Straubinger Tagblatt - 11. Juli 2005
Die frohe Botschaft in Bildern verkündet
Über Bilder mit Gott ins Gespräch kommen
Werke des schwäbischen Malers und Priesters Sieger Köder bis 31. Juli zu sehen
Ausstellung im Kreuzgang des Karmelitenklosters eröffnet
Er
ist ein farbgewaltiger Prediger, der die frohe Botschaft in seinen Bildern verkündet:
Der schwäbische Maler und Priester Sieger Köder gilt als einer der
bekanntesten christlichen Künstler der Gegenwart. Anlässlich seines
80. Geburtstages ist es den Karmelitenpatres nun gelungen, eine Ausstellung
mit einem beeindruckenden Querschnitt seiner Werke im Kreuzgang ihres Klosters
zu präsentieren. Bis 31. Juli können sich Besucher hier von der Farb-
und Aussagekraft der "Bilder der Verkündigung" überzeugen.
Zwar ohne den Künstler selbst, aber mit einem lebhaften einführenden
Vortrag von Herbert Neutz ner, einem Freund und Kenner seiner Bilder, wurde
die Ausstellung am Freitagabend offiziell eröffnet.
Eine Ausstellung in den Räumen der Karmeliten sei nicht alltäglich, bekannte Prior Pater Georg bei der Begrüßung der Gäste. Den Kontakt zwischen Sieger Köder und den Straubinger Patres habe schon vor längerer Zeit der inzwischen verstorbene Mitbruder Anton Sorg hergestellt, der ein guter Bekannter Köders war. Er hofft nun, dass viele Straubinger die Gelegenheit nutzen, sich die farbenfrohen Bilder anzusehen. Bürgermeister Hans Vicari würdigte das Engagement der Karmelitenpatres, die nicht nur in seelsorgerischer Hinsicht segensreich für Straubing und die Region wirkten, sondern auch die Künste förderten.
Es habe ihm eine große Freude bereitet zu sehen, wie ursprünglich das Leben im hiesigen Karmelitenkloster noch ist, erklärte Herbert Neutzner. Er war extra aus Rainau/Ellwangen in Schwaben angereist, um die interessierten Straubinger in das Werk seines Freundes Sieger Köder einzuführen und ihnen dessen besten Grüße zu überbringen.
Schwabe, Maler, Pfarrer
"Schwabe,
Maler, Pfarrer." Wenn man Sieger Köder kennzeichnen wolle, so Neutzner,
dann am besten mit diesen Worten und in genau dieser Reihenfolge. Geboren und
aufgewachsen in Wasseralfingen in der schwäbischen Ostalb hätten Sieger
Köder ("Eigentlich heißt er Siegfried, weil seine Mutter die
gleichnamige Wagner-Oper sehr liebte. Doch er mochte diesen Namen nie und hat
sich umgenannt.") Krieg und Gefangenschaft zutiefst geprägt. Das merke
man auch an seinen Bildern, in denen er diese Zeit immer noch verarbeite. In
seiner Zeit als Englisch- und Kunstlehrer habe er daraufhin in vielen jungen
Menschen das Fundament gelegt, sich von Hass und Gewalt abzuwenden.
Erst mit 40 Jahren habe sich Sieger Köder entschieden, Theologie zu studieren.
Zwar habe er schon früher christliche Bilder gemalt, aber dieser Entschluss
sei die Geburtsstunde des Künstlers gewesen. "So ist er zu dem farbgewaltigen
Prediger geworden, der er heute ist." Dabei sei es ihm nie wichtig gewesen,
ästhetische Bilder zu malen, die die Menschen ansprechen: "Er will
vielmehr, dass die Bilder zu den Menschen sprechen, damit sie mit Gott ins Gespräch
kommen", erklärte Neutzner. Für viele Christen weltweit seien
die Bilder Begleiter auf ihrem Glaubensweg geworden. Bei allen Ehrungen, die
er im Laufe seines Lebens erhalten habe - unter anderem den Titel des Monsignore
und des Professors sowie einer Ehrendoktorwürde - sei Sieger Köder
aber stets ein einfacher Mensch und Priester geblieben.
Rose als beliebtes Motiv
Die Ausstellung im Karmelitenkloster sei ein schöner Querschnitt des
umfangreichen Schaffens von Sieger Köder, sagte Neutzner. So fänden
sich neben den religiösen Motiven auch Landschaften seiner Heimat und bunte
Harlekins. Ein immer wiederkehrendes Motiv in den Bildern des Pfarrers sei das
Motiv der Rose. "Sie ist die schönste Blume unter allen und ist für
Sieger Köder Symbol für die unendliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes.
Man kann Blatt für Blatt abbrechen, doch seine Güte ist nie zu Ende."
Auf keinem der Bilder zu finden ist hingegen der auferstandene Jesus Christus.
"Er ist für uns alle schließlich erst am Ende unseres Lebens
sichtbar. Sieger Köder lässt ihn uns nur durch die Augen von Zeugen
seiner Auferstehung sehen, zum Beispiel durch die von Maria von Magdala oder
des Heiligen Petrus."
Wegen der intensiven Farbigkeit seiner Werke wird Sieger Köder oft als "schwäbischer Chagall" bezeichnet. Diesen Vergleich will Herbert Neutzner jedoch nicht gelten lassen. "Sieger Köder hat einen ganz eigenen Stil und seine Bilder haben eine viel tiefere religiöse Bedeutung." Er wünschte sich ebenso wie Prior Pater Georg, dass die kommenden Tage viele Menschen in das Karmelitenkloster kommen und die farbenfrohen Bilder auf sich wirken lassen.
Viel Applaus erntete die "Straubinger Geigenmusik" unter der Leitung von Elfriede Pollety, die die Ausstellungseröffnung stimmungsvoll mit irischen Volksliedern und Weisen umrahmte. Bis 31. Juli sind die "Bilder der Verkündigung" nun im Kreuzgang des Karmelitenklosters zu sehen, täglich außer Sonntag von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Schulklassen, Bibelkreise, Pfarrgruppen und so weiter werden gebeten, sich rechtzeitig im Kloster unter Telefon 09421/84370 anzumelden. - cla -
Redaktion: lokal
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