Straubinger Tagblatt – 29.11.2006

Einkaufen und Selbstwert schenken

Ab heute Ausstellung und Verkauf im Karmelitenkloster mit Schauschnitzen

Holzschnitzereien aus Bethlehem

Wie lange braucht ein Schnitzer, um aus einem Stück Olivenholz beispielsweise ein Kreuz herauszuarbeiten? Worauf muss man beim Schnitzen achten und was ist eigentlich das besondere an Olivenholz? Diese und viele andere Fragen können die Besucher der diesjährigen Olivenholzadventaus-stellung im Karmelitenkloster an einen Holzschnitzer aus Bethlehem stellen. Denn heuer wird zum ersten Mal auch Emil, ein palästinensischer Holzschnitzer, zeigen, wie aus einem Stück Holz ein Kreuz oder andere Dinge entstehen. Außerdem können die Besucher auch fertige Krippen, moderne Schnitzarbeiten von biblischen Motiven, Christbaumanhänger, Kreuze, Gebrauchsgegenstände und vieles mehr bewundern und erwerben.

Mit dem Verkauf der Holzschnitzereien werden 40 Schnitzerfamilien in Bethlehem unterstützt, denen durch die Besatzung der Israelis die Lebensgrundlage entzogen wird. Gerade in der Weihnachtszeit sollte man auch an die aktuelle Situation der Menschen im Heiligen Land denken. Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Zukunft würden seit über fünf Jahren den Alltag der Menschen in Bethlehem und ganz Palästina bestimmen, berichtet Pater Rainer Fielenbach, der seit Jahren den Verkauf der Schnitzereien zugunsten der Holzschnitzer in Bethlehem organisiert.

Überleben für einige Zeit

Nach fünf Jahren der Abriegelung von der Außenwelt sei die Arbeitslosigkeit in der Geburtsstadt Jesu auf rund 75 Prozent gestiegen. Wegen der schier endlosen Schikanen durch die israelische Armee würden kaum mehr Pilger und Touristen die Stadt besuchen. Die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Von Not und Hoffnungslosigkeit betroffen seien in besonderer Weise auch die Familien der Olivenholzschnitzer, die fast ausnahmslos Christen seien, erklärt Pater Rainer. Die meisten würden trotz geringer Absatzmöglichkeiten weiter ihre Krippen fertigen in der wagen Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch Pilger nach Bethlehem verirren. "Da auf politischer Ebene im Heiligen Land leider keine Änderungen zu erwarten sind, bleibt uns nur dieser Weg, unseren Mitchristen zu helfen und ihnen unsere Solidarität zu zeigen", unterstreicht Pater Rainer.
Um in dieser Resignation und Hoffnungslosigkeit wenigstens 40 christlichen Familien einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben, bietet das Karmelitenkloster auch heuer wieder die Arbeiten der Bethlehemer Schnitzer zum Kauf an. "Die Schnitzerfamilien wollen nicht um Spenden betteln, sondern mit ihrer Arbeit Geld verdienen", betont Pater Rainer. Durch den Kauf der schönen Schnitzereien würdige man die Arbeit dieser Menschen, gebe ihnen ein Stück Selbstwert und sichere ihr Überleben für einige Zeit.
Die Ausstellung in der Aula des Karmelitenklosters, Albrechtsgasse 20, ist bis 21. Dezember täglich von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet.