allem durch ihre Kontakte nach Europa könnten sie in den Bereichen Bildung, Alten- und Krankenpflege viel erreichen.
Durch die Mauer sei die Mobilität der Menschen stark eingeschränkt, viele kämen nicht mehr zu ihren Arbeitsstellen. An Checkpoints gebe es scharfe Kontrollen, die psychische Belastung sei enorm und die wirtschaftliche Situation prekär. “Die Arbeitslosigkeit in der Westbank liegt bei 60 bis 70 Prozent. Aussicht auf Besserung gibt es nicht", sagte Beate Eichinger. Aber auch viele junge israelische Menschen würden aus ihrem Alltag herausgerissen, indem sie an der Mauer Wache schieben müssten.
Dr. Reinhold Then ist in diesem Jahr bereits mehrfach in Palästina gewesen und hat die Lage vor Ort erlebt. Früher hätten sich in der Karwoche in Bethlehems Straßen die Menschen gedrängt. “Heuer war nahezu kein Tourist da." Die Einheimischen machten keine Umsätze, Gemüse und Holzschnitzereien blieben liegen. Dr. Then animierte die Ausstellungsbesucher, unbedingt nach Bethlehem zu reisen und die Menschen dort zu unterstützen. “Es ist ein wunderschönes Land. Touristen werden höflich behandelt, und es besteht keine Gefahr."

Brücken statt Mauern

Auch Dr. Then verurteilte den Mauerbau. “Das ist ein Versuch Israels, Land einzunehmen." Er erinnerte an den Appell des Papstes: “Baut Brücken statt Mauern."
Die Ausstellung ist im Kreuzgang des Karmelitenklosters, Albrechtsgasse 20, zu sehen und bis 2. Dezember täglich geöffnet von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr. Zugang ist über die Klosterpforte möglich.
Wie schon in den vergangenen Jahren wollen die Karmeliten auch heuer wieder 30 christliche Schnitzerfamilien aus Bethlehem durch den Verkauf von geschnitzten Olivenholzkrippen und vielen Olivenholzartikeln unterstützen. ­wes­