Straubinger Tagblatt - 13. März 2008

Palästinenser: ein Volk in Not

Pater Rainer referiert bei der Senioren-Union über Probleme im nahen Osten „Mindestens acht Meter hoch umgibt eine Betonmauer zu mittlerweile zwei Dritteln Bethlehem, den Geburtsort Christi. Das restliche Drittel führt in die Wüste.“ So berichtete Pater Rainer von den Straubinger Karmeliten über seine zahlreichen Reisen ins Heilige Land und die intensiven Kontakte zu Menschen im Westjordanland und Israel. An 1500 Adressaten versende er regelmäßig seine Newsletter.

Erschütternde Szenen sahen Mitglieder und Gäste der Senioren-Union Straubing-Stadt im gefüllten Saal des Gäubodenhofs, als ihnen diese Filme und Bilder gezeigt wurden: Bulldozer zermalmen Häuser. Bagger reißen Bäume und Sträucher aus, von deren Ertrag palästinensische Familien leben. Olivenhaine sind hermetisch durch mehrfach gestaffelte Anlagen abgetrennt von den Wohnstätten der Besitzer. Ausländische Gruppen helfen ab und zu bei der Ernte. „Die Mauer muss fallen“, singt eine Männerstimme im Film wiederholt.
Auf einer Landkarte zeigt Pater Rainer die kleinen Flecken, die innerhalb des Westjordanlands noch von der palästinensischen Regierung verwaltet werden. Inseln im israelisch beherrschten Gebiet. Will ein Palästinenser einen Krankenbesuch unternehmen, stünden Kontrollstellen im Weg. Im Ganzen hätte es im September des vergangenen Jahres 572 gegeben. Oft müsse ein Palästinenser aus Bethlehem stundenlang am Checkpoint warten, um an seine Arbeitsstelle in Jerusalem zu kommen. Nach Feierabend wieder. Um 19 Uhr aber werde ganz abgesperrt. „Im schmalen Gazastreifen, etwa so lang wie von Wörth an der Donau nach Regensburg, sind fast 1,5 Millionen Palästinenser zusammengepfercht, die zu 90 Prozent nur mit Hilfe der UNO leben können,“ erklärt Pater Rainer, und: „Mehr als 11000 politische Gefangene gibt es, davon zehn Prozent in Administrativhaft, die ohne rechtliche Prüfung möglich ist.“ 340 Kinder seien gefangen, wegen Steinwürfen oder ähnlichen Delikten.
Nachdem jedes Jahr 1000 Christen Bethlehem verlassen hätten, lebten dort jetzt noch etwa 30000. Um ihnen ein Bleiben zu ermöglichen, hilft Pater Rainer vom Karmelitenkloster Straubing durch seinen Verein „MUSA'ADE – Hilfe und Hoffnung für Bethlehem“, der „Licht hinter die Mauern von Bethlehem“ bringen wolle. Zur Geburtsstätte Christi. –red-

Pater Rainer Fielenbach (vorne Mitte), hielt bei der Senioren-Union einen Vortrag über die Probleme im Palästinensergebiet. Hier mit einer Besuchergruppe in Betlehem.