Straubinger Tagblatt - 7. Dezember 2007
Anfassen ist ausdrücklich erlaubt
Ausstellung "Biblische Ikonen aus der arabischen Welt" bei den Karmeliten
Ein Stück Glaubens- und Lebenswelt der christlichen Minderheit im Heiligen Land offenbart sich in wunderschönen, farbenprächtigen Ikonen. Die Bibelpastoralstelle der Diözese Regensburg stellt in der Vorweihnachtszeit eine beeindruckende Sammlung von Ikonen speziell aus Bethlehem als Wanderausstellung im Karmelitenkloster aus. Zur Eröffnung der Veranstaltung, die bis zum 21. Dezember zu besichtigen ist, konnte Dr. Reinhold Then, der die Ausstellung auch konzipierte, mit ungeheurem Fachwissen aufwarten.
Ikonen - das ist ein weites Feld und eine Wissenschaft für sich. Dr. Reinhold Then von der Bibelpastoralstelle der Diözese Regensburg ist es gelungen, eine repräsentative Sammlung von Ikonen zu präsentieren, die auf Traditionen der griechisch-orthodoxen Kirche, wie sie in Aleppo, Syrien und im Libanon zu Hause sind, beruhen. Ein besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Ikonen wurde auf die Ikonenfrömmigkeit der arabischen Christen gelegt, die vor allem den byzantinischen Ritus vollziehen. Then berichtete in seinem Einführungsvortrag unter anderem über den biblisch begründeten Hintergrund der Ikonenverehrung im Glauben der Christen in der arabischen Welt. Mit der diözesanen Ausstellung "Biblische Ikonen aus der arabischen Welt" werde versucht, der wichtigen Ortskirche im Heiligen Land ein Gesicht zu geben. Es sei vor allem an die Christen in Betlehem gedacht, die gegenwärtig in einer besonders schweren Situation leben. Eingemauert von der israelischen Mauer kämpfen sie um ihr wirtschaftliches Überleben. Dies war auch der Grund, weshalb für die Hauptikonen dieser Ausstellung Ikonenschreiber aus Betlehem gewonnen wurden und nicht aus Damaskus und Beirut, wie ursprünglich vorgesehen.
Anhand der Hauptikone der Ikonostase, der "Hodegetria", übersetzt "Maria, die Wegweiserin", erklärte Then den Unterschied der Marienbildnisse der Westkirche im Vergleich zu der Ostkirche. Betrachte man den Fingerzeigegestus der rechten Hand Mariens, so weise dieser auf das Jesuskind und sage damit, es geht nicht um ihre Person, sondern um diesen Jesus, den sie als Gottesgebärerin zur Welt gebracht habe. In der Ausstellung sind neben der "Hodegetria" auch viele biblische Abbildungen zu betrachten. Jedes der Exponate ist erklärt und anhand von Schautafeln kann man einiges über die Entstehung und Bedeutung der Ikonen erfahren.
Parallel zu den Olivenholzschnitzern aus Bethlehem, die auch in diesem Jahr im Karmelitenkloster ihre kunstvollen Schnitzereien ausstellen und zum Verkauf anbieten, ist die Ikonenausstellung in der Zeit von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr zur Betrachtung geöffnet. Vielleicht eine gute Gelegenheit für ein kurze Zeit des Innehaltens und Nachdenkens zwischen Weihnachtsfeierstress und Shoppingtouren.
Übrigens, die arabischen Christen verehren die Ikonen auch, indem sie sie berühren und küssen - also das Anfassen der kleinen Kunstwerke ist ausdrücklich erlaubt. - aka -
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