Straubinger Tagblatt - 13. Mai 2008

Bruder Elias, Pater Rainer, Pater Viktor, Pater Engelmar, Pater Georg, Pater Felix (von links)
und links dahinter Bruder Josef am Altar beim Pfingstgottesdienst in der Karmelitenkirche.
„Die Kirche braucht auch heute Visionäre“
Pater Rainer: Christentum begann mit Menschen, die das gültige Muster durchbrachen
„Bitten wir mit der Kyrie die Herabkunft des Heiligen Geistes in die Mitte unserer Herzen“, begrüßte Pater Viktor die Gläubigen im Gottesdienst am Pfingstsonntag in der Karmelitenkirche. Mit Menschen, die das herkömmliche Muster durchbrachen, begann die Kirche. Solche Visionäre brauche eine Gemeinde auch heute, Visionäre, die wie die Jünger Gottes große Taten verkünden, predigte Pater Rainer. Die musikalische Umrahmung übernahm die Musikgruppe „Cantico“ aus Tegernheim.
Dem Heiligen Geist ist die Karmelitenkirche in Straubing geweiht, und das Pfingstereignis ist auf dem Altarbild sichtbar. Seit 640 Jahren sind die Karmeliten nun hier, das Aussehen der Kirche und des Klosters hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Pfingsten und der Jahrestag waren Anlass zu einer feierlichen Messe. Festlich zogen Pater Viktor, Pater Rainer, Pater Engelmar, Pater Georg, Pater Felix, Bruder Josef und Bruder Elias begleitet von vier Ministranten in die Kirche ein.
Der Gottesdienst wurde immer wieder mit anspruchsvollen Kirchenliedern umrahmt, teilweise in lateinischer Sprache. Von „Webfehlern“ und „Visionären“ sprach Pater Rainer in seiner Predigt. Er erzählte, das die Navajos, ein amerikanischer Indianerstamm, bewusst in eine Ecke eines Teppichs einen kleinen Fehler weben. Diesen Webfehler betrachten sie als Stelle, wo der große Geist in den Teppich hineingeht und wieder heraus.
„Der hat einen Webfehler,“ damit wird ein Mensch bei uns beschrieben, den man für verrückt hält, der das herkömmliche Muster durchbricht. Pater Rainer wandte sich direkt an die Messebesucher: „Muss das immer negativ sein?“
Als der Geist Jesu, der Heilige Geist, einen Zugang zu den Aposteln fand und sie hinausgingen, um das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden, hielten die anderen sie für betrunken oder verrückt. Das Christentum beginnt also mit Menschen, die das bisher gültige Muster durchbrachen. „Menschen mit Webfehlern, durch die der Heilige Geist sie inspirieren konnte“, sagte Pater Rainer. Als Beispiele nannte er Franz von Assisi oder Elisabeth von Thüringen, die mit wachen Sinnen den krassen Unterschied zwischen der Verschwendungssucht der Oberschicht und dem Leben des armen Volkes wahrnahmen. Visionen seien Ausdruck einer neuen Hoffnung, die aus dem Geist Gottes lebt. Sie würden immer dort greifbar, wo Menschen Neues wagten, was andere belächelten, wo ein Webfehler nicht Qualitätsminderung bedeute, sondern höchst bedeutsam werde – eben als Einfallstür Gottes. „Ein Kirche, eine Gemeinde ohne Visionäre ist wie eine Messe ohne Wandlung. Wir brauchen Männer und Frauen, die auf den täglichen Lebensweg gehen und wie die Jünger Gottes große Taten verkünden“, betonte Pater Rainer. Pater Viktor bedankte sich bei den Besuchern für das Mitfeiern und besonders bei der Musikgruppe „Cantico“, die einen Extra-Applaus von den Kirchgängern bekam. Am Nachmittag folgte eine feierliche Vesper mit Erteilung des päpstlichen Segens zum Ereignis von Pfingsten und des Jahrestages der Klostergründung. - dor - |