Ein Pfarrer, der malt
Sieger Köder im Januar 2005 80 Jahre alt - und arbeitet unermüdlich.
Sieger Köder, ist Priester und einer der bekanntesten christlichen Künstler
der Gegenwart.
Das Interesse an seinem Werk ist ungebrochen.
Sieger
Köder wurde am 3. Januar 1925 in Wasseralfingen auf der schwäbischen
Ostalb geboren. Nach Krieg und Gefangenschaft ließ er sich zum Kunsterzieher
ausbilden, was er zusammen mit Anglistik bis 1965 unterrichtet hat. In Tübingen
und München studierte er dann Theologie und wurde 1971 zum Priester geweiht.
Nach seiner Vikarszeit in Ulm war er 20 Jahre lang Pfarrer in den Ostalbdörfern
Rosenberg und Hohenberg; heute lebt er in Ellwangen.
Sieger Köder wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bedacht:
1985 verlieh ihm der Papst den Titel Monsignore. Er ist Träger des Landesordens,
außerdem wurde ihm der Professorentitel verliehen. 1996 gestaltete Köder
als erster deutscher Künstler das Hungertuch für die Misereor-Fastenaktion.
2003 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Salesianer-Hochschule Benediktbeuern.
Sieger Köder über sich selbst:
»Den Ausdruck Künstler mag ich gar nicht. Ich bin ein Pfarrer, der
malt.« Also Pfarrer und Maler, Monsignore und Professor auch, begnadeter
Erzähler, Freund, Mentor - einfach »SK«, wie man ihn zu Hause
nennt.
"Ich
bin ein Pfarrer, der malt", sagt er knapp. Und weil ihm die Reihenfolge
der Berufungen wichtig ist, schiebt er nach: "Kein Maler, der ab und zu
noch Pfarrer ist." Sein Werk ist von daher auch keine frei schwebende Kunst
um der Kunst willen. Sieger Köders Arbeit will der Verkündigung dienen,
ja sie ist Verkündigung mit Pinsel und Farbe. "Ich male vor allem
für eine gläubige Gemeinde", erklärt er: "Meine Arbeiten
sind meistens aus den Bedürfnissen einer Pfarrei heraus entstanden."
Doch zunächst bekam die Kunst den Vorrang und Sieger Köder ließ
sich an der Stuttgarter Akademie ausbilden. Danach lehrte er Kunst und Englisch
an einem Gymnasium. "Ich war gern Kunsterzieher", erzählt Köder,
der Weggang sei ihm nicht leicht gefallen.
Aber der Ruf der Theologie war stets mindestens genauso stark. Das Zweite Vatikanische
Konzil und im Besonderen die Begeisterung über den Konzilspapst Johannes
XXIII. gaben den letzten Anstoß, noch einmal neu anzufangen und das Studium
aufzunehmen. Damals war Köder 40 Jahre alt. Und natürlich hat er da
oft den Spruch zu hören bekommen, wonach die Schwaben erst in diesem Alter
schlau werden. "Das stimmt", hat er dann immer gesagt: "Drum
geh ich jetzt zur Theologie."
Diese Entscheidung würde er heute wahrscheinlich genauso treffen, sagt
Sieger Köder nach kurzem Überlegen - wahrscheinlich aber aus einer
anderen Motivation heraus. Die Aufbruchstimmung des Konzils, die ihn damals
getragen habe, sei schließlich weithin verflogen. Und die Situation der
Kirche hierzulande kann dem 80-Jährigen durchaus Sorgenfalten auf die Stirn
zeichnen. Trotzdem würde er sich wohl mit einem herzhaften "Jetzt
erst recht" auch heute dem Theologiestudium zuwenden.
Wer
Bilder sucht, ist bei Sieger Köder genau richtig. Wegen der intensiven
Farbigkeit seiner Werke hat man ihn schon als "schwäbischen Chagall"
bezeichnet. Dieser Vergleich ist dem Malerpfarrer ein bisschen zu verwegen,
er selbst stellt seine Arbeiten lieber unter die Überschrift "biblischer
Realismus". Inhaltlich "predigen" seine Bilder eine menschenfreundliche
Theologie. Dass dies gefragt ist, zeigen auch Zahlen: Mehr als 40 Kirchen hat
Sieger Köder gestaltet, 60 Bücher sind von ihm erschienen, jedes Jahr
bringt sein Hausverlag in Stuttgart einen Kalender mit seinen Arbeiten heraus.
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