Straubinger Tagblatt - 27. Dezember 2005

"Kein Mensch darf einfach verloren gehen"

Nicht Hass und Gewalt ist den Menschen von Natur aus mitgegeben, sondern die Liebe

Festliche Christmette in der Karmelitenkirche

An Weihnachten feiern Menschen rund um den Globus die Geburt Jesu. In vielen Wohnzimmern wird ein Tannenbaum aufgestellt und mit Kerzen und Christbaumkugeln geschmückt. Am Heiligen Abend werden auch meist Geschenke zwischen Familienmitgliedern und Freunden ausgetauscht. Warum aber feiert man Weihnachten gerade so?, fragten die Karmelitenpatres in der feierlichen Christmette am 24. Dezember. Jedes einzelne Weihnachtsdetail habe Symbolkraft und zeige dem Christen eine Brücke zu Gott auf.
Der Tannenbaum mache den Christen darauf aufmerksam, dass es auch im kältesten Winter noch Leben gebe, das diese tote Jahreszeit überdauern kann. Die Kerzen erhellten die finstere Nacht und brächten Licht und Hoffnung in schlechteren Zeiten, so dass der Mensch immer seinen Weg finden möge. Die Geschenke schließlich stünden für die Liebe, mit der Gott den Menschen seinen Sohn schenkte.
"Heute ist euch der Retter geboren." Diese frohe Nachricht sei die alles bedeutende Weihnachtsbotschaft, betonte der Prior der Karmeliten, Pater Georg Bertram, in seiner Predigt. Erreiche diese Botschaft aber auch alle Herzen als frohmachende Nachricht? Die Menschen sehnten sich nach einer guten Botschaft, die Hoffnung schöpfen lasse, sagte Pater Georg Bertram. Sie hätten solch eine Botschaft auch nötig, denn was sei zu tun, wenn man den Arbeitsplatz verliere, Krankheit über einen herrsche oder Beziehungen zerbrächen? Könne diese 2 000 Jahre alte Botschaft den Härtetest von Jammer und Kummer standhalten? "Ja, sie ist tief genug, dass sie sich gegen jede Notlage stemmen kann", betonte Pater Georg Bertram.

Sehnsucht nach wahrem Leben

Sie allein sei eine Gegenkraft zu dem wieder stärker anwachsenden Hunger in der Welt und den zunehmenden Selbstmordattentaten, Entführungen und Terror im allgemeinen. Diese eine Botschaft "Der Retter ist euch heute geboren" könne sich dem entgegenstellen. Durch dieses Kind ziehe Frieden und Ruhe ein. Als Zeichen des Friedens in der Heiligen Nacht stand vor dem Altar in der Karmelitenkirche das Friedenslicht aus Bethlehem. Trotz oder gerade in einer voll technologisierten Welt könnten Menschen leicht aus dem vorgegebenen Raster fallen und verschwinden, so Pater Georg. "Aber kein Mensch darf einfach verloren gehen." Die einzige Kraft zu diesem aufwändigem Ziel könne die Weihnachtsbotschaft übermitteln, denn Licht und Leben kämen nicht von irgendwo her, sondern vom Kind in der Krippe.
Jeder sehne sich nach einem echten, wahrhaftigen Leben. Es müsse doch mehr auf der Welt geben als Erfolg und Misserfolg, Gesundheit und Krankheit, Glück, Kummer und Sorgen. Wo aber sei das wahre Leben, wo das Licht?, fragte er. Allein das kleine Kind in der Krippe sei der Grund und auch das Mittel der frohen Weihnachtsbotschaft: "Denn Gott ist dadurch Mensch geworden, er lebt mit uns, kann uns zur Seite stehen und er weiß, wie uns zu Mute ist." Deshalb sei es die Botschaft aus einer alten Zeit, die auch für diese neue Zeit immer noch gültig sei. Dies sei die alles entscheidende Nachricht.

Bleibt die Botschaft fremd?

"Bleibt uns diese frohe Botschaft aber nicht auch irgendwie fremd?", fragte Pater Georg. Das Kind enthülle den Christen, dass es nicht Hass und Gewalt sei, die den Menschen mitgegeben wurde, sondern die Liebe. So sei diese Botschaft fremd und leise, aber verlässlich wie die Liebe Gottes. Deshalb mache diese Botschaft Weihnachten zu einem Ereignis, das das Leben befreie und anders mache. "Ist das nicht eine wahrhaft gute und frohe Botschaft?", schloss Pater Georg. Für den festlich musikalischen Rahmen der Christmette in der vollbesetzten Kirche sorgten Mitglieder des Kammerchors Straubing und des Collegium Musicum. Unter Leitung von Gerold Huber führten sie "Missa brevis in B" von Wolfgang Amadeus Mozart und Marianus Königsbergers "Pastorella" in F-Dur auf. -jul-