Straubinger Tagblatt - 15. März 2006

Pater Englmar Reiner feiert 50-jähriges Priesterjubiläum

Mit Gottvertrauen, Realismus und Humor

In der Seelsorge sieht Pater Englmar Reiner eine seiner Hauptaufgaben. Die Beichte und das persönliche Gespräch mit Gläubigen und Zweifelnden liegen dem 77-jährigen Karmelitenpater besonders am Herzen. Am kommenden Wochenende feiert er sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Aus diesem Anlass findet am Sonntag um 10 Uhr ein festlicher Dankgottesdienst in der Karmelitenkirche statt. Es predigt Provinzial P. Christian Körner O.Carm. aus Bamberg. Um 14.30 Uhr schließt sich eine gesungene Vesper in der Kirche an. Nochmals vor die Entscheidung gestellt, würde er diesen Lebensweg wieder gehen, sagt Pater Englmar Reiner rückblickend. Mehr als ein halbes Jahrhundert Dienst am Menschen und im Namen Gottes haben sein Leben ausgefüllt und reich gemacht. "Wenn der Herrgott zu dir einmal ja gesagt hat, dann packst du vieles", weiß Pater Englmar aus Erfahrung. Sein Leben sei, wie er vor einigen Jahren einmal versicherte, im Wesentlichen so verlaufen, wie er es sich vorgestellt habe. Aus heutiger Sicht sagt er, sei er Mönch geworden, weil Gott ihn gesucht und etwas mit ihm vorgehabt habe. Aufgewachsen ist Pater Englmar Reiner mit sieben Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof in St. Egidi bei St. Englmar. In Bamberg lernte er später Karmeliten kennen. Nach anfänglichem Zögern fand er Gefallen an der Spiritualität der Ordensgemeinschaft und der Art, wie Karmeliten mit Menschen umgehen. 1951 legte er seine Profess ab, studierte Theologie und begann 1956 seinen priesterlichen Dienst. Im Straubinger Karmelitenkloster ist er längst zu einer Institution geworden.
Über 20 Jahre war Pater Englmar Leiter des Straubinger Karmelitenseminars Josephinum. Die Arbeit mit den Seminaristen, mit Theologiestudenten und Novizen hat ihn jung gehalten und zuversichtlich gemacht. Er vermittelte Verantwortungsbewusstsein und Nächstenliebe als Prinzipien gegen Frust und Pessimismus. Die Seminaristen schätzten ihn als "strengen Chef" und väterlichen Wegbegleiter, dem sie auch stets ihre Sorgen anvertrauen konnten. In der Begegnung mit jungen Menschen habe er selbst auch viel gelernt, bilanziert Pater Englmar. Und wenn er heute ehemalige Schüler trifft, die ihren Weg gemacht haben, spürt er dankbar, dass Gott seinen Rat auf fruchtbaren Boden fallen ließ.
Neben seinem seelsorgerischen Gespür zeichnet Pater Englmar auch sein enormes Fachwissen um Geschichte und Architektur des Karmelitenklosters aus. In den vie-len Gemälden und sakralen Gegenständen sieht er Mittel zum Ausdruck und der Vermittlung geistigen und geistlichen Lebens. Deswegen sind ihm deren Erhalt ein großes Anliegen.
Im Jahr 2001 wurde Pater Englmar für seine vielfältigen Verdienste um Seelsorge und Kloster von Bischof Manfred Müller der Ehrentitel "Bischöflich Geistlicher Rat" verliehen. Begleitet von dem Vers "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat" aus dem Psalm 103 lädt Pater Englmar alle Gläubigen ein, mit ihm am Sonntag sein Priesterjubiläum zu feiern. - wes -