17. Dezember 2004 - Straubinger Tagblatt
Eine ganz besondere Beziehung zur Krippe
Arbeiten aus Werkstatt und Sammlung von Elisabeth und Franz Karl bis 16.
Januar
Sonderausstellung im Gäubodenmuseum
"Die Botschaft der Krippe", heißt eine Sonderausstellung mit
Arbeiten aus Werkstatt und Sammlung von Elisabeth und Franz Karl, die noch bis
16. Januar im Gäubodenmuseum präsentiert wird. Dieses Jahr werden
es zwanzig Jahre, dass Elisabeth und Franz Karl zur Weihnachtszeit im Gäubodenmuseum
die Aufstellung der Krippen ehrenamtlich übernehmen. Anfänglich handelte
es sich um die große Krippe der Marianischen Männerkongregation.
Als Reisinger-Krippe fand sie 1996 ihren Platz in der ehemaligen Jesuitenkirche.
Seit 1996/97 ist es das Weihnachtsfoyer, das das Ehepaar Karl im Gäubodenmuseum
nicht nur gestaltet, sondern gerade auch durch Vermittlung zahlreicher Leihgaben
immer wieder wesentlich bereichert.
Jedoch reicht dieses Engagement für die Weihnachtskrippe noch weiter zurück.
So gestalten und betreuen Elisabeth und Franz Karl seit 1976 zahlreiche, öffentlich
zugängliche Weihnachts- und Jahreskrippen (u. a. Kindergarten und Pfarrkirche
Al burg, Elisabethkrankenhaus, Marienstift, Karmelitenkirche, Jahreskrippe in
St. Jakob und bei den Karmeliten). Durch ihre Arbeit wurde Straubings Ruf als
"Krippenstadt von Niederbayern" geweckt und seit Mitte der 1990er
Jahre gemeinsam mit den "Straubinger Krippenfreunden" (gegründet
1997) und dem Städtischen Verkehrsamt in die Öffentlichkeit getragen.
Weitgehend unbekannt blieben dagegen die Krippen aus dem Hause Karl. Erstmals
werden diese nun der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. So versammelt
die Ausstellung "Die Botschaft der Krippe" einen Großteil der
ansonsten nur privat gezeigten Krippen. Die Auswahl besorgten Elisabeth und
Franz Karl, ebenso wie die Aufstellung. Für einige Darstellungen schufen
sie eigens neue Szenerien. Auch finden sich Krippen ausgestellt, die für
Verwandte oder kirchliche Einrichtungen geschaffen oder restauriert wurden.
Damit möchte die Ausstellung einen repräsentativen Einblick in eine
an Figuren und Bildern noch weit umfangreichere Sammlung geben.
In der Familie
Von früh an bestand durch die jeweiligen Elternhäuser bei Elisabeth
und Franz Karl eine enge Beziehung zur Krippe. So konnte Franz Karl schon als
Kind die Weihnachtskrippe aus der Nähe erleben, da sein Vater 1934 für
die eigene Hauskrippe eine Erstausstattung von Kuoltfiguren erwarb und später
um weitere Figuren ergänzte. Einen besonderen Eindruck hinterließ
bei Franz Karl jedoch die Krippe im Dom von Würzburg, wohin der Vater beruflich
bedingt versetzt worden war. Diese Krippe, 1933 im Zuge der Würzburger
Krippenausstellung aufgestellt und den Bombenangriffen von 1944 zum Opfer gefallen,
befand sich in einem kapellenartigen Raum des rechten Domseitenschiffs. Aufgestellt
waren die Szenen "Geburt", "Anbetung der Könige" und
"Flucht nach Ägypten" mit Gliederfiguren aus dem 18. Jahrhundert.
Diese waren ca. 70 Zentimeter groß und in regionaler Tracht bzw. im Stil
der Gemälde von Giovanni Battista Tiepolo neu eingekleidet. Besonderen
Eindruck hinterließ bei Franz Karl bis heute die Beleuchtung der Szene
"Heilige Nacht". Diese Art der Lichtinszenierung, aber auch das Mitwirken
im Schultheater als Beleuchter, war ihm nach eigenen Aussagen späterhin
hilfreich für den Bau von Krippen.
