Straubinger Tagblatt - 22. Juli 2005
"Prediger in farbgewaltigen Bildern"
Schwäbischer Malerpriester beeindruckt Menschen mit seinen aussagekräftigen Werken
Besprechung der Arbeiten von Sieger Köder im Sparkassensaal
Die Bilder Sieger Köders sind unverkennbar - wer sie einmal gesehen hat, wird immer wieder Bildsprache, Gesichter und Aufbau seiner Werke erkennen. Verschiedene seiner Arbeiten zu christlichen Themen sind momentan im Karmelitenkloster ausgestellt. Um Interessierten die kreative Sprache Sieger Köders näher zu bringen, fand am Mittwochabend im Sparkassensaal eine Besprechung seiner Bilder statt.
Als Referent konnte kurzfristig Herbert Neutzner aus Ellwangen gewonnen werden, der für den erkrankten Pater Theo Schmidkonz einsprang. Neutzner gilt als sehr guter Kenner der Werke des "schwäbischen Malerpriesters" und eröffnete auch die Ausstellung im Karmelitenkloster. "Köder ist ein großartiger und begnadeter Seelsorger" sagte Neutzner gleich zu Anfang seines Vortrags, während er kurz auf die Lebensgeschichte des Malers und Priesters Köder einging. Aufgewachsen in der Zeit des Nationalsozialismus, fand der nun 80-jährige ehemalige Kunsterzieher Trost im Glauben und "daher rührt auch seine Beschäftigung mit Gott und Christus".
Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und dessen Themen entschloss sich Köder 1965 Priester zu werden. "Er ist ein Mann und Maler des Konzils", so Neutzner. Mit ausdrucksgewaltigen Bildern verarbeitet Köder die Themen des Konzils: Mensch, Gott, Christus, Kirche. Vor allem geht es ihm auch um die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche, was er immer wieder mit Miriam, der Schwester des Moses, in seinen Werken zeigt. "Die Frau in der heutigen Kirche geht mutig voran und hat ein großes und wichtiges Selbstbewusstsein." Auch die leidenden Erdteile klammert der Priester nicht aus, er malt Vertreter dieser Länder oftmals als Empfänger von Brotgaben und mit verbundenen Händen, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen. "Dies signalisiert, dass die Ärmsten der Armen unsere Hilfe brauchen", betonte Neutzner.
Ein weiteres wichtiges Thema Köders ist natürlich Gott selbst. "Das Geistwesen Gott können wir nur durch Sprache und Bilder begreifen." Der Maler versuche, dem Betrachter seiner Arbeiten Gott durch Bildsprache näherzubringen. "Manchmal ist Gott in seinen Werken die hebende Hand aus der Finsternis oder der Fels, auf dem die Arche ruht", erklärte Neutzner.
Vor allem in den Weihnachtsbildern ginge es dem Maler darum, die leise Stimme Gottes den Menschen näher zu bringen. Als Zeichen des Herrn verwende Köder oft den brennenden Dornbusch, der genauso wie die Liebe Gottes nie verbrenne.
Rose als Zeichen
"Köder drängt uns nicht seine Sicht auf, sondern lässt uns durch seine Bilder das Wort Christi erfahren", erläuterte Neutzner. Die farbenfrohen Bilder ließen einen hineinschauen in eine andere Wirklichkeit. Vor allem das Wesen der Rose lasse Köder nie los.
"Es ist ein wichtiges Gestaltungsmittel des Künstlers und repräsentiert Gott." Man könne von dieser Blume schier endlos Blatt für Blatt abbrechen. "Genauso verhält es sich mit der Liebe Gottes zu den Menschen. Wir können ebenso darauf hoffen, dass seine Zuneigung zu uns nie zu Ende geht." - dia - |