03/04. Dezember 2005 - Straubinger Tagblatt
"Gibt es in Bethlehem bald keine Christen?"
Pater Rainer Fielenbach war im Oktober drei Wochen in Bethlehem - Endlose
Schikanen
Foto- und Krippenausstellung bei den Karmeliten
Josef Unterholzner

Beeindruckende Bilder aus Bethlehem werden im Rahmen der Verkaufsausstellung
mit Arbeiten von Bethlehemer Schnitzerfamilien im Karmelitenkloster gezeigt.
"Eine acht Meter hohe Mauer macht aus der Stadt ein Open-air-Gefängnis",
klagt Pater Rainer Fielenbach, der im Oktober drei Wochen im Heiligen Land war.
Fotos: P. Rainer Fielenbach
Wie in den vergangenen drei Jahren kann man auch heuer wieder im Advent im
Karmelitenkloster wunderschöne Schnitzereien und Wein aus Bethlehem bewundern
und kaufen. Damit werden 40 Schnitzerfamilien in Bethlehem unterstützt,
denen durch die Vertreibungspolitik der Israelis nahezu die Lebensgrundlage
entzogen wird. Mit einer Fülle von Eindrücken ist Pater Rainer Fielenbach,
der die Ausstellungen organisiert, von einer dreiwöchigen Reise ins Heilige
Land zurückgekehrt.
Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Zukunft würden seit über
fünf Jahren den Alltag der Menschen in Bethlehem und ganz Palästina
bestimmen, berichtet Pater Rainer Fielenbach. Nach fünf Jahren der Abriegelung
von der Außenwelt sei die Arbeitslosigkeit in der Geburtsstadt Jesu auf
rund 75 Prozent gestiegen. Wegen der schier endlosen Schikanen durch die israelische
Armee würden kaum mehr Pilger und Touristen die Stadt besuchen. Die meisten
Geschäfte bleiben geschlossen. Bis vor fünf Jahren habe Bethlehem
fast ausschließlich von den Pilgern und Touristen gelebt. Die Abschottung
durch den Bau der acht Meter hohen Mauer bedeute für die Stadt eine wirtschaftliche
und menschliche Katastrophe. "Viele Familien können das Schulgeld
für ihre Kinder an den christlichen Schulen und der Universität nicht
mehr bezahlen", macht Pater Rainer deutlich.
"Ein großes Gefängnis"
Seit zwei Jahren werde rund um Bethlehem an der Mauer gebaut. Ohne die Erlaubnis
der israelischen Regierung dürfe kein Bethlehemer mehr die Stadt verlassen.
"Bethlehem ist zu einem großen Gefängnis geworden", berichtet
Pater Rainer.
Allein bei Bethlehem fresse die Mauer 18 000 Hektar palästinensisches Land
und trenne 380 Grundstücksbesitzer von ihren Bäumen und ihrem Land.
"Wird den israelischen Plänen nicht Einhalt geboten, wird das Open-air-Gefängnis
nur noch durch drei Tore zugänglich sein."
Nicht abschrecken lassen
Von Not und Hoffnungslosigkeit betroffen seien in besonderer Weise auch die
Familien der Olivenholzschnitzer, die fast ausnahmslos Christen seien, erklärt
Pater Rainer. Die meisten würden trotz geringer Absatzmöglichkeiten
weiter ihre Krippen fertigen in der wagen Hoffnung, dass sich vielleicht doch
noch Pilger nach Bethlehem verirren. Pilger und Touristen sollten sich gerade
von der derzeitigen Situation nicht abschrecken lassen. "Wer kann, der
sollte jetzt nach Bethlehem fahren. Das würde den Menschen dort am allermeisten
helfen."
Über 5 000 Christen hätten in den vergangenen fünf Jahren Bethlehem
verlassen und seien zu ihren Verwandten in aller Welt ausgewandert. Andere würden
ganz bewusst bleiben und weiter Zeugnis für ihren christlichen Glauben
am Geburtsort Jesu geben.
Um in dieser Resignation und Hoffnungslosigkeit wenigstens 40 christlichen Familien
einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben, bietet das Karmelitenkloster auch
heuer wieder die Arbeiten der Bethlehemer Schnitzer zum Kauf an. "Die Schnitzerfamilien
wollen nicht um Spenden betteln, sondern mit ihrer Arbeit Geld verdienen",
betont Pater Rainer. Durch den Kauf der schönen Schnitzereien würdige
man die Arbeit dieser Menschen, gebe ihnen ein Stück Selbstwert und sichere
ihr Überleben für einige Zeit.
Sich solidarisch zeigen
Angeboten werden wertvolle geschnitzte Krippen, Kleinkrippen, moderne Schnitzarbeiten
von biblischen Motiven, Christbaumanhänger, Kreuze und vieles mehr. "Da
auf politischer Ebene im Heiligen Land leider keine Änderungen zu erwarten
sind, bleibt uns nur dieser Weg, unseren Mitchristen zu helfen und ihnen unsere
Solidarität zu zeigen", unterstreicht Pater Rainer.
Da die Hilfsaktion heuer zum fünften Mal durchgeführt wird, haben
die Bethlehemer Schnitzer als Dank einige ihrer Arbeiten als Preise für
ein Quiz zur Verfügung gestellt. Als ersten Preis gibt es eine komplette
geschnitzte Krippe im Wert von 200 Euro.
Der beliebte Cremisan-Wein aus Bethlehem ist auch heuer wieder im Angebot. In
der kommenden Woche soll die neue Lieferung eintreffen. Auch die sehr begehrten
Scherbenengel sind wieder erhältlich. Die Foto-Ausstellung "Impressionen
aus Bethlehem" der Kölner Fotografin Christel Plöthner begleitet
die Aktion mit eindrucksvollen Bildern.
Pfarrgemeinden und Gruppen, die im Advent einen eigenen Verkauf in Kommission
organisieren wollen, können sich bei Pater Rainer melden (Telefon 09421/843-713,
Fax: 09421/843-735, E-Mail: Karmel.
Straubing@t-online.de).
Die Ausstellung in der Aula des Karmelitenklosters, Albrechtsgasse 20, ist bis
22. Dezember täglich von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr
geöffnet.- fun - |