24. Februar 2005 - Straubinger Tagblatt
In der Bibliothek des Karmelitenklosters werden wertvolle Fresken freigelegt
Verborgenen Schatz ans Tageslicht holen
Kulturausschuss fördert Restaurierung - Veranstaltungsreihe zum Geburtstag
von Flurl
Eine einmalige künstlerische Kostbarkeit verbirgt sich in der Bibliothek
des Karmelitenklosters. Unter einer dicken Farbschicht liegen Malereien von
Melchior Steidl, der auch die bedeutenden Fresken in der Klosterkirche schuf.
Um diese wertvollen Kunstwerke der Nachwelt zu erhalten, sollen sie jetzt freigelegt
und restauriert werden. Die Kosten für die Renovierung schätzte ein
Gutachter auf gut 270000 Euro. Der Kulturausschuss fördert das Projekt
mit bis zu 13600 Euro.
Erstaunt und überrascht streckten die Mitglieder des Kulturausschusses
am Dienstagnachmittag ihre Köpfe nach oben, um die Decke der Karmeliten-Bibliothek
genauer zu inspizieren, während Pater Prior Georg Bertram Details zur Restaurierung
erklärte. Kaum jemand wusste vorher, dass in Straubing noch eine derart
große Fläche mit Fresken des angesehenen Künstlers Steidl vorhanden
ist. "Durch die Freilegung bekommt die Stadt ein einzigartiges Kunstwerk
zurück", erklärte auch der Karmeliten-Prior.
Bürgermeister Hans Vicari gab einen kurzen historischen Abriss zu der Bibliothek:
Vom Spätmittelalter bis zur Aufhebung der Bettelorden-Klöster 1802
zeichnete sich das Karmelitenkloster durch einen einzigartigen Bibliotheksbestand
aus. 16000 Bände stapelten sich einst in den Regalen, nach der Säkularisation
kam der Großteil in die Münchner Staatsbibliothek.
Fresken einfach übermalt
Beim Neubau ab 1684 erhielt das Kloster angesichts seines reichen Bestands
einen eigenen Bibliothekssaal mit Tonnengewölbe. Der ganze Büchersaal
bekam um 1710 neben feinem Stuck auch eine künstlerische Ausgestaltung
in Seccomalerei durch Melchior Steidl.
Doch nach der Säkularisation schätzte man den Wert solcher Kunst gering
und ließ die Fresken Anfang des 19. Jahrhunderts einfach überweißen.
Im gesamten deutschen Sprachraum gibt es keine solch umfangreiche und künstlerisch
wertvolle Ausstattung eines Bettelordens. Durch Risse im Gewölbe sind die
Malereien wieder aufgetaucht und ein kleiner Teil ist bereits wieder freigelegt
worden. "Die letzten Untersuchungen durch Experten fanden im Dezember statt",
so Prior Georg Bertram. Sie seien zu dem Ergebnis gekommen, dass der Untergrund
noch weitgehend in Ordnung sei.
Flurl-Jubiläum 2006
Die Mitglieder des Kulturausschusses stimmten überein, dass dieses Projekt
der Karmeliten gefördert werden müsse und lehnten sich an den üblichen
Zuschuss-Modus von fünf Prozent der förderfähigen Kosten an.
Einig war man sich ebenfalls, den 250. Geburtstag von Mathias von Flurl (1756
- 1823) nächstes Jahr mit einem umfangreichen Veranstaltungs-Programm zu
würdigen.
35000 Euro werden dazu in den Haushalt 2006 eingestellt. "Diese Summe ist
bestens als Marketing-Maßnahme für die Stadt angelegt", urteilte
Hans Günter Sax unter Zustimmung seiner Ausschusskollegen.
Mit Unterstützung von Dr. Gerhard Lehrberger vom Lehrstuhl für Ingenieurgeologie
an der TU München hat das Kulturamt einige Vorschläge erarbeitet,
wie man dem großen Straubinger Mathias von Flurl mit verschiedenen Angeboten
gerecht werden könnte. "Dabei haben wir bewusst keine Ausstellung
im klassischen Sinn ins Auge gefasst, weil erst vor zehn Jahren eine umfangreiche
Flurl-Ausstellung im Gäubodenmuseum zu sehen war", so Dr. Lehrberger.
Stein und Geologie in Bayern
Unter dem Motto "Ein Straubinger gründete die Geologie in Bayern"
könne man sich Flurl auf unterschiedlichste Weise nähern, erklärten
Lehrberger und Kulturamtsleiter Johannes Burgmayer und hatten gleich eine Liste
interessanter Vorschläge parat: Ein Steinkonzert mit Professor Klaus Fessman,
eine Ausstellung über Geotope in Bayern, Kunst mit Steinen, die Fotoausstellung
"GeoArt" von Bernhard Edmaier, Vorträge, Exkursionen, Lesungen,
ein Donaukiesel-Projekt, Themenführungen, schulische Angebote und mehr.
Insgesamt sollten die Themen Stein und Geologie in Bayern im Mittelpunkt stehen.
Das Haus der bayerischen Geschichte würde im Rahmen seiner Publikationsreihe
zudem einen Band über Flurl veröffentlichen.
Die Ausschussmitglieder waren von den Ideen sehr angetan. Hannelore Christ regte
außerdem noch an, regionale Künstler stärker einzubinden. Professor
Dr. Kurt Naber nutzte wieder einmal die Gelegenheit, die Arbeit des Kulturamts
zu kritisieren - ihm passte es nicht, dass die Schule der Phantasie mit einem
Kunstprojekt in den Programmvorschlag aufgenommen worden war.
Gedenktafel für Vertriebene
Dem Bund der Vertriebenen wurde erlaubt, eine Gedenktafel für die Heimatvertriebenen
am Rathaus zu befestigen. Nicht zuletzt möchte man dadurch der Stadt für
die Aufnahme vieler Heimatvertriebener danken. Als alternativen Standort hätten
einige Stadträte lieber das Ehrenmal am Pulverturm gesehen, um sich selbst
damit nicht den Zwang aufzuerlegen, andere Gedenktafeln ebenfalls am Rathaus
zu befestigen. Mit vier zu drei Stimmen fiel die Entscheidung für eine
Befestigung der Tafel an derAußenmauer beim Bürgerbüro.- ola
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Die Mitglieder des Kulturausschusses waren beeindruckt von den wertvollen Fresken,
die sich unter dicken Farbschichten an der Decke der Bibliothek im Karmelitenkloster
verbergen. Jetzt sollen die Malereien von Melchior Steidl freigelegt und restauriert
werden.
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