Straubinger Tagblatt - 02. Juli 2005

Verkündigung mit Pinsel und Farbe

Werke von Sieger Köder vom 10. bis 31. Juli zu sehen - "Ein Pfarrer, der malt"
Ausstellung im Kreuzgang des Karmelitenklosters

[bild von sieger köder]Er gilt als einer der bekanntesten christlichen Künstler der Gegenwart. Den Ausdruck Künstler mag er allerdings gar nicht. Sieger Köder sagt von sich, er sei "ein Pfarrer, der malt" und stellt auch gleich noch klar, "kein Maler, der ab und zu noch Pfarrer ist". Ausgewählte Werke des gerade 80 Jahre jung gewordenen malenden Pfarrers sind vom 10. bis 31. Juli im Kreuzgang des Karmelitenklosters zu sehen. Der Eintritt ist frei. Eine Einführung in Köders farbenfrohe "Bilder der Verkündigung" gibt es am Freitag, 8. Juli, 18 Uhr, bei der Vernissage im Karmelitenkloster und am 20. Juli, 19.30 Uhr, bei einem Vortrag in der Sparkasse.
Am 3. Januar wurde Sieger Köder 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass entstand die Idee, eine Auswahl aus seinem umfangreichen Schaffen in Straubing zu zeigen. Der inzwischen verstorbene Straubinger Mitbruder Anton Sorg war ein guter Bekannter Köders und vermittelte den Kontakt zu Bruder Elias Steffen im Straubinger Karmelitenkloster. Pater Anton hat mehrfach Meditationen zu Bildern Köders verfasst, der umgekehrt Bilder für ihn malte.
In Wasseralfingen auf der schwäbischen Ostalb geboren, ließ sich Köder nach Krieg und Gefangenschaft zum Kunsterzieher ausbilden. Bis 1965 unterrichtete er Kunst und Englich am Gymnasium, ehe er in Tübingen und München Theologie studierte und 1971 zum Priester geweiht wurde. Nach dem Vikariat in Ulm war er 20 jahre lang Pfarrer in den Ostalb-Dörfern Rosenberg und Hohenberg. Heute lebt er in Ellwangen.

Mit 40 neu angefangen

Das Zweite Vatikanische Konzil und die Begeisterung über Papst Johannes XXIII. hatten den Anstoß gegeben, mit 40 Jahren noch einmal von vorn anzufangen. Damals hörte er Vorlesungen von Joseph Ratzinger und Hans Küng ("die kamen frisch vom Konzil") und er malte. Schon während des Studiums enstand die sogenannte Tübinger Bibel. Die 49 Radierungen zur Heiligen Schrift sind bis heute eines seiner wichtigsten und bekanntesten Werke.
Köder stellt seine Arbeiten unter die Überschrift "biblischer Realismus". Inhaltlich predigten seine Bilder "eine menschenfreundliche Theologie". Nicht ohne Grund hat er deshalb mehr als 40 Kirchen gestaltet und 60 Bücher veröffentlicht.
Er weiß, dass seine Arbeiten manchmal als "süß" und "zu lieb" abgetan werden. "Vielleicht", meint er, "bin ich künstlerisch gesehen ja wirklich ein Auslaufmodell." Aber damit kann er gut leben. Sieger Köder wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bedacht. 1985 verlieh ihm der Papst den Titel Monsignore. Außerdem wurde ihm der Professoren-Titel verliehen. 1996 gestaltete er als erster deutscher Künstler das Hungertuch für die Miserior-Fastenaktion. 2003 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Salesianer-Hochschule Benediktbeuern.
Noch heute feiert Köder täglich die heilige Messe und hilft in den Gemeinden des Dekanats aus. Die meiste Zeit verbringt er aber in seinem Atelier, das er in einem kirchlichen Kinder- und Jugenddorf, fünf Gehminuten von seiner Wohnung entfernt, eingerichtet hat.

"Male für Gemeinde"

Sieger Köder macht um seine Person wenig Aufhebens. Die Bezeichnung Künstler hört er nicht gern. Er will mit seinen Arbeiten der Verkündigung dienen. "Ich male vor allem für eine gläubige Gemeinde", sagt er. Das Malen und die Theologie waren in seinem Leben stets präsent und aufeinander bezogen.
H. Neutzner aus Rainau/Ellwangen ist ein Freund und Kenner der Bilder des schwäbischen Maler-Pfarrers. Er wird die Ausstellung am Freitag, 8. Juli, 19.30 Uhr, im Karmelitenkloster mit einem Vortrag eröffnen. Eine weitere Gelegenheit, in die Bilder von Sieger Köder einzutauchen, besteht am Mittwoch, 20. Juli, 19.30 Uhr, im Sparkassensaal. Pater Theo Schmidkonz SJ interpretiert dann in einem Vortrag Bilder Köders.
Die Ausstellung "Bilder der Verkündigung" im Kreuzgang des Karmelitenklosters ist vom 10. bis 31. Juli zu sehen, täglich außer Sonntag von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr. Schulklassen, Bibelkreise, Pfarrgruppen etc. werden gebeten, sich rechtzeitig im Kloster anzumelden (Tel. 09421/84370). -mon-

Redaktion: lokal am 02. Juli 2005