Straubinger Tagblatt - 24. Dezember 2007
Straubinger helfen Krippenschnitzern in Bethlehem
„Ich werde allen von euch erzählen“
Emil Isaac ist Schnitzer aus Leidenschaft – Viele Christen müssen Bethlehem verlassen


DieWerkstatt von Krippenschnitzer Emil Isaac ist gerade mal 14 Quadratmeter groß und ist dennoch der wichtigste Ort für den 47-Jährigen in seinem Haus. – Pater Rainer hilft Emil Isaac und den anderen Bethlehemer Schnitzern nicht nur, sondern ist mittlerweile auch ein guter Freund.
Ein ganzer Himmel von drei Zentimeter großen Bethlehem-Schweifsternen, eine Armee winziger Josefs mit je einer knieenden Maria und eine ganze Schar Neugeborener auf dem kleinen Holztisch in einer 14 Quadratmeter großen Werkstatt. Die Hände voller Holzstaub und mit einem Lächeln auf den Lippen saß mittendrin Emil Isaac. „Ich wollte ein Foto von dem Zimmer und Emil machen, aber der Platz reichte nicht aus, um die Werkstatt aufs Bild zu bekommen“, erzählt Pater Rainer Fielenbach von seiner ersten Begegnung mit dem 47-jährigen christlichen Schnitzer aus Bethlehem. Es sei etwas Besonderes gewesen, dass der Pater aus Deutschland ihn besucht habe: „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand für uns Christen in Bethlehem interessiert.“
Er schnitze ganz kleine Krippen, kleine Krippen und mittlere Krippen aus Olivenholz, antwortet Emil Isaac, wenn man ihn nach seiner Arbeit fragt. Wie lange er für eine Krippe brauche, könne er so gar nicht sagen, da er immer mehrere gleichzeitig fertige: „Ich arbeite täglich von 8 bis 20 Uhr, schließlich habe ich keine Angestellten sondern bin alleine.“. Fleißige Helfer habe er allerdings doch. Wenn seine Frau Nadja nachmittags ihrer Arbeit als Behindertenlehrerin in einer Schule in Bethlehem beendet hat und seine Söhne Tamir, Amir und Samir von der Schule nach Hause kommen, dann würden die winzigen Krippenfiguren sortiert und zusammengeleimt. „Ohne diese fleißigen Hände wäre es fast nicht zu schaffen“, sagt Emil. „Die einzelnen Figuren sind so winzig, dass ich sie mit meinen großen Fingern oft gar nicht so gut zusammenleimen kann“, sagt er lächelnd und zeigt seine Hände. Nur an seine Maschine, eine Stichsäge, da dürfe niemand ran. Er war nicht immer Schnitzer. Früher sei Schnitzen nur ein Hobby gewesen. Er habe 13 Jahre lang als Tankwart und auch schon in einem Souvenirgeschäft gearbeitet. Doch nun sei er nur noch Schnitzer: „Ich kann den Beruf eigenständig ausüben und außerdem ist es eine Arbeit in Bethlehem. Ich kann also täglich etwas tun.“
Denn seit die acht Meter hohe Mauer um die Kleinstadt gebaut wurde und die Bethlehemer nicht mehr zu jeder Zeit aus der Stadt hinaus können, sei es sehr schwierig, außerhalb einem Job nachzugehen, erklärt Pater Rainer Fielenbach. „Viele wurden ausgestellt, weil sie nicht täglich zur Arbeit kamen. Den Arbeitgeber interessiert es eben nicht, ob man einfach so nicht kommt oder weil man nicht aus der Stadt durfte.“ Seitdem versuchen viele Bethlehemer, Arbeit in ihrer Stadt zu bekommen. Von den 55000 Einwohnern gibt es mittlerweile etwa 600 Schnitzer, die meist Souvenirs für Touristen herstellten. Doch auch die bleiben seit einigen Jahren aus und so wird auch diese Arbeit immer schwieriger. Viele Christen haben Freunde im Ausland und ziehen weg, weiß Pater Rainer. Statt 40000 leben heute gerade mal noch rund 25000 Christen in der Geburtsstadt Jesu – „Und es werden monatlich weniger.“ Aber es sei doch traurig und unvorstellbar, wenn gerade die Urquelle des Christentums zum Museum werde, weil dort keine Christen mehr lebten, sagt Pater Rainer Fielenbach.
„Es ist nicht einfach“
Die Behindertenschule, in der Nadja Isaac als Lehrerin arbeitet, schließt im kommenden April, eine ähnliche Schule gibt es nicht. Emil Isaac besitzt ein Haus in Bethlehem mit seiner eigenen Werkstatt und lebt schon immer im Heiligen Land. Auch er arbeitet hart, schnitzt viel und kann dennoch in Bethlehem fast nichts verkaufen. Das Olivenholz, das er zum Schnitzen braucht, kauft er in Kilos, momentan zum Preis von rund 1,80 Euro pro Kilo. „Es ist nicht einfach“, sagt er leise und runzelt dabei seine Stirn. Aber Schnitzer sei er aus Leidenschaft: „Es ist ein schönes Gefühl, aus einem einfachen Stück Holz etwas ganz Neues zu erschaffen.“ Außerdem liebe er den Geruch des Olivenholzes, wenn er es bearbeitet. Und aus Bethlehem wegziehen, das könne er sich auch nicht vorstellen, die kleine Stadt sei doch seine Heimat. Aber die Lage für christliche Familien dort sei schlecht und viele, die bereits ins Ausland gezogen seien, haben es sich zuerst auch nicht vorstellen können.
Dank an Straubinger
Aber Emil Isaac glaubt, dass er trotz der Situation mit seiner Familie in Bethlehem bleiben kann, und zwar Dank Pater Rainer Fielenbach und vieler Straubinger. Seit der Pater und später auch der von ihm mitgegründete Verein „MUSA'ADE – Hilfe und Hoffnung für Bethlehem“ die Arbeiten von etwa 40 Schnitzern nach Deutschland bringen und verkaufen, ist das Überleben dieser Familien gesichert. „Ich danke allen Straubingern von Herzen, die uns unterstützen, indem sie die Schnitzereien kaufen. Ich kann gar nicht sagen was es für uns Bethlehemer bedeutet, dass sich Menschen hier in Deutschland für uns und unsere Situation interessieren und uns helfen“, sagt der 47-jährige Araber tief berührt. „Danke“, wiederholt er noch einige Male, um zu verdeutlichen, wie ernst er es meint. Um beim Verkauf im Karmelitenkloster zu helfen, war Emil Isaac die vergangenen vier Wochen in der Gäubodenstadt, doch am 21. Dezember flog er zurück nach Hause. Weihnachten wird er mit seiner Frau, den drei Söhnen und allen christlichen Bethlehemern sowie vielen Gästen aus aller Welt um Mitternacht in der Geburtskirche Jesu feiern. Und während Pater Rainer verspricht, dass die Straubinger auch während der Feiertage und im neuen Jahr an ihn und die anderen Schnitzer denken, lächelt Emil Isaac: „Ich werde allen meinen Verwandten, Bekannten und Freunden in Bethlehem von den Straubingern und ihrer kleinen Stadt erzählen. So wird auch an euch gedacht und zwar nicht nur an Weihnachten.“
Julia Bachl |