08. Januar 2005 - Straubinger Tagblatt

Gelebte christliche Solidarität mit Bethlehem

Mit Scherbenengeln und Wein aus dem Heiligen Land hilft der Karmelit Christen

Pater Rainer FielenbachCremisan-Wein aus Bethlehem bietet Pater Rainer Fielenbach im Karmelitenkloster zum Verkauf an. Die trockenen Rot- und Weißweine reifen in Eichenfässern, bevor sie per Schiff über Hamburg und Regensburg in das Straubinger Kloster geliefert werden. Dem Karmelitenbruder ist wichtig, Aufmerksamkeit auf die schwierige Situation im Heiligen Land zu lenken und Solidarität mit der dortigen Bevölkerung zu zeigen. Der Pater unterstützt mit dem Wein aus der Geburtsstadt Jesu, dem Verkauf von Scherbenengeln und Schnitzereien aus Olivenholz Menschen in Bethlehem, die wegen der palästinensischen Intifada und der Absperrung durch Israel eine erzwungene Arbeitslosigkeit von 70 bis 80 Prozent zu ertragen haben.

Im Kreuzgang des Klosters hat Pater Rainer seine flüssigen Schätze aus Bethlehem aufgebaut. Schon rund 600 Flaschen der verschiedenen Sorten hat er verkauft. Der Wein stammt aus Palästina und wurde an den Hängen von Beit Jala, Bethlehem, bis nach Hebron angebaut. Seit biblischer Zeit gelten die Weine der Region als besonders gut.

"Der Merlot schmeckt mir am Besten", verrät Pater Rainer. Mit der privaten Aktion wird erstmals in Deutschland das Angebot des Weingutes Cremisan verkauft. In der Vorweihnachtszeit lief die Aktion gut an.
Vorher wurde der Wein aus dem Heiligen Land nur vor Ort verkauft. Seit die Israelis mit einem Zaun die gesamte Stadt abgeriegelt haben, scheuen viele Ausländer die Fahrt in die Stadt. Für Bethlehem, das bis zum Jahr 2000 fast ausschließlich von Pilgern und Touristen gelebt hat, bedeute dies eine wirtschaftliche und menschliche Katastrophe, berichten die Karmeliten. Angespartes Geld sei längst aufgebraucht. Schulgeld, Ausgaben für Medikamente oder Lebensmittel fehlten oft.

Keine Zukunft für Christen?

Der Weinverkauf unterstützt die Salesianer Don Boscos. Seit 1891 sind sie in Bethlehem aktiv. In der heutigen schwierigen Lage unterstützen sie überkonfessionell junge Leute mit einer Ausbildung in ihrer Berufsschule und backen in ihrer Bäckerei täglich kostenlos für die Ärmsten. Mit Pilgergruppen und im Urlaub besucht Pater Rainer seit 1996 regelmäßig die Geburtsstadt Jesu Christus. Im Laufe der Zeit hat er viele Freunde und Bekannte gefunden, mit denen er auch regelmäßig telefoniert. So setzte er sich unter anderem mit dem gewaltsamen Tod einer zehnjährigen Schülerin oder der Arbeit einer Behindertenwerkstätte auseinander und versucht in Gesprächen Sensibilität für das Thema Israel und Palästina zu wecken. Neben seinen übrigen Pflichten kümmert sich Pater Rainer seit Jahren um Unterstützung der Menschen in Bethlehem.
Dabei steht für ihn neben der oft dringend benötigten finanziellen Hilfe besonders die Solidarität mit den christlichen Glaubensbrüdern im Vordergrund. Rund 5000 Christen sahen für sich in den letzten vier Jahren keine Zukunftschance mehr in der Stadt Bethlehem und wanderten aus. "Der Begriff Zukunft fehlt", beklagt Pater Rainer Zaun und Wachposten, die die Stadt und ihre Bewohner wie in einem Gefängnis hielten. Nur mit einem Passierschein und stundenlangem Warten könnten die Bewohner ihre Stadt verlassen oder betreten.

Vielen Familien helfen

Neben dem einmaligen Weinverkauf in Deutschland hilft das niederbayerische Kloster 40 christlichen Schnitzerfamilien aus Bethlehem mit dem Verkauf ihres Kunsthandwerks. Szenen aus der Bibel, wie die Fußwaschung, das letzte Abendmahl oder die klassische Krippendarstellung mit der heiligen Familie bietet Pater Rainer in einem Nebenraum des Kreuzganges an. "Wir wollen möglichst viele Familien unterstützen", erklärt der engagierte Klosterbruder. Auch die kleinen Scherbenengel aus weggeworfenen Flaschen und aus Glassplittern von der israelischen Invasion Bethlehems, sind gern gekaufte Botschafter für Gerechtigkeit, Friede und Würde.
Olivenholzschnitzereien, Bethlehemwein und Scherbenengel gibt es weiterhin bei Pater Rainer an der Pforte des Karmelitenklosters zu kaufen.
Informationen gibt es auch im Internet unter www.karmelitenorden.de/straubing.
Gerne gibt er den Dank aller Holzschnitzer, des Weingutes und der Berufsschule weiter, die sich über Hilfe und Solidarität aus Deutschland sehr freuen. - su -

Im Gespräch mit der Redaktion: Pater Rainer Fielenbach