Elisabeth Karl, geb. Kaege, war die Verbindung zur Krippe hingegen buchstäblich
in die Wiege gelegt. Ihre Eltern führten von 1934 bis 1945 die zweite katholische
Buchhandlung in Berlin, ein Ableger des Regensburger Verlags Josef Habbel. Wenn
zur Adventszeit ihre Mutter, eine geborene Habbel, die Schaufenster mit Weihnachtskrippen
dekorierte, legte sie das Haustelefon in das Bett der Tochter, um bei Bedarf
schnell zur Stelle zu sein.
Bayerische Krippenfreunde
Nach Einsetzen der Bombenangriffe auf Berlin wuchs Elisabeth Karl mit ihren
Geschwistern im großelterlichen Haus in Regensburg auf. Hier, wo im Verlag
des Großvaters seit 1924 die Zeitschrift "Der Bayerische Krippenfreund"
als Organ des "Vereins bayerischer Krippenfreunde" erschien, hatte
das Aufstellen von Weihnachtskrippen im Familien- und Bekanntenkreis eine lange
Tradition. Einfache Aussägefiguren, Gips- und Zinnfiguren, Bachlechner-
und Krippenvereinsfiguren fanden Verwendung. Stets wurden mehrere Szenen gestellt
und selbst die kleinsten Kinder durften dabei mitwirken. So auch Elisabeth Kaege,
deren Wunsch nach einer Krippe mit beweglichen Gliederfiguren und textiler Bekleidung
wohl in dieser Zeit entstand.
Seit Franz Karl 1949 einen Stall für die elterliche Krippe gebaut und Elisabeth
Karl um 1955 eine Krippe aus Ton modelliert hat, haben sie eine Vielzahl von
Krippen erstellt und zusammengetragen. Begleitend dazu hat Franz Karl seit den
1990er Jahren Beiträge zur Geschichte der Straubinger Krippen veröffentlicht.
In der Sammlung stehen Hauskrippen aus der Kinderzeit neben einer großen
Vierseit-Krippe, die seit 1984 fortlaufend wächst. Daneben finden sich
große Sammelkrippen mit Figuren unterschiedlichster Herkunft, die im neapolitanischen
bzw. süddeutsch-alpenländischen Stil aufgestellt sind. Ergänzt
wird diese Sammlung durch einige ältere und neuere Miniaturkrippen sowie
durch Bilder und Bücher aus dem entsprechenden Umfeld.
Eigene Architektur
Kennzeichen der meisten Krippen ist, dass sie im privaten Umfeld frei gestellt
werden können und von mehreren Seiten zu betrachten sind. Es handelt sich
nicht um Guckkastenkrippen mit gemalten Hintergründen. Vielmehr versuchen
Elisabeth und Franz Karl die Figuren in eine selbst gefertigte Krippenarchitektur
zu setzen. Bei den Figuren (Personen) handelt es sich meist um bewegliche Gliederfiguren,
die selbst eingekleidet werden. Damit verbunden ist eine Arbeitsteilung, die
bereits Ende der 1970er Jahren bei den mit Plastika und Fimo gefertigten Holz-Draht-Körper-Figuren
deutlich wurde.
Aus der Bevorzugung von beweglichen Gliederfiguren entwickelte sich mit der
Zeit die Hinwendung zu älteren Figuren dieser Art. Diese wurden und werden
aus dem Handel, oftmals nur mehr als Fragmente erworben. Anschließend
werden die Figuren restaurierend ergänzt und unter Verwendung historischer
Materialien neu eingekleidet. Aufstellung finden sie in selbst entworfenen Architekturen,
die an historische Vorbilder oder barocke Gemälde angelehnt sind und in
Bezug zur Herkunft der Figuren stehen.
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
Montags, am 24. und 25. Dezember sowie an Silvester ist geschlossen.- red -
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