Straubinger Tagblatt - 24. März 2005
Speisenweihe und Osterfeuer
Unterschiede im katholischen und evangelischen Glauben
Ostern feiern katholische wie evangelische Christen. Dennoch gibt es beispielsweise
beim Ostergottesdienst unterschiedliche Traditionen. Pater Felix von den Karmeliten
und Pfarrerin Elke von Winning erklären unterschiedliche Bräuche:
Den Ostertraditionen vorausgehend sind die der Fastenzeit, erklärt Pater
Felix. Die Vorbereitung auf die eigentliche Osterzeit beginne mit dem Palmsonntag:
"Würde Stoiber die Wahl gewinnen, dann mit dem Radl nach Berlin fahren
und sein Fanclub ihm zuwinken" - derart müsse man sich die Situation
vor etwa 2 000 Jahren vorstellen, als Jesus auf dem Esel von Menschen freudig,
mit Palmzweigen winkend, empfangen wurde.
Die katholische Tradition des Osterfeuers sei als Symbol für "vom
Dunkel ins Licht"-Gehen zu verstehen. Gleiches gelte für die Taufe:
Taufe sei der wichtigste Schritt ins Leben und habe einen Weg-Charakter. Obwohl
Tod und Leben eigentlich Gegensätze darstellten, würden sie an Ostern
verbunden. Das mache das Osterfest zum wichtigsten im Kirchenkalender - und
das für evangelische sowie für katholische Christen, erläuterte
Pater Felix. Selbst, wenn manche der Meinung sind, dass in der katholischen
Kirche zu viel Symbolhaftes existiere, werde der Mensch dadurch ganzheitlich
angesprochen und nicht ausschließlich auf der intellektuellen Ebene. "Luther
war eben ein Professor", schmunzelt er.
Persönlich feiere er Ostern sehr gern: "Da merke ich richtig, dass
es mir gut geht." Und natürlich verfolgen die Patres in der klösterlichen
Gemeinschaft den päpstlichen "Urbi et Orbi"-Segen.
An Ostern gingen die Menschen vom Dunkel ins Licht, von den Fesseln in die Freiheit,
erklärt die evangelische Pfarrerin Elke von Winning. Als Mutter von sechs
Kindern verstecke sie gerne Ostereier. Dennoch beginne Ostern für sie erst
mit dem Ostergottesdienst. Daher werde vorher weder im Haus noch im Garten österlich
dekoriert. Nur Frühjahrsschmuck sei für sie erlaubt. Allerdings bereite
sie gerne Osterbrot oder Osternester aus Hefeteig.
Nach der feierlichen Osterliturgie gebe es dann in der Regel ein gemeinsames
Frühstück. Im Gegensatz zu der katholischen Messe, gebe es keine Speisenweihe.
"Das gehört für mich eher zum Erntedank und erinnert mich an
alte Fruchtbarkeitskulte", erklärt sie. Die Lehre Luthers sei eine
des Wortes, weniger der Tradition und der Symbole. Deshalb würden auch
Osterkerzen nicht selbst gebastelt - bis vor kurzem "gab es nicht mal Osterkerzen".
Im Gottesdienst finde sich auch keine Lichtmesse und kein Osterfeuer.
Allerdings sei Ostern immer eine schöne Gelegenheit, Taufen abzuhalten
und sein Taufversprechen zu erneuern. Auch das Abendmahl werde gefeiert. Die
(katholische) Tradition des Osterlamms deutet sie so: Christus wurde als Lamm
geopfert und hat den Tod besiegt. Deshalb trage das Osterlamm in der Regel die
Siegesfahne. - eli -
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