Straubinger Tagblatt – 18.07.2006

Karmeliten feiern Hochfest

"Verbindung mit Heilswert Christi"

Festgottesdienst mit Weihbischof em.Vinzenz Guggenberger würdigt Gottesmutter

Alljährlich am 16. Juli feiert die Kirche den Gedenktag "Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel", das Skapulierfest. Als Hochfest kann es den Sonntag verdrängen, erklärte Weihbischof em. Vinzenz Guggenberger, der den Festgottesdienst in Konzelebration mit dem Konvent der Karmeliten feierte. Musikalisch umrahmt wurde das Hochamt vom Mittelstufenchor des Anton-Bruckner-Gymnasiums unter Leitung von Stefan Frank sowie Kathinka Frank an der Orgel.
Weihbischof em. Guggenberger bedankte sich für den Willkommensgruß durch Hausherrn Pater Prior Georg Bertram und verwies auf seine Verbundenheit mit den Karmeliten, die bereits seit seiner Schulzeit bestehe. Auf den 16. Juli 1251 gehe der Ursprung dieses Festes, des Hochfestes “Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel³ zurück, erklärte Guggenberger. Damals erschien Maria auf dem Berge Karmel im Heiligen Land dem später heilig gesprochenen Simon Stock und übergab ihm das Skapulier zum Tragen. Das Skapulier könne als doppeltes Zeichen gewertet werden: als Zuneigung Mariens zu den Karmeliten und als Zeichen des Vertrauens des Trägers dieses Kleides. Später mussten die Karmeliten das Heilige Land verlassen und sich in Europa als sogenannte Bettelorden eingliedern, erinnerte der Weihbischof an die Geschichte.
Eingehend auf die Schriftworte der ersten Lesung aus dem ersten Buch der Könige: Elias stieg zum Karmel empor ... erklärte der Prediger die Bedeutung dieser Handlung. Der Berg Karmel gab den Blick frei auf das Mittelmeer und somit auf entstehende Regenwolken. Für die Bewohner des Heiligen Landes war dieser Regen oftmals stark ersehnt. Sechsmal musste der Diener vergeblich Ausschau halten - endlich beim siebten Mal wurde eine kleine Regenwolke erspäht. Sie war klein wie eine Menschenhand. Bis der König jedoch den Berg verlassen hatte, prasselte starker Regen auf die Erde nieder. Das Gebet war erhört worden.

Eine kleine Regenwolke

Die zweite Lesung aus dem ersten Brief Paulus¹ an die Galater passe sehr gut zur vorangegangenen, so der Theologe. Heißt es doch darin: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit der die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen..." Vom Erlöser ist hier zu lesen, von der Zeit, die erfüllt, und von der Erlösung, die nahe ist. Gott sandte seinen Sohn und hat uns damit alles gegeben, was zu geben war. Die kleine Regenwolke aus dem alten Bund sei somit zum Symbol für Christus geworden, schloss Guggenberger den Kreis.
Und im Evangelium, so der Weihbischof, werde die Krönung dieser Verheißung uns mitgeteilt: dass Jesus uns seine Mutter gegeben habe. Sterbend am Kreuz sagte er zu Maria: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte der zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Mit sich hat Jesus, der Erlöser, uns seine Mutter gegeben, erläuterte Festprediger Guggenberger. So verbindet sich das Alte Testament mit einer unscheinbaren Verheißung mit dem Neuen Testament. Johannes hat die Weisung verstanden und befolgt. Dadurch ist eine wunderbare Gemeinschaft entstanden: die Jünger und Maria als Hausgemeinschaft. “Die Verbindung mit Maria bedeutet Verbindung mit dem Heilswert Christi."
Gott um Hilfe gebeten
In den Fürbitten, die Pater Rainer Fielenbach vortrug, wurde Gott um Hilfe angerufen: - für die Ordensgemeinschaft der Karmeliten, damit sie ihre Aufgaben in Kirche und Welt in dieser Zeit erkennen möge; für die jungen Menschen, damit sie Bereitschaft für das Evangelium zeigten. Kraft und Segen wurde erbeten für alle, die sich mit dem Kloster in Straubing verbunden wissen. Ein Anliegen der Karmeliten, die ihre Wurzeln in Heligen Land haben, ist der Friede und die Versöhnung für die Menschen in der Heimat Jesu. Eingeschlossen in die Fürbitten wurden alle Verstorbenen, besonders die der Karmeliten, der Förderer und des dritten Ordens des Skapulierfestes.
Neben Liedern für Chor und Gemeinde, die Kathinka Frank an der wunderbaren Sandtner-Orgel begleitete, beeindruckte der Mittelstufenchor - ausschließlich Mädchen - des Anton-Bruckner-Gymnasiums unter Leitung von Stefan Frank. Die glockenreinen Stimmen standen für Frische und Feierlichkeit gleichermaßen. Mit einem mitreißendem “Großer Gott, wir loben dich³, klang der Festgottesdienst aus. -ria-

Feierten in Konzelebration die Messe zum Hochfest des Karmelitenordens (v.l.): Pater Rainer Fielenbach, Pater Viktor Harke, Pater Englmar Reiner, Pater Prior Georg Bertram, Weihbischof em. Vinzenz Guggenberger, Bischöflich Geistlicher Rat Josef Waas, Bruder Elias Steffen und Pater Theo Vreeswijk.