Straubinger Tagblatt - 18. Juli 2005

Karmeliten feierten Ordenshochfest

"Immer Sonnenschein macht Wüste"

Windberger Abt Hermann-Josef Kugler war Festprediger beim Skapulierfest Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen. Und seit dem Heiligen Simon Stock am 16. Juli 1251 die Gottesmutter erschienen ist, wird dieser Tag im liturgischen Kalender als "Skapulierfest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel" aufgeführt. Seit ihrer Gründerzeit haben sich die Karmeliten unter den besonderen Schutz der Gottesmutter gestellt und feierten deshalb zu Ehren Mariens ihr Ordenshochfest. In seiner Festpredigt zum Skapulierfest ermunterte der Windberger Abt Hermann-Josef Kugler die Gläubigen, die Wüsten ihrer Mitmenschen durch Glaubensfreude zum Leben zu bringen.
Nach dem festlichen Einzug unter Orgel- und Trompetenklängen entbot Prior P. Georg Bertram dem Prämonstratenserabt Hermann-Josef Kugler aus Windberg einen herzlichen Willkommensgruß. Dieser stellte fest, dass für die Prämonstratenser und die Karmeliten auf alle Fälle durch das Skapulier und die Verehrung Mariens eine Verbindung hergestellt sei. In seiner Festpredigt nahm Abt Hermann-Josef einen Dokumentarfilm über die Wüste als Einstieg. Er sei fasziniert von dem Naturschauspiel gewesen, als Regen in die Wüste fiel und sie sich in kürzester Zeit in ein Paradies des Lebens und der Fruchtbarkeit verwandelt habe. Auch bei Menschen gebe es Wüstenzeiten, in denen "alles erloschen" erscheine.

 

Zelebrierten gemeinsam den Festgottesdienst zum Ordenshochfest am Altar der Karmelitenkirche: v.l. Pater Englmar Reiner, Pater Theo Vreeswijk, Prior Pater Georg Bertram, Abt Hermann-Josef Kugler von der Prämonstratenserabtei Windberg, Bruder Elias Steffen, Pater Viktor Harke und Pater Rainer Fielenbach.

"Große innere Wüsten"

"Es gibt die Wüste der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen", zitierte Abt Hermann-Josef Papst Benedikt XVI. bei dessen Amtseinführung. Die äußeren Wüsten würden wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden seien. "Menschen sind ausgebrannt, orientierungslos, vertrauen zu sehr auf sich selbst und auf irdisches Glück", gab der Abt zu Bedenken. "Immer Sonnenschein macht die Wüste", meinte der Prediger und wies darauf hin, dass immerwährendes Glück nicht innerlich zufrieden machen kann. Das Leben Jesu zeige uns, dass er die Wüsten der Menschen zum Blühen brachte: Er heilte Kranke und zeigte schuldig gewordenen Menschen neue Lebenschancen. Mit aufmunternden Worten bestärkte Abt Hermann-Josef seine Zuhörer "die Wüsten ihrer Mitmenschen neu zum Blühen zu bringen". Dies könnte durch ein gutes Wort, eine helfende Hand oder eine heilende Geste geschehen. "Bereits wenn wir Glaubensfreude in die Welt ausstrahlen lassen, kann schon Gutes bewirkt werden", resümierte der Abt.

Zuspruch hilft jedem Menschen

In diesem Zusammenhang dankte er den Karmeliten von Straubing dafür, dass sie seit Jahrhunderten die guten Kräfte in den Menschen durch ihre Seelsorge weckten und unterstützten. Ohne Zuspruch gedeihe nichts. Und ein Zuspruch, der von Herzen komme, helfe jedem Mitmenschen. "Jesus befreit aus allen Verstrickungen und wir können dabei mithelfen, wenn wir die Wüsten der Menschen zum Blühen bringen", schloss Abt Hermann-Josef Kugler seine Predigt. Gemeinsam mit Pater Rainer Fielenbach, Pater Viktor Harke, Bruder Elias Steffen, Prior Georg Bertram, Pater Theo Vreeswijk und Pater Englmar Reiner am Altar und den Gläubigen im Gotteshaus feierte Abt Hermann-Josef Kugler Eucharistie.
Den musikalischen Bestandteil der Liturgiefeier gestalteten Martin Schwendke an der Orgel sowie Sebastian Ottowitz (Mallersdorf) mit der Trompete gemeinsam mit dem Volksgesang. Am Nachmittag wurde der große Festtag der Karmeliten mit einer großen Marienfeier abgeschlossen. - ih -

 

Das Karmelskapulier

Bereits im Mittelalter suchten die Gläubigen oft Anschluss an die damals neu entstandenen verschiedenen Ordensgemeinschaften. Es bildeten sich sogenannte Laienbruderschaften, auch "Dritte Orden" genannt, die den eigentlichen Orden assoziiert wurden. Die Karmeliten waren wie viele andere Ordensgemeinschaften bestrebt, den Laien ein Zeichen ihrer Angliederung an den Orden und der Teilhabe an dessen Geist und Apostolat in die Hand zu geben. Dies geschah in Form eines auf Kleinformat zugeschnittenem Skapuliers (Überwurf über Brust und Rücken der Mönchstracht). Es sollte Zeichen der Zugehörigkeit zum Orden und Ausdruck der Teilhabe an seiner Spiritualität sein. Dabei steht das Skapulier für die Bereitschaft zur Nachfolge Jesu nach dem Vorbild Marias: Zeichen christlichen Glaubens und christlichen Engagements.
Das Skapulier wird nur einmal von einem Geistlichen oder seinem Beauftragten aufgelegt und kann durch das Tragen einer Herz-Jesu- Marien-Medaille ersetzt werden. Sein Träger verpflichtet sich zu einem christlichen Leben nach dem Evangelium, geht zu den Sakramenten und verehrt in besonderer Weise die Gottesmutter, nicht zuletzt im täglichen Gebet.
Auch in Straubing haben sich gläubige Männer und Frauen unter dem Karmelskapulier zusammengeschlossen. Sie vertrauen damit auf den Schutz und die Fürsprache Marias sowie auf die Hoffnung auf ein ewiges Leben mit Gott.
- ih -