Straubinger Tagblatt – 28.03.2006
Gelebter Glaube – Gospelkonzert in der Karmelitenkirche
Theodor Auer
Am Sonntag war die Karmelitenkirche so gut gefüllt wie zu
Weihnachten. Grund hierfür war ein „Gottesdienst“
ganz besonderer Art: ein Gospelkonzert! Ist Niederbayern nicht gerade
Heimat dieser Kirchenmusik – auch wenn es von Nordlichtern
als „schwarz“ bezeichnet wird –, so sind Gospelkonzerte
von durchreisenden Gruppen aus den Südstaaten der USA auch
bei uns gar nicht so selten. Trotzdem war das Konzert der „Gospelsterne“
etwas ganz Besonderes: Mit Ausnahme des aus den USA stammenden farbigen
Chorleiters, Eric Bond, besteht dieser Chor aus Damen und Herren
aus München und Umgebung. Dies allein bietet jedoch noch keinen
Grund, etwas Besonderes zu sein. Das Neue, „Unerhörte“,
im ureigensten Sinn des Wortes, besteht darin, dass der Gospel auf
Deutsch gesungen wird!
Doch passt der aus Jazzwurzeln entstandene Gospelsong stilistisch
und auch artikulationsmäßig überhaupt in die deutsche
Sprache? Von der völlig andersartigen Mentalität afroamerikanischer
Menschen im Gegensatz zu Mitteleuropäern ganz zu schweigen.
Lässt sich beispielsweise ein Altbayer nur mit großer
priesterlicher Überredungskunst dazu bewegen, Kirchenlieder
in der heiligen Messe mitzusingen, so sind rhythmische Tanzbewegungen
und Mitklatschen völlig unvorstellbar.
Gospel, das ist Gebet mit den Lippen, mit der Seele und mit dem
Körper! Aufgabe eines Gospelchores ist, die eigene Begeisterung
über die christliche Botschaft, die in ihr wohnende Hoffnung
des Erlöstseins, so überzeugend der Gemeinde zu vermitteln,
dass diese mitgerissen, hineingezogen wird in diese Verkündigung,
sie nicht nur hört, sondern miterlebt. Geschieht diese Verkündigung
der Frohen Botschaft nicht in einer fremden, sondern in der jeweiligen
Muttersprache, nicht jeder beherrscht ja amerikanisches Englisch
perfekt – noch dazu aus den Südstaaten –, so ist
die Wirkung, der hinterlassene Eindruck, ungleich größer.
Einfache Übersetzung der amerikanischen Gospeltexte führt
zu keinem befriedigenden Ergebnis, weder inhaltlich, noch in das
Gefüge der deutschen Sprache passend. Die Theologin Jutta Hager
formulierte neue, moderne Texte, abgestimmt auf die Kompositionen
des Chorleiters Eric Bond. Die Liebe Gottes zu den Menschen zu verkünden,
ist das Hauptanliegen dieser Texte und dieser Musik. Die Gospelsterne
erfüllen diesen Auftrag in so großartiger Weise, dass
der berühmte Funken tatsächlich auf die Zuhörer übersprang
und diese durch Mitklatschen und auch Mitsingen mit dem Chor eine
Einheit in christlicher Lebensfreude bildeten, so wie es die „Urgospels“
der Afroamerikaner von Anfang an taten. Eric Bond war keineswegs
nur Chorleiter im Sinne eines Dirigenten, er war auch stets präsenter
Solist als Vorsänger. Als Hauptdarsteller in Musicals wie „Jesus
Christ Superstar“, der Rockoper „Othello“ und
auch in „Hair“ floss seine Erfahrung als Profimusiker
in seine überzeugende Interpretation der Gospeltexte ein. Leise,
sehr leise, in langsamen Tempi, dann wieder in ungeheurer Dynamik
die Lautstärke steigernd, mit großer Stimme vermittelte
die Solistin Birgitt Gleixner die Botschaft der Gospelsongs.
Schwester Daniela, Leiterin der Mädchenrealschule der Ursulinen-Schulstiftung,
hielt eine kurze Begrüßungsansprache und dankte dem Elternbeirat,
besonders aber Herrn Strohmeier für seine Idee, die „Gospelsterne“
nach Straubing zu holen. Als besonderes Zeichen empfand Schwester
Daniela, dass die „Gospelsterne“, trotz vollen Terminkalenders,
gerade am Todestag der hl. Ursula, der Ordensgründerin, Zeit
für das Konzert hatten. Dem Konvent der Karmeliten dankte sie,
dass die Patres und Fratres ihre große, schöne Kirche
für dieses Konzert zu Verfügung stellten. Der Mädchenrealschule
der Ursulinen ist mit dem Konzert der „Gospelsterne“
ein großer Wurf gelungen, der in den Herzen der Besucher einen
bleibenden Eindruck hinterlassen wird: Gelebter, gefühlter
Glaube!
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