Straubinger Tagblatt – 15.10.2008

Die "Bettelmänner Gottes"


Frühjahrs- und Herbstsammlungen einst und jetzt

In der ersten Oktoberwoche sind wir in unserer Diözese wieder aufgerufen, den ehrenamtlichen Sammlern der Caritas finanzielle Unterstützung zu gewähren. Trotz Konjunkturaufschwungs führen immer noch viele Menschen ein Leben am Existenzminimum. Diese große Sammelaktion steht heuer unter dem Motto: "Not sehen und handeln." Ein Rückblick versetzt uns in die Zeit früherer Sammelaktionen.
Die Not der Nachkriegsjahre war überall spürbar und ein Geben für die leidende Bevölkerung war unerlässlich. Im Halbjahres-Rhythmus zogen die von den kirchlichen Orden der Karmeliten aus Straubing und der Kapuziner aus Regensburg ausgeschickten "Bettelbrüder" durch die Pfarreien, von Haus zu Haus und trugen ihre Bitten vor.

Wir erinnern uns an Frater O. Carm. Seraphim vom Karmelitenkloster Straubing und an Kapuzinerbruder Kandidus von St. Fidelis, Regensburg, welche die Häuser und Höfe unserer Gemeinde und Umgebung zweimal im Jahr besuchten. Für den Orden, besonders aber für ihre Seminare, erbaten sie Sachspenden (Mahlweizen, Schmalz, Butter und Eier). Mit großer Freundlichkeit traten sie in jedes Haus und baten um eine milde Gabe. Wer kannte nicht das sonnige Lächeln, das beiden eigen war.
Während Kapuzinerbruder Kandidus mühsam und unverdrossen seinen Handwagen von Hof zu Hof, von Dorf zu Dorf zog und darin seine Gaben verstaute, konnte sich Frater Seraphim eines Kleinmotorrades mit Anhänger erfreuen. Sein Dienst wurde enorm erleichtert, als er in späteren Jahren auf ein Auto mit Ladefläche umsteigen konnte. Eine großzügige Spende einer Autofirma machte dies möglich.

Mit großer Freude wurden Frater Seraphim und Bruder Kandidus von den Kindern begrüßt, durften sie sich doch aus ihren "Schatztruhen" ein glänzendes Ringlein und zudem ein begehrtes Bild aussuchen. Für das Vieh gab es "Geweihtes" (getrocknete Heublumen). Zeigte sich das Wetter gerade nicht von der besten Seite, so hatten beide "Sammelbrüder" Zeit für eine frohe Unterhaltung, aber auch eine gute Brotzeit verschmähten sie nach getaner Arbeit nicht.
War dann der Weizensack ziemlich voll, baten sie um ein Bringen der Spenden zur Sammelstelle, dem Pfarrhof, zur Zwischenlagerung. Mit einem herzlichen "Vergelt's Gott" und frohem "Pfüat Gott" steuerten sie die nächste Ortschaft an. Frater Seraphim und Bruder Kandidus haben dabei nie ihr Lächeln verloren, trotzdem sie viele Monate im Jahr bei Wind und Wetter unterwegs waren. Diesen Dienst übten beide ca. 25 Jahre aus.

Beide "Sammelpater" fühlten sich in ihrer Rolle und ihrem Auftrag wohl und waren bei der Bevölkerung beliebt und geehrt. Aber auch beide Orden haben diese ehrenwerten Männer nicht mehr in ihren Reihen. Sollte aber, nachdem kein Frater Seraphim und Bruder Kandidus mehr an unsere Tür klopft, die Spendenfreudigkeit erlahmen? Nein, ganz gewiss nicht! Else Bumes