Straubinger Tagblatt – 09.11.2006
MUSA'ADE heißt arabisch Hilfe
Bereits 70 Prozent der Palästinenser leben unter der Armutsgrenze
Neuer Verein für Bethlehem gegründet
Wenn die Menschen in Bethlehem ihre Situation beschreiben sollen,
stecken sie in einem Dilemma. Für sie ist das Leben mit eingeschränkter
Bewegungsfreiheit, Kontrollen und Arbeitslosigkeit zum Normalfall
geworden. Das Ausland einschließlich der Christen hat die
Geburtsstadt Jesu aus dem Blick verloren. Um diesen Menschen dort
wieder ein bisschen Hoffnung zu geben, wurde kürzlich der Verein
"MUSA'ADE - Hilfe und Hoffnung für Bethlehem" gegründet.
Zur Normalität gehört in Bethlehem mittlerweile, dass
man nur nach dem Passieren mehrerer Checkpoints der israelischen
Armee zu lebenswichtigen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder
Schulen kommt. Das dauert oft Stunden. Weil Müttern die Weiterfahrt
zu einem Krankenhaus verwehrt wurde, wurden in Palästina allein
von Anfang September bis Mitte Oktober 69 Babys an Checkpoints geboren.
Über 30 auf diese Weise geborene Babys starben seit 2001 wegen
mangelnder medizinischer Hilfe. Das Caritas Babyhospital in Bethlehem
ist eine von vielen karitativen Einrichtungen in Bethlehem. Es ist
das einzige Kinderkrankenhaus in den Palästinensischen Gebieten,
einer Gegend mit rund 500 000 Kindern, die jünger als vier
Jahre alt als sind. Ohne nach Herkunft, Religion oder Geld der Eltern
zu fragen, behandelt das Krankenhaus alle Kinder. Im zweiten Quartal
2006 lebten bereits 70 Prozent der Palästinenser unter der
Armutsgrenze.
Dank
ausländischer Hilfe konnte in der Nachbarstadt von Bethlehem
beispielsweise die einzige Behindertenwerkstätte eröffnet
werden. Einige Familien überleben nur noch durch das Gehalt
ihrer behinderten Kinder. Aber diese Werkstätte hat durch die
ausbleibenden Touristen keine Möglichkeit ihre Arbeiten zu
verkaufen. Von dieser Not und Hoffnungslosigkeit betroffen sind
auch die Familien der Olivenholzschnitzer, fast ausnahmslos Christen.
Die meisten haben trotz Null-Absatzmöglichkeiten weiter ihre
Schnitzereien gefertigt. Seit mehreren Jahren unterstützt Pater
Rainer Fielenbach vom Karmelitenkloster bereits die Olivenholzschnitzer
und die Behindertenwerkstätte durch den Verkauf ihrer Arbeiten
in Deutschland und spendet außerdem an viele karitative Einrichtungen
im Heiligen Land.
Da auf der politischen Ebene im Heiligen Land keine schnelle Änderung
zu erwarten ist, verbleibt nur der Weg, den Mitchristen zu helfen
und Solidarität zu zeigen. Deshalb wurde der Verein "MUSA'ADE
- Hilfe und Hoffnung für Bethlehem" gegründet. Die
Mitglieder wollen den selbstlosen Verkauf von Arbeiten aus dem Heiligen
Land in Deutschland ebenso unterstützen, wie auch mit verschiedenen
Aktionen Spenden für karitative Einrichtungen in Bethlehem
wie beispielsweise für das Caritas Babyhospital ermöglichen.
Außerdem werden auch Solidaritätsreisen ins Heilige Land
angeboten. Wer den Menschen in Bethlehem helfen möchte oder
sich genauer über den Verein informieren will, kann sich im
Karmelitenkloster bei Pater Rainer unter Telefon 843713 oder über
die Email-Adresse Karmel.Straubing@t-online.de melden. -red-
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