Straubinger Tagblatt – 25.03.2006
Das Grab von Herzog Albrecht II.
Kunsthistorische Untersuchung des Tumbengrabs in der Karmelitenkirche
Eine detaillierte kunsthistorische Studie zu den Tumbengrabmälern
für Herzog Albrecht II. in der Karmelitenkirche und für
Pfalzgraf Aribo I. von Bayern in der Klosterkirche Seeon durch Rainer
Alexander Gimmel stellt mit rund 320 Seiten den Mittelpunkt des
neuen Jahresberichts des Historischen Vereins dar. Auch durch neueste
Erkenntnisse und Untersuchungen kann aber der Name des Bildhauers
der beiden Gräber nicht nachgewiesen werden.
Ausgangspunkt und zentraler Gegenstand der Arbeit ist das rotmarmorne
Tumbengrabmal Albrechts II. im Chor der Karmelitenkirche. Der Gesamtaufbau
sowie die herausragende handwerkliche Ausarbeitung der Deckplatte
mit der Figur des Verstorbenen unterstreiche, dass es sich hier
um eine der bedeutendsten spätgotischen Bildhauerleistungen
handelt, berichtet der Autor Rainer Alexander Gimmel. Untersucht
und gedeutet werden der Aufbau des Grabmals, die Komposition der
Deckplatte und die plastische Gestaltung der Reliefs.
Der Albrechtstumba sei eine komplexe Ikonographie zu Eigen. Das
Material unterstütze die Ikonographie, in deren Mittelpunkt
das friedvolle Ruhen der Seele Albrechts mit dem Hinweis auf das
jenseitige Leben stehe. Die Veranschaulichung des diesseitigen Lebens
trete zurück. Alleine das Herzogsamt werde als etwas Dauerhaftes
gezeigt. Schon das komplexe theologische Programm der Albrechtstumba
lege nahe, den geistlich geprägten Bruder Albrechts als Auftraggeber
anzunehmen. Die Auftragserteilung sei wohl durch das Viztum Nothaft
erfolgt, das die Vermittlung des Bildhauers herstellte.
Die Ausbildung der Todesmotive sei in der vom Meister der Albrechtstumba
vorgetragenen Art eine Neuerung. Als mögliche Vorbilder würden
sich lediglich italienische Grabmäler anführen lassen.
Die Frage nach der Lokalisierung der Werkstätten müsse
aber unbeantwortet bleiben. Sicher scheine allerdings, dass fertig
gestellte Grabmäler wegen der Möglichkeit von Beschädigungen
nicht über größere Distanzen transportiert, sondern
vor Ort gefertigt wurden. Es sei nicht zwingend, aufgrund des Materials
- des Adneter Rotmarmors - die Werkstätte in Salzburg anzusiedeln.
Dennoch scheine es aus Gewichtsgründen angebracht gewesen,
wenigstens Grobarbeiten dort auszuführen, um das Transportgewicht
des Steinblocks zu reduzieren.
Wer diesen wissenschaftlichen Artikel mit seinen vielen Detailfotos
in komprimierter Form lesen will, findet ihn als 20-seitigen Aufsatz
im Jubiläumsband "650 Jahre Herzogtum Straubing-Holland".-
fun -
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