04. Dezember 2004 - Straubinger Tagblatt

Ausstellung im Karmelitenkloster

Neue Hoffnung durch die Scherben-Engel

Josef Unterholzner

Christbaumschmuck und Krippen aus Bethlehem – Vielfältige Geschenkideen

KrippenfigurenWer auf der Suche nach Christbaumschmuck, adventlichen Deko-Artikeln oder Weihnachtskrippen ist, der wird noch bis 20. Dezember in der Aula des Karmelitenklosters fündig. Durch die Vermittlung von Pater Rainer Fielenbach bieten rund 40 Schnitzerfamilien aus Bethlehem hier ihre kunstvollen Arbeiten aus Olivenholz zum Verkauf an. "Weil aufgrund der politischen Entwicklung die Touristen ausbleiben, können die Schnitzerfamilien seit vier Jahren ihre Arbeiten nicht mehr verkaufen", erklärt Hassan Al Ahmad, der früher als Reiseleiter in Bethlehem gearbeitet hat. Die Ausstellung ist täglich von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.
Neben mehreren wunderschönen Krippen werden zahlreiche weitere Schnitzarbeiten angeboten. Zum Beispiel Madonnen, die heilige Familie auf der Flucht oder das letzte Abendmahl. Neben den großen Figuren, die es sowohl in traditioneller als auch in moderner Darstellung gibt, findet man auch viele kleine, detailverliebte Arbeiten, die sich als Geschenkartikel oder Christbaumschmuck eignen.
Aus der Oasis-Behindertenwerkstatt werden zum Beispiel Sandbilder, Windlichter und Kerzen verkauft, berichtet Pater Rainer. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde habe diese Werkstatt aufgebaut, um den Behinderten, für die es in der Regel keine eigenen Werkstätten gibt, Selbstwertgefühl und die Möglichkeit zu geben, zum Lebensunterhalt ihrer Familien einen Beitrag zu leisten.

Schmuck mit Symbolcharakter

Als besonderes Geschenk mit hohem Symbolcharakter würden sich auch die Glasengel aus Bethlehem anbieten. Bei den Invasionen der israelischen Armee in Bethlehem in den vergangenen vier Jahren seien viele Fensterscheiben zu Bruch gegangen, erklärt Pater Rainer. So entstand die Idee, aus den Zeichen der Zerstörung kleine kunstvolle Engel zu fertigen, damit aus den Spuren der Zerstörung Zeichen der Hoffnung würden. Diese Scherben-Engel seien mittlerweile sehr begehrt und würden als schöner Schmuck und richtige Friedenszeichen nicht nur am Christbaum eine gute Figur abgeben.
Weil der Mensch nicht nur vom Schmuck alleine lebt, bietet das Kloster der Salesianer Don Boscos aus Bethlehem bei den Karmeliten auch Wein aus seinen eigenen Bethlehemer Weinbergen an. Damit wird die ordenseigene Berufsschule in Bethlehem finanziert. "Am Heiligen Abend eine Flasche Wein aus Bethlehem zu trinken, ist somit nicht nur ein schönes Symbol der Solidarität mit den Menschen in Bethlehem, sondern auch Unterstützung bei der Ausbildung junger Menschen," sagt Pater Rainer. Früher sei Bethlehem gerade am Heiligen Abend von Touristen überflutet gewesen. Heute ist die Stadt leer.

Touristen bleiben aus

Hassan Al Ahmad war früher Reiseleiter in Bethlehem und führte Touristen zu den Sehenswürdigkeiten der Geburtsstadt Jesu. Durch die Vermittlung von Pater Rainer Fielenbach können rund 40 Schnitzerfamilien in der Aula des Karmelitenklosters wieder ihre Arbeiten verkaufen.

"Ich kenne Pater Rainer seit acht Jahren. Er ist früher oft zu uns als geistlicher Leiter von Reisegruppen gekommen", erzählt Hassan Al Ahmad. Nach der Intifada im September 2000, als israelische Soldaten die Geburtsstadt Jesu besetzten, blieben die Touristen aus. Die insgesamt rund 600 Schnitzerfamilien, ­ das sind kleine Familienwerkstätten, von denen jeweils bis zu 30 Menschen abhängig sind, ­ können ihre Produkte nicht mehr verkaufen und sind arbeitslos.
Über die Beziehungen zu Pater Rainer können diese Familienbetriebe heuer bereits zum vierten Mal ihre Waren in Deutschland verkaufen, freut sich Hassan Al Ahmad. "Wir wollen in dieser schwierigen Zeit und großen Not nicht um Spenden betteln, sondern unseren Lebensunterhalt durch den Verkauf unserer Schnitzereien selbst verdienen."
Das Olivenholz, das von den Schnitzern verarbeitet wird, stamme von den jährlichen Pflegeschnitten der abgeernteten Bäume. Dieses Holz müsse drei Jahre lagern, ehe es für die Bearbeitung trocken genug ist. Die Maserung mache das sehr harte Holz so besonders attraktiv. Vor rund 100 Jahren sei die Olivenholz-Schnitzerei als florierender Handelszweig entstanden. "Wir hoffen auf Frieden, damit endlich wieder die Pilger zu uns nach Bethlehem kommen." Bis es aber soweit ist, müssten die Schnitzerfamilien ihre Arbeiten eben im Ausland anbieten, um überleben zu können.-fun